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Der Tübinger Beitrag zur schottischen Unabhängigkeit
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Der Tübinger Beitrag zur schottischen Unabhängigkeit

Schwaben und Schotten sind sich ziemlich ähnlich, heißt es. Beide sollen geizig sein – was die Schotten, mit denen ich sprach, entrüstet zurückwiesen. Die Schwaben übrigens auch.

28.11.2016
  • Volker Rekittke

Es gibt in Tübingen längst sehr passablen schwäbischen Whisky zu kaufen, auch wenn für mich schottischer Single Malt nur schwer zu toppen ist. Nur die Neckarinsel lässt sich nicht so recht mit dem herben Charme einer Hebriden-Insel wie Islay oder Eigg vergleichen.

„Du bist Mitglied einer nationalistischen Partei?“ fragte mich mein Freund Jonas leicht entsetzt. Er konnte es kaum fassen, als ich ihm das kleine Stück Plastik zeigte. „Linksnationalistisch“, verbesserte ich ihn grinsend. Dabei habe ich mich immer von politischen Parteien ferngehalten. Bis jetzt.

Die Scottish National Party (SNP), die mit Abstand stärkste Partei Schottlands, hat zwei neue Mitglieder in Tübingen. Meinen Freund Michael, der lange in Schottland lebte, und mich. Michael, sein in Edinburgh studierender Sohn Janos, zwei Schottland-Reisen in den vergangenen zwei Jahren, der torfig-rauchige Geschmack eines Ardbeg Uigeadail – und nicht zuletzt das Programm der SNP haben mich überzeugt.

„Stop the War on Welfare!“, stoppt den Krieg der englischen Konservativen gegen den Wohlfahrtsstaat, war 2014 einer der Slogans der Kampagne für die Unabhängigkeit Schottlands und den Austritt aus dem United Kingdom. Die SNP steht für Unis ohne Studiengebühren, einen gut ausgebauten und finanzierten nationalen Gesundheitsdienst, sie fordert ein atomwaffenfreies Schottland und deshalb den Abzug der Trident-Atom-U-Boote aus dem schottischen River Clyde.

Während überall in Europa, auch in Deutschland, rechtspopulistische, antieuropäische Bewegungen erstarken, ist in Schottland die Forderung nach einem sozialen Europa der Regionen mehrheitsfähig. Das alles ohne rassistische oder chauvinistische Untertöne. Schotten haben nichts gegen Engländer – nur gegen schlechte, unsoziale, kriegerische englische Politik.

Schon Marx und Engels beschrieben „die entsetzlichen Leiden der Volksmassen in der ersten englischen Kolonie“. Sie meinten Irland. Doch noch früher versuchten die Engländer, Schottland zu erobern. Dabei holten sie sich immer wieder eine blutige Nase, wie 1314 beim Sieg von Robert the Bruce in Bannockburn.

Heute geht es, thank goodness, zivilisierter zu. Nach dem Brexit glauben viele Schotten (wie auch der Tübinger SNP-Ableger): Die schottische Unabhängigkeit wird kommen. „Freedom!“ Darauf einen schottischen Whisky: „Slàinte!“

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28.11.2016, 01:00 Uhr

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