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Kruscht kam ihm möglichst nicht ins Haus

Der Rottenburger Georg Kopp sammelte Andenken von seinen Fernreisen

Georg Kopp ist viel herum gekommen in der Welt und hat sich stets ein Stück Kunsthandwerk mit nach Hause gebracht. Seine Souvenirs füllen ein ganzes Zimmer.

13.08.2012
  • Frank Rumpel

Rottenburg. „Ich habe immer wieder ein anderes Eck der Welt besucht, um möglichst viele Eindrücke zu bekommen“, sagt der 83-jährige Rottenburger Georg Kopp, während er seinen Blick kreuz und quer durch den kleinen Raum schweifen lässt. Da stehen Holzfiguren aus Argentinien, Borneo und Papua Neuguinea, an der Wand hängt eine Tanzmaske aus Bali, Kopfbedeckungen aus vielen Teilen der Welt, ein handgefertigter Speer aus Kenia, ein T-Shirt aus Rio. Auf einem Tischchen stehen goldene Buddhas aus Myanmar und Thailand, ein gusseiserner Elefant aus Sri Lanka und eine Glocke aus Tibet. Auf dem Boden liegt ein Teppich aus Peking. „Ich habe so gut wie keinen Kruscht gekauft“, sagt Kopp.

Zwischen dem Kunsthandwerk hängen Fotos: Georg Kopp bei einem Stamm in Papua Neuguinea, mit einem Priester in Indien, auf einem Pferd in der Karibik oder mit einem Taxifahrer in Venezuela, der buddhistische Tempel in Lhasa, Kapstadt von oben.

Georg Kopp hatte ursprünglich mal Koch gelernt, arbeitete aber lange beim Fernmeldezeugamt der früheren Deutschen Bundespost in Rottenburg (heute eher als DHL-Gelände bekannt und für ein Einkaufszentrum vorgesehen). Er engagierte sich in der Gewerkschaft engagierte; eine Zeitlang war er Vorsitzender des DGB Ortskartells. Er war es, wie er sagt, der in Rottenburg wieder die Feierlichkeiten zum 1. Mai einführte. Seit wenigen Jahren ist diese Feier wieder eingeschlafen – es kamen immer weniger, und die die kamen, waren immer älter.

Jeweils eine Woche Erholung auf Bali

Drei Wochen war Georg Kopp meist unterwegs, wenn er reiste. Zwei Wochen lang setzte er sich intensiv mit der Kultur eines Landes auseinander, fuhr viel herum und verbrachte – zumindest, wenn er in Asien unterwegs war – die dritte Woche meist auf Bali. Dort konnte er sich gut „von den Strapazen erholen“. Denn Kopp wollte nicht Urlaub machen, sondern „etwas erleben“. Weil dieses Erleben anstrengend ist, verreiste er ohne seine Familie.

So verbrachte er etwa eine Woche bei einem Stamm auf Papua. „Ich habe gelesen, das sei noch ein Naturvolk, und genau das wollte ich sehen“, erzählt er. „Das war das Allerbeste!“ Kopp strahl, da er dies sagt. Die Leute dort tanzten zur Begrüßung. „Und schüchtern, wie ich bin, habe ich halt mitgetanzt.“ Er muss nicht lange überlegen, wo er gerne nochmals hin wollte, wenn er könnte. Ohne zu zögern sagt er: „Papua!“

Mit dem Blasrohr schoss er auf Affen

Auch auf Borneo, der drittgrößten Insel der Welt, oder in Thailand verbrachte Kopp einige Tage bei einem Stamm. Auf Borneo durfte er mit auf die Jagd im Regenwald. Mit Blasrohren wurde da auf Affen geschossen. „Ich habe nichts getroffen“, verrät Kopp. Mit dem Essen war er stets vorsichtig, hatte „für Notfälle“ immer Büchsenwurst und vakuumierte Hartwurst dabei.

Auf Sri Lanka war er zwei Mal, denn seinen ersten Besuch dort musste er wegen des Bürgerkriegs abbrechen. „Wir durften damals in Colombo drei Tage lang nicht aus dem Hotel, aber heim wollte ich noch nicht.“ Also flog er, wo er doch schon mal in der Ecke war, weiter auf die Malediven. Aber Sri Lanka reizte ihn, und ein paar Jahre später flog er noch einmal hin, um die Tempel zu sehen und die farbenprächtige Prozession zu Ehren Buddhas in Kandy.

Die schönste Stadt ist für ihn Rio de Janeiro, „obwohl mich Kapstadt auch fasziniert hat“. Aber Rio fand er seiner Lage und Topografie wegen „einmalig schön“.

Fürs Reisen mit dem Rauchen aufgehört

Was ihn besonders interessiert, sind fremde Kulturen. Schon als Neunjähriger, erzählt er, habe er Abenteuerromane verschlungen, die da in Malaysia oder Indien spielten. „Das wollte ich erleben.“ Den Anstoß gab viele Jahre später ein Arbeitskollege. Die erste Fernreise führte 1980 nach Thailand. Seine Reisen sparte er sich zusammen. „Ich habe dafür auch das Rauchen aufgehört.“

Neben seinen privaten Reisen – die letzte führte ihn vor acht Jahren nach Myanmar – war Kopp später auch nebenberuflich als Reiseleiter aktiv. Er fuhr mit Gruppen nach Peking oder Bulgarien. Und auch mit seinem Rottenburger Jahrgang unternahm er einiges. Zum 40-Jährigen ging es nach Tunesien und zum 50er-Fest zwei Wochen nach Kalifornien. Zeitweise haber er sogar mit dem Gedanken gespielt, in die Südsee auszuwandern, erzählt er. Doch seine Gesundheit habe nicht mitgemacht.

Heute ist Georg Kopp froh, im Lauf der Jahre so viele Mitbringsel angesammelt zu haben. Mit ein paar Schritten ist er in seinem Zimmer, sitzt in einem bequemen Sessel und macht von dort aus, manche Reise noch einmal. In Gedanken.

Info Wer in der Raumschaft Rottenburg lebt, eine ebenfalls möglichst ungewöhnliche Sammelleidenschaft pflegt wie Georg Kopp und zudem bereit ist, darüber im TAGBLATT zu berichten, melde sich unter 0 74 72 / 16 06 16.

Der Rottenburger Georg Kopp sammelte Andenken von seinen Fernreisen
Georg Kopp, Weltreisender und Andenkensammler, in seiner Rottenburger Wohnung. Bilder: Rumpel

Der Rottenburger Georg Kopp sammelte Andenken von seinen Fernreisen
Eine balinesische Figur aus der Sammlung von Georg Kopp.

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13.08.2012, 12:00 Uhr

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