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Der Traum von einer Stelle
Auf in Aug: Konzentriert hören zwei Ausländer zu, was für Jobs ihnen Firmenvertreter anzubieten haben und welche Voraussetzungen sie dafür mitbringen müssen. Foto: Uwe Roth
Arbeit

Der Traum von einer Stelle

Bei der zweiten Jobmesse für ausländische Fachkräfte in der Industrie- und Handelskammer stellen die Unternehmen eine wachsende Qualifikation der Bewerber fest.

19.11.2016
  • UWE ROTH

Selten ist das großzügig gestaltete Foyer des IHK-Hauses mit so vielen jungen Menschen gefüllt. Unter den Flüchtlingen in Stuttgart und der Umgebung hat es sich ohne große Werbung herumgesprochen, dass dort am Freitagnachmittag über 40 Unternehmen vertreten sind, die händeringend Fachpersonal suchen, Praktika- oder Ausbildungsplätze anbieten. Bei der ersten Jobmesse vor einem halben Jahr hatten nur 16 Betriebe die Plattform genutzt.

Es ist ein Zeichen, dass der Druck in den Unternehmen wächst: Laut IHK fehlen in der Region Stuttgart durchschnittlich 32 000 Fachkräfte pro Jahr. Bis zum Jahr 2029 soll der Engpass auf bis zu 123 000 fehlende Fachkräfte steigen. Dies macht Migranten große Hoffnung auf Arbeit – auch wenn dafür die Deutschkenntnisse und ihr Bildungsabschluss aus der Heimat bis jetzt nicht ausreichend sind.

Viele kommen in kleinen Gruppen zur Jobmesse in die Jägerstraße und werden von einem Betreuer oder einer Betreuerin angeführt. Es sind ehrenamtliche und professionelle Integrationshelfer. Deren wichtigste Aufgabe ist, ihren Schützlingen die Angst zu nehmen, sich im holprigen Deutsch einem Firmenvertreter vorzustellen und nach einer Arbeitsmöglichkeit zu fragen.

Notfalls als Servicekraft

Zu den Brückenbauern zählt Regine Koch-Bah von der Agentur Ahrens in Stuttgart, die Flüchtlinge aufs Arbeitsleben vorbereitet. Ihre Klienten kommen mit sogenannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheinen von der Agentur für Arbeit oder vom Jobcenter zu der privaten Agentur. Bei einer erfolgreichen Vermittlung bekommt sie Honorar.

Koch-Bah ist mit einer Gruppe Syrer da. Unter ihnen die 20-jährige Batoul, die vor einem Jahr mit einem großen Traum nach Deutschland gekommen ist. Sie will Architektin werden, ein Praktikum als Bauzeichnerin hat sie bereits gemacht. Aber mit dem Studium wird es so schnell nicht klappen. Dafür reichen ihr Deutsch und bisherigen Bildungsabschlüsse nicht. Deswegen möchte sie vorübergehend als Servicekraft in der Hotellerie arbeiten. Einige aus der Branche sind auf der Jobmesse vertreten. Deren Vertreter suchen zwar in erster Linie Fachkräfte, da aber immer Mangel an Aushilfen herrscht, darf die junge Syrerin sehr zu ihrer Freude ihre Kontaktdaten dalassen.

Die Flüchtlinge sind durchaus erleichtert, dass nicht an jedem Stand qualifizierte Fachkräfte mit Studienabschluss gesucht, sondern auch einfache Tätigkeit angeboten werden oder Berufe, die keine lange Ausbildung erfordern. Zahlreiche Handwerksbetriebe und Pflegeeinrichtungen oder auch das Klinikum Stuttgart bemühen sich ebenfalls um die Neuankömmlinge. Grundkenntnisse in Deutsch und handwerkliches Geschick sind als Voraussetzung oftmals ausreichend.

Nicht so bei Hans-Ulrich Schmid. Er ist Geschäftsführer des Software Zentrums Böblingen/Sindelfingen und sucht IT-Profis oder solche, die auf gutem Weg dahin sind. 120 Unternehmen gehören dem Verein an, die alle das gleiche Problem haben: Sie finden keine IT-Fachleute. „Der Markt ist leergefegt“, sagt Schmid. Auf Stellenanzeigen folgt keine Resonanz. Spezialisten suchen nicht, sondern werden gefunden. Die Gespräche, die er während der Jobmesse führt, geben ihm jedoch Hoffnung auf Besserung. Er lobt den Ehrgeiz der jungen Flüchtlinge und ist von den „richtig guten Deutschkenntnissen überrascht“.

Wo die Not groß ist, werden Unternehmen flexibel. Reicht das Deutsch nicht aus, kann der Bewerber beispielsweise zwei Tage die Woche einen Sprachkurs besuchen, drei Tage im Unternehmen arbeiten. Manche bekommen ein Praktikum angeboten, verknüpft mit der Aussicht, eine Ausbildung beginnen zu können.

Welche anderen Möglichkeiten bestehen, erfahren Firmen im Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. Innerhalb eines Jahres haben sich dem Netzwerk bundesweit 1000 Unternehmen angeschlossen, sagt Constantin Bräunig. Er ist überzeugt, dass im Frühjahr richtig Schwung in den Arbeitsmarkt kommen wird, wenn die ersten Integrationskurse zu Ende gehen und den Absolventen damit der Zugang zum Arbeitsmarkt offen steht.

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19.11.2016, 06:00 Uhr

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