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Der Run auf die letzten Einhörner
Schokolade

Der Run auf die letzten Einhörner

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats hat Ritter Sport aus Waldenbuch einen Coup gelandet und damit tausende seiner Kunden verärgert.

18.11.2016
  • Simone Werner

Eigentlich ist es nur weiße Schokolade mit Joghurt und Himbeer-Cassis-Geschmack in einer pinken, glitzernden Karton-Verpackung. Wo sonst „Vollnuss“, „Joghurt“ oder „Nougat“ steht, ist dieses Mal „Einhorn“ zu lesen. Im Vergleich zu anderen Tafeln gleicher Größe ist die limitierte Einhorn-Schokolade von Ritter Sport mit 1,99 Euro sogar verhältnismäßig teuer. Trotzdem hat auch die zweite Auflage der besonderen Edition des Waldenbucher Süßwarenfabrikanten einen riesigen Hype ausgelöst und gleichzeitig auch für viel Ärger gesorgt.

Am vergangenen Montag sollte man die besondere Schokolade, so die Ankündigungen aus Waldenbuch, ab 15 Uhr im Onlineshop von Ritter Sport bestellen können. Bereits eine Stunde davor war dieser jedoch völlig überlastet. Statt „Quadratisch. Magisch. Gut.“ – so der abgeänderte Slogan des Produktes mit dem Fabeltier auf dem Cover – las man nur „Quadratisch. Praktisch. Im Bau. Unser Shop wird gerade überarbeitet.“ Auch nach mehrmaligem Neuladen der Seite über 30 Stunden hinweg: keine Veränderung. Stattdessen Frustration.

Schnell reagierten die ersten Nutzer gereizt. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens brach ein regelrechter Shitstorm aus. Es war immer wieder eine Frage, die sich alle stellten: Warum produziert Ritter Sport wie bereits Anfang November – pünktlich zum „internationalen Tag des Einhorns“ hatte das Unternehmen die beliebte Sonderausgabe da erstmals auf den Markt gebracht – auch bei der Nachproduktion wieder eine viel zu geringe Stückzahl?

Thomas Seeger, Pressesprecher von Ritter Sport, verweist auf die schwierigen Entstehungsbedingungen der Schokolade, auf deren Versand die glücklichen Käufer sogar jetzt noch vier bis sechs Wochen warten müssen. Besonders das Gießen des Fruchtregenbogens sei aufwändig gewesen. Um den dreischichtigen Farbverlauf der Schokolade herzustellen, musste die Konzeptanlage, mit der Neuproduktversuche hergestellt werden, mit einem speziellen Gießkopf aufgerüstet werden. Nur so würden die einzelnen Schokoladensorten beim Gießen nicht ineinander laufen, sondern am Ende jede Schicht als einzelne erkennbar sein.

Auch das besondere Kartonagen-Design aus Glitzerregenbogen und Einhorn koste mehr Produktionszeit als bei herkömmlichen Tafeln. Wenn die Schokolade erst einmal in der Folie verpackt ist, müsse sie nämlich per Hand in die Kartonage gesteckt, verschlossen, verklebt und etikettiert werden. In einer Stunde schaffe Ritter Sport deshalb nur 2000 Einhorn-Tafeln statt 50000 herkömmlicher Sorten, so Seeger.

Anfang November wurden 75000 Einhorn-Exemplare hergestellt, dieses Mal immerhin 150000. Um Hamsterkäufen vorzubeugen, war die Bestellung im Onlineshop auf elf Exemplare beschränkt. Obwohl das Unternehmen in Sachen Server-Kapazitäten im voraus bewusst nachjustiert hatte, hat die Technik dem großen Ansturm auch beim zweiten Mal nicht standgehalten. Teilweise habe eine sechsstellige Zahl von Menschen versucht, gleichzeitig Zugriff auf die Seite zu erhalten, berichtet Seeger.

„Setzt man den Verkaufszeitraum in Relation zur produzierten Stückzahl war ‚Einhorn‘“, so der Pressesprecher, „die erfolgreichste Ritter Sport Sorte aller Zeiten.“ Die Erfolgsidee zur Schokolade mit dem beliebten Tier hatte übrigens nicht einmal Ritter Sport selbst, sondern eine Kundin. In der Rubrik „Sortenkreation“ auf dem Blog des Unternehmens entwarf sie Anfang des Jahres ihre ganz persönliche Einhorn-Schokolade. Unter den anderen Schokofans fand sie zahlreiche Unterstützer für ihre Idee. Auf demselben Weg waren zuvor auch die „Äffle & Pferdle“ und die „Cookies & Cream“-Tafeln entstanden, so Seeger.

Diejenigen, die Anfang der Woche kein Glück hatten und nicht eines der überzogenen Angebote auf Auktionsplattformen wie Ebay annehmen wollen – dort kostet eine einzelne Einhorn-Tafel aktuell bis zu 20 Euro – können ihr Glück voraussichtlich im Dezember in den Ritter Sport Läden in Waldenbuch oder Berlin versuchen. Von den 150000 produzierten Einhorn-Tafeln wurden nämlich nur rund 110000 über den Webshop vertrieben. Der Rest geht direkt über den Verkaufstresen.

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18.11.2016, 01:00 Uhr

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