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Übrigens

Der Sieg liegt in der Luft

Das war ja mal wieder typisch TAGBLATT – macht es wie die Sonnenuhr, zählt die heiteren Stunden nur. Nichts als Erfolgsmeldungen in den diversen Rückblicken auf 2014 – vom Einzug des Stammtisch-Gockels ins Tübinger Rathaus bis zum historischen Sieg im Luftkampf gegen die Stadttauben. Und kein Wort von der größten Pleite des Jahres! Nein, doch nicht Brunsbüttel!

09.01.2015
  • Sepp Wais

Das ist schon so lange her, dass sich selbst die CDU-Granden nicht mehr daran erinnerten, als sie ihre Favoritin für den OB-Wahlkampf gegen Palmer munitionierten. Schade eigentlich, dass das teuerste Projekt, das je in Tübingen ersonnen, nie begonnen wurde. Sonst hätte der grüne Rathaus-Chef jetzt eine schöne Reise an die Unterelbe vor sich, und wir hätten ihn auf dem CO2-freien Radweg zum ersten Kohlenschaufelstich gerne journalistisch begleitet. Zu zweit hin und zurück – das wären über 1800 Kilo- auf dem Tachometer gewesen.

Damit sind wir beim Thema, bei der Megapleite von 2014: Mit 277 556 Kilometern und 412 Metern hechelten die hiesigen Stadtradler im Juli der bundesweiten Konkurrenz chancenlos hinterher. Die Strecke reichte gerade mal für den 15. Platz. Die Tigers wären damit am Ende wohl zufrieden. Aber für das Tübinger Exzellenz-Team, das es 2011 schon mal bis zum Vizemeister gebracht hatte, ist das eine Blamage. Immerhin steigt es ja nicht für irgendein Albdorf in die Pedale, sondern für die Residenzstadt des Radlerkönigs, den Palmers Vorvorgänger Eugen Schmid einst mit prophetischer Fernsicht auf den Affenfelsen setzte. Jetzt muss der entthronte König wohl ans Faule Eck umziehen.

Ein Jammer! Und der ganze Frust nur, weil die Tübinger Kilometerfresser nicht kapieren wollen, dass man seine Leistung in diesem Wettbewerb nicht nach-, sondern nur vorweisen muss. Natürlich ohne Beschiss! Wenn die strammen Strampler doch endlich ihren Waden eine Ruhe- und ihren Köpfen eine Denkpause gönnten! Alles Müller – alles klar? Es kommt auf den richtigen Dreh an, dann wird man spielend deutscher Stadtradlermeister. Und das garantiert ohne Manipulation, also ohne dass man mit der Hand am Tacho rumpult. Im Zeitalter der Elektronik liegt die Lösung nicht in der Mechanik, sondern in der Luft.

Und so geht‘s: Man stellt sein Rad in der Friedrichstraße vor dem Haupteingang von Müller ab – und schon dreht der Tacho wie von Geisterhand gehetzt auf 90 bis 100 Kilometer pro Stunde hoch. Der Rest ist Mathematik. Der Sieger von 2014, die Stadt „Metropole Ruhr“, schaffte 979 583 Kilometer. Packen wir großzügig noch ein Sicherheitspolster von 170 000 Kilometer obendrauf, dann sieht die Rechnung so aus:

Man nehme 24 Stadtradlern 24 Stadträder ab und stelle diese drei Wochen lang je zur Hälfte in der Nähe des Haupt- und des Hintereingangs von Müller auf. Das bringt bei Tempo 95 exakt 1 149 120 Kilometer. Und fertig ist der strahlende Sieg. Ach ja, noch was: Wenn die radlosen Stadtradler während des dreiwöchigen Rennens etwas für Herz und Kreislauf tun wollen, können sie sich gern im Neckartal in einen Liegestuhl legen – 100 Meter links und rechts der Oberleitung der Bahn kommt die Pulsuhr zuverlässig auf mindestens 180 Schläge pro Minute.

Der Sieg liegt in der Luft

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09.01.2015, 12:00 Uhr

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