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Wer kriegt wie viel?

Der Studierendenrat streitet um Zuschüsse für "Querfeldein"

Seit 2013 gibt es nach 36 Jahren wieder eine Verfasste Studentenschaft in Gestalt eines gewählten Studierendenrats (Stura). Davon hat die Öffentlichkeit bisher wenig bemerkt, selbst die inneruniversitäre. Im vergangenen Sommersemester machten nur neun Prozent der Tübinger Studierenden von ihrem Wahlrecht für die 17-köpfige Vertretung Gebrauch. Aber bei dieser Wahl büßten die Linken (Fachschaftsräte und Linke Liste/SDS) ihre dominante Stellung ein, und seither geht es in dem Gremium kontrovers zur Sache.

16.10.2014

Gut möglich, dass der Stura damit auch für politisch abstinente Studierende interessanter wird.

Das wäre wünschenswert, denn das Gremium verfügt seit seiner Aufwertung über viel Geld. 360 000 Euro stehen aus studentischen Beiträgen zur Verfügung. Zieht man ab, was die Fachschaften für ihre Arbeit bekommen, bleiben 200 000 Euro im Jahr für die Förderung studentischer Projekte. Am Montag dieser Woche gab es einen ersten Hinweis auf die Art der Verteilungskämpfe.

Die Initiative „Querfeldein“ hatte für ihre gut besuchten Begegnungsveranstaltungen mit interessanten Persönlichkeiten (siehe den Bericht über den Auftritt von Szene-Rapper MC Fitty auf der Kulturseite) beim Stura einen Zuschuss von rund 200 Euro für zwei weitere Abende beantragt: Einmal mit Literaturkritiker Denis Scheck, einmal mit Journalist und Autor Tino Hanekamp. Der wurde von einer Mehrheit aus Linken und Grünen knapp abgelehnt. Ein Hauptargument: In der Veranstaltungslocation, dem Riginburumu in der Mühlstraße, darf geraucht werden. Hilfsweise: Das Lokal werde von einem Privatunternehmer betrieben, dem keine studentischen Gelder zufließen dürften.

Die Leute von Querfeldein können diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Vor einem Jahr hat der Philosophie- und Jura-Student Kevin Tiedgen, 25, zusammen mit seinem Mitbewohner Max Scherer die Kultur-Initiative gegründet. „Uns fehlte ein kulturelles Programm für die Studierenden in Tübingen“, sagt Tiedgen. Das herkömmliche Format von Autorenlesungen passe nicht zu einem jungen Publikum, das stärker die Szene sucht und die direkte Auseinandersetzung. „Interessante, inspirierende Menschen“ zu erleben, das hält Tiedgen angesichts der verschulten neuen Studiengänge für wichtig, um auch mal „über das eigene Fach hinauszuschauen“.

Der Zulauf gibt ihm recht: Bei den bisher neun Veranstaltungen mit Persönlichkeiten wie dem ARD-Nahost-Korrespondenten Jörg Armbruster, dem „Spiegel“-Korrespondenten Markus Feldenkirchen, dem FAZ-Feuilletonchef Nils Minkmar war die 150 Menschen fassende Lounge stets voll. Schon haben sich Querfeldein-Ableger in Leipzig und Heidelberg gebildet. Bisher wurde die Initiative, die schon im letzten Semester beim Sturat einen wesentlich bescheideneren Förderantrag stellte, vom städtischen Kulturamt punktuell unterstützt. Doch dieses sieht für das Programm, das gezielt für ein studentisches Publikum gemacht wird, den Sturat in der Pflicht. Zu Recht, findet Tiedgen.

Der Förderantrag für in diesem Jahr noch sieben Veranstaltungen orientierte sich an den Richtlinien. „Wir haben unsere Kalkulation darauf abgestimmt“, sagt Tiedgen. Pro Veranstaltung fallen Kosten von 600 bis 700 Euro an. Dieses Engagement wird auch von den Eingeladenen gelobt und honoriert: durch Abstriche beim Honorar; manche zahlen Hotel und Reisekosten selbst. Der Eintritt ist frei. Das Riginburumu nimmt nichts für die Veranstaltungen. Auf den Umsatz wirkten die sich kaum aus, meint Tiedgen, dem Wirt gehe es eher ums Image. „Wenn der Laden voll ist, kommt die Bedienung nicht mehr durch.“

Martin Brüssow, Sturat-Mitglied der Liberalen Hochschulgruppe, empört sich über die Ablehnung des Querfeldein-Antrags durch die linke Mehrheit: Hier mache eine Initiative ein wirklich spannendes Angebot und werde hängen gelassen, während linke Dozenten des „Alternativen Dies“ ohne weiteres Geld bekämen, für die sich aber nur eine kleine Minderheit interessiere.

Womöglich ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Liberale, Juso-Räte, RCDS und sogar einzelne Fachschaftsräte fordern eine neue Abstimmung über den Querfeldein-Antrag. Dem Einwand der Linken könnte ein Rauchverbot ganz leicht abhelfen. Ulrike Pfeil

(In einer früheren Version hieß es, "Querfeldein" habe auch früher keine Zuschüsse vom Stura bekommen. Tatsächlich wurden sie bewilligt).

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16.10.2014, 12:00 Uhr

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