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Der Rottenburger Kopp Verlag nahm sein kostenloses Meinungs- und Werbemedium vom Netz
Der Rottenburger Kopp Verlag nahm sein kostenloses Meinungs- und Werbemedium vom Netz. Bild: Screenshot Kopp Verlag
Kopp Online lohnt sich nicht mehr

Der Rottenburger Kopp Verlag nahm sein kostenloses Meinungs- und Werbemedium vom Netz

„Den redaktionellen Teil und die Weltnachrichten mussten wir einstellen“, schrieb der Kopp Verlag am 22. März an „Das Gelbe Forum“, nachdem dort die Spekulationen über das Ende von Kopp Online geblüht hatten.

18.04.2017
  • Gert Fleischer

Eine davon ist, dass das Medienhaus Bertelsmann den Kopp-Verlag „gepampert“ habe, dass Bertelsmann-Chefin Elisabeth Mohn nun aber auf Jochen Kopp Druck gemacht habe, um Angela Merkels Wiederwahl nicht zu gefährden.

Die Mail aus dem Haus Kopp liest sich dagegen langweiliger, ist nicht mal von Firmenchef Jochen Kopp selbst, sondern vom Sekretariat der Geschäftsleitung gezeichnet. Obwohl das Interesse an Kopp Online „überwältigend groß“ gewesen sei, (in der Spitze weit über 600 000 Besucher pro Tag), „hat uns leider die Unterstützung unserer Leser gefehlt“. Trotz zahlreicher Aufrufe seien in den vergangenen zwölf Monaten zusammen nur 6000 Euro an Spenden eingegangen. „Das reicht nicht einmal, um die Seite eine Woche lang in der gewohnten Qualität zu betreiben.“

20 Mitarbeiter seien allein für Kopp Online tätig, schrieb Michael Morris im September 2015 in eben diesem Medium. Diesen sehr langen Spenden-Appell unterzeichneten 15 weitere anscheinend Autoren, darunter der im Januar gestorbene Udo Ulfkotte.

Auch die Unterstützung durch Buchkäufe sei immer weiter zurückgegangen. Ob Kopp damit jene Käufe meinte, die durch Werbung auf Kopp Online oder den Weltnachrichten ausgelöst wurden oder die Buchverkäufe des ganzen Verlags, ist unklar. In der Mail an das Gelbe Forum heißt es: „Ganz offensichtlich hat der weitaus größte Teil unserer Leser lieber einem amerikanischen Großkonzern seine Unterstützung durch Buchkäufe zukommen lassen.“ Damit kann fast nur der Online-Versandhändler Amazon gemeint sein. Die Stellungnahme endet: „Da auch der Kopp Verlag, seine Mitarbeiter und Autoren ihre Arbeit auf Dauer nicht verschenken können, wurde dieser Schritt unausweichlich.“

Vor dieser nachvollziehbaren wirtschaftlichen Argumentation wird Kopps Rückzug als Sponsor der Rottenburger Erstliga-Volleyballer verständlich. Zudem hat der Verlag viele Werbemöglichkeiten in Zeitschriften verloren, die nun auf Einnahmen von Kopp verzichten, um sich nicht mit dem Ruf des Verlags zu belasten, den er sich durch sein rechtslastiges Segment erworben hat, das er gerade auf Kopp Online durch entsprechende Artikel beförderte (wir berichteten). Die Deutschen Bahn AG ließ vor gut einem Jahr sämtliche Kopp-Großflächenplakate abhängen und klebte die weiter vorgesehenen 592 Stück nicht an, wie die Wochenzeitung „Kontext“ damals berichtete. Die Bahn AG, zu 100 Prozent im Bundesbesitz, sorgte sich um ihr Image. Aus dem vermeintlichen Coup wurde für Kopp ein Flop.

Unsere schriftliche Anfrage gestern beantwortete Jochen Kopp lediglich mit dieser Aussage: „Wir haben die Redaktion von Kopp Online bereits vor 8 Monaten, im August vergangenen Jahres, eingestellt.“ Gestern Abend ließ sich jedoch eine Seite vom 10. März 2017 aufrufen, auf der sich Joachim Kuhnle mit einem Artikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über den Kopp Verlag vom 23. Februar 2017 auseinandersetzt.

Der seit Jahren heftigste Kritiker des Kopp Verlags, der frühere Rottenburger Stadtrat Albert Bodenmiller aus bad Niedernau, schrieb uns: „Für den Kampf gegen den Rechtspopulismus wäre die Einstellung von Kopp Online ein großer Gewinn.“

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18.04.2017, 21:00 Uhr

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19.04.2017

15:04 Uhr

Gommeringer schrieb:

Schade, mit dem Wegfall von Kopp online geht ein Stück Vielfalt verloren. Dort konnte man auf eine breite Auswahl an diversen Nachrichten verschiedenster Zeitungen und Magazinen mit unterschiedlicher Berichterstattung zurückgreifen. Jetzt bleibt der Einheitsbrei, dessen Berichterstattung sich allenfalls in der Reihenfolge der beinahe gleichlautenden Nachrichtenmeldungen unterscheidet.



 

 

 
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