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Benefiz-Konzert

Der Tod ist nicht das Ende

Mozarts Requiem führten rund 80 Musiker und Sänger in der Horber Stiftskirche zugunsten der Kirchendachrenovierung auf.

07.11.2016
  • Dunja Bernhard

Als Freunde der Hochkultur begrüßte Oberbürgermeister Peter Rosenberger die knapp 400 Zuhörer am Samstagabend in der Horber Stiftskirche. Mit der Aufführung des Mozart-Requiems reichten die diesjährigen Horber Musiktage bis in den November, sagte er. Das Horber Mäzenenehepaar Manfred und Ella Volz hatte das Konzert mit zahlreichen Sängern und Musikern aus baden-württembergischen Opernhäusern möglich gemacht. Hinzu kamen aus Horb das Kammerorchester und der Projektchor der städtischen Musikschule. An der renovierten Orgel begleitete die Erasmus-Stipendiatin Giulia Guarneri.

Musikschuldirektor und Organisator Sven Gnass hatte mit rund 40 Sängerinnen und Sängern und ebensovielen Instrumentalisten einiges aufgeboten. Hinzu kamen die Solisten Elisandra Melian (Sopran), Marie-Kristin Schäfer (Mezzosopran), Johannes Strauss (Tenor) und Cornelius Burger (Bass).

Das Honorar der Musiker übernahm die Manfred-Volz-Stiftung. Der Erlös des Abends war für die Renovierungskosten des Stiftskirchendachs bestimmt. Rosenberger dankte der Kirchengemeinde, dass sie die Aufführung „im Horber Konzertsaal Nummer Eins“ möglich machte.

Pfarrer Elmar Maria Morein stellte der Todesmesse einen geistlichen Impuls voraus. Das Mozart-Requiem konfrontiere mit einem Thema, „dem wir im Leben lieber ausweichen“, sagte er. Dabei hingen die Erwartungen ans Leben und den Tod eng zusammen. Wer im Leben Angst habe und sich vor dem Alleinsein fürchte, könne sich auch vor dem Tod nur fürchten – vor der ewigen Einsamkeit. Musik sei für den Lauschenden eine Begegnung mit sich selbst und mit Gott.

Jeder entscheide selbst, ob er dem Tod als Mensch oder als Glaubender begegne. Er verbinde drei Dinge mit dem Tod, sagte Pfarrer Morein. Ein Leben mit denen, die voraus gegangen sind. Statt Fegefeuer eine Schwelle, die jeder, der sterbe, überschreite. Und die bei Gott leben, vergessen die auf der Erde Lebenden nicht. „Lieben heißt Nicht-Sterben“, sagte er.

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb das Requiem als Auftragswerk. Doch zugleich sei es eine Auseinandersetzung mit seinem eigenen, nahen Tod gewesen, sagte Gnass. „Für Mozart war der Tod der Endzweck des Lebens.“ Er habe für ihn nichts Erschreckendes gehabt, sondern sei der Schlüssel zur wahren Glückseligkeit gewesen. Das Requiem sei ein Mythos, sagte Ganss. „Die ersten sechs Takte sind für mich das Schönste, was in der klassischen Musik komponiert wurde.“

Gnass interpretierte die in dunklen B-Tonarten komponierte Totenmesse keineswegs düster und endzeitlich. Mit emphatischen Gesten forderte er von den Musikern starken Ausdruck und feinste Akzentuierung. Die dunkel und biegsam klingenden Bassetthörner aus der Originalpartitur ersetzte er durch hellere Klarinetten. Das Melancholische kam durch die zwei Fagotte, die das Hauptthema in einer siebentaktigen Einleitung vorstellten. Mit dunkler Dramatik setzten Chor und Orchester ein und wechselten ansatzlos vom Forte im Tutti zum Pianissimo weniger Instrumente.

Im Kyrie schien der Chor geradezu zu jubilieren in erwartender Gottesanrufung. Dazu bliesen die Posaunen. Die Solisten glänzten in den Vokal-Quartetten: Melian mit heller, zarter Stimme, Schäfer vollvolumig und ausdrucksstark, Strauss mit weicher und zugleich kräftiger Intonation. Burger entfaltete erst nach und nach seine stimmlichen Qualitäten.

Bis zum Lacrimosa war Mozart in seiner Komposition gekommen, bevor er starb. Gnass hatte seine letzten Takte dem Konzert vorangestellt. Schüler Mozarts vollendeten die Totenmesse. Gnass führte die Franz Xaver Süßmayr zugeschriebene Version auf.

Nach dem abschließenden liturgischen Gesang „Lux aeterna“ verharrte das Publikum einen Moment in Stille, bevor es minutenlang applaudierte. Es war eine beeindruckende Vorstellung mit großem Orchester und gewaltigem Chor. Die Musik erfüllte die ganze Stiftkirche und gab einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit.

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07.11.2016, 01:00 Uhr

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