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Die Bruchgefahr ist zu groß

Der Walnussbaum wird heute gefällt

Wegen akuter Bruchgefahr und fortschreitender innerer Fäulnis wird heute der große Walnussbaum im Hof des Martinihauses gefällt. Etwa 50 Kinder und Jugendliche des Internats verabschiedeten sich schon am Mittwoch von dem über 100 Jahre alten Baum, der nicht zuletzt wegen seiner riesigen Nüsse in Rottenburg geschätzt war.

07.12.2012
  • hete henning

Rottenburg. An die fünf Zentimeter lang waren die Früchte, die der Walnussbaum Jahr für Jahr zuverlässig abwarf. Leicht zu knacken und von vorzüglichem Geschmack, lockten die Nüsse im Herbst eine Vielzahl von Sammlern an, die eigentlich auf dem Gelände des Musischen Internats gar nichts zu suchen hatten. Zuletzt, berichtet Internatsleiter Joseph Albrecht, warf der Baum mit dem Status eines Naturdenkmals aber nicht nur Nüsse ab. Ganze Äste kamen herunter, und vor Jahren schon verletzte so ein Ast einen Menschen am Kopf.

Beliebter Schattenplatz an Sommertagen

Fürs Martinihaus, das zu den Internaten der Diözese Rottenburg-Stuttgart gehört, war dieser glimpflich ausgegangene Unfall Anlass, den Baum im Frühjahr 2008 einer Sanierung zu unterziehen, der zweiten bereits nach 2002. Das morsche Holz wurde entfernt, die Krone rigoros zurückgeschnitten und mit Gurten stabilisiert. Danach konnten wieder Tische und Bänke aufgestellt werden – der ausladende Baum verhalf den Bewohnern des Martinihauses schon seit vielen Jahren zu einem beliebten Schattenplatz an heißen Sommertagen.

Wegen „extremer Einsturzgefahr“, berichtet Martinihaus-Hausmeister Andreas Rauhut, wurden die Tische und Bänke dieses Jahr wieder weggestellt. Im Inneren des Baumes, im Stamm mit seinen 3,60 Metern Durchmesser sowie den dicken Ästen sei „alles wie Mus“, bringt Rauhut das Ergebnis eines neuerlichen Baumgutachtens vom Oktober 2012 auf den Punkt.

„Wir waren schockiert“, sagt Internatsleiter Albrecht. Die Standsicherheit des über 19 Meter hohen Edelholz-Gewächses sei zwar gegeben, so das Gutachten, nicht aber die Bruchsicherheit. „Die Einfaulungen und Höhlungen reichen weit ins Holz und unterschreiten teilweise die Mindestanforderungen an eine intakte Restwandstärke.“ Deshalb müsse der Baum mit seiner stark verminderten Vitalität als „nicht verkehrssicher“ eingestuft werden.

Als Alternative zur Fällung sah der Gutachter nur einen weiteren, sehr starken Rückschnitt der Krone. Falls der Baum den Eingriff überlebe, bestehe so die Möglichkeit, ihn „noch einige Jahre“ zu halten. Das Gutachten enthielt jedoch auch versöhnliche Worte: Mit einem Alter von etwa 100 Jahren habe der Walnussbaum seine „potentiell mögliche Lebenserwartung erreicht“.

Baumscheiben als Erinnerungsstücke

Das Martinihaus entschloss sich, das natürliche Ende nicht weiter hinauszuzögern: Am heutigen Freitag kommt ein Baumfällunternehmen, das die Walnuss Stück für Stück von oben nach unten heruntersägen wird. „Wir wollen Baumscheiben machen lassen, damit jedes Kind ein Erinnerungsstück für später hat“, sagte Internatsleiter Albrecht am Mittwochabend, als sich rund 50 Kinder und Jugendliche um ein Feuer unter dem Nussbaum versammelten, um sich zu verabschieden. Im Mittelpunkt dieser „historischen Stunde“ (Albrecht) standen die Erzählungen von Erzieher Wolfgang Stein zur Geschichte des Baumes und des Martinihauses: An die 2000 Schüler habe der Baum zu Lebzeiten kommen und gehen sehen, wohl 20 Tonnen Nüsse habe er gespendet.

Ein kleiner Trost bleibt: Im Garten des Martinihauses wachsen drei Abkömmlinge des Baumes heran, und einer davon trägt schon. Seine Früchte sind sehr wohlschmeckend und fast noch größer als die des Mutterbaums.

Der Walnussbaum wird heute gefällt
Als der Nussbaum vor gut 100 Jahren gepflanzt wurde, war dort, wo jetzt Parkplatz ist, der Garten des Martinihauses. Im Sommer sorgte die auslandende Krone für angenehme Stunden im Schatten. Vor vier Jahren wurden viele der starken Äste schon massiv gekürzt, dem Verfall des Baumes ließ sich damit aber nicht Einhalt gebieten.Bild: Henning

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07.12.2012, 12:00 Uhr

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