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Warum Michael Brock bei Stuttgart 21 vermittelt

Der Stuttgarter Stadtdekan über seine Motivation

Stuttgarts katholischer Stadtdekan Michael Brock wird als Vermittler zwischen Befürwortern und Gegnern von Stuttgart 21 fungieren. Andrea Eisenmann hat Brock zu seiner Motivation befragt.

24.09.2010

Herr Brock, was hat Sie dazu veranlasst, in die Rolle eines Mediators zu schlüpfen und zwischen Gegnern sowie Befürwortern zu vermitteln?

MICHAEL BROCK: Zunächst zum Wortgebrauch. Ich habe mich nicht als Mediator angeboten, weil ich glaube, dass nur einer, der bundesweite Akzeptanz hat, die Mediation übernehmen kann. Das werde ich den Teilnehmern heute auch sagen. Ich habe das Gespräch angestoßen, weil ich in Stuttgart Verantwortung für 150.000 Katholiken trage und beobachte, wie die Stadt quer durch die Gesellschaft, Kirchen, Parteien beginnt, sich zu spalten. Das kann nicht das Anliegen von uns allen sein. Es muss einen Weg geben, die Stadt auf einen friedlichen Weg zurückzuführen. Der runde Tisch war hochbelastet mit Forderungen und Vorbedingungen – von der einen sowie der anderen Seite. Deshalb habe ich gesagt, es muss ein Sondierungsgespräch von allen Beteiligten geben, wie ein Dialog in Zukunft stattfinden kann.

In welchen Situationen erleben Sie, dass sich eine Spaltung durch die Stadt zieht?

BROCK: Wir bekommen viele Briefe, E-Mails und Telefonate. Es gibt Gespräche nach den Gottesdiensten. Die Menschen reden darüber, die Menschen wollen Antworten in dem Wirrwarr von Vorwürfen. Die eine Seite sagt, dass die Entscheidung für Stuttgart 21 an ihnen vorbeigegangen ist, die andere Seite sagt, es sei alles demokratisch gelaufen. Dabei kann es nur wieder funktionieren, wenn man zu einem sachlichen Dialog zurückfindet. Die Stadt ist emotional so aufgeladen, dass in dieser Stimmung kaum ein vernünftiges Gespräch mehr möglich ist.

Denken Sie, dass angesichts der verhärteten Fronten überhaupt Annäherungen möglich sind? BROCK: Das ist meine Hoffnung.

Allerdings muss man erst einmal abwarten, wie Gegner und Befürworter aufeinander zugehen werden. Es wäre zumindest ein kleines, aber wichtiges Ziel, dass man auch für die Öffentlichkeit klar und deutlich dokumentiert, wir sind in einer Demokratie und reden miteinander. Die Beteiligten müssen nach außen hin zu verstehen geben, dass das Ganze unter einem hohen persönlichen Respekt vor der anderen Meinung geschieht.

Zwischen Befürwortern und Gegner des Bahnprojekts zu vermitteln, ist keine Aufgabe, die zu Ihren täglichen Pflichten gehört. Haben Sie sich auf das Gespräch vorbereitet – und wenn ja, wie?

Brock: Natürlich bereitet man sich darauf vor. Allerdings will ich in der Presse dem Gespräch inhaltlich nicht vorgreifen.

Mit den Parkschützern gibt es eine Gruppe, die in den vergangenen Tagen erklärt hat, dass sie nicht an dem Gespräch teilnehmen will.

BROCK: Das habe ich aus der Zeitung entnommen. Ich gehe weiterhin davon aus, dass die drei Vertreter des Aktionsbündnisses für das gesamte Aktionsbündnis sprechen.

Welches Ergebnis wünschen Sie sich von dem Gespräch?

BROCK: Ich würde mir wünschen, dass die Parteien einen Dialog über die Sachthemen vereinbaren. Und ich würde mir wünschen, dass sie sich auf ein Gespräch mit einem Menschen einlassen, der dieses moderieren kann. Diesen müssen wir noch finden.

Für Sie bleibt das Gespräch damit eine einmalige Geschichte? Oder würden Sie auch künftig zur Verfügung stehen?

BROCK: Wie gesagt, ich bin der festen Überzeugung, dass diese Person jemand sein muss, der bundesweite Akzeptanz hat. Schließlich ist Stuttgart 21 zu einem bundesweiten Thema geworden.

Haben Sie für die Rolle des Mediators eine bestimmte Person im Auge?

BROCK: Das werden wir im Sondierungsgespräch erörtern.

Der Stuttgarter Stadtdekan über seine Motivation
Die Stadt beginnt sich quer durch die Gesellschaft zu spalten, sagt der katholische Stadtdekan Michael Brock. Der Seelsorger stellt sich als Vermittler zwischen Gegnern und Befürwortern von Stuttgart 21 zur Verfügung. Foto: Andrea Eisenmann

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24.09.2010, 12:00 Uhr

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