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Dekobaum-Bestandsaufnahme

Der Weihnachtsbaum kann unecht sein

Es müssen nicht immer nur Fichten, Kiefern oder Nordmanntannen sein. Designer reduzieren den Weihnachtsbaum auf das Wesentliche. Das Angebot an Piktogramm-artigen Stimmungsträgern wächst sichtbar. Daneben scheint es aber auch schon Baumschulen für Fast-Echtbäume zu geben. Tübingen hält ein schönes Deko-Angebot bereit.

11.12.2012
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. Früher standen sie höchstens im Schaufenster oder in Amerika: Die künstlichen Tannen, die sich im günstigsten Fall wie Schirme zusammenklappen lassen und damit wunderbar auf engem Raum übersommern können. Jetzt allerdings sind die letzten Grenzen zwischen öffentlich und privat gefallen. Der Dekobaum erobert die Privatsphäre, als Landmarke im Bescherungszimmer, auch Geschenkabwurf-Pfosten genannt. Bei einem Gang durch die Altstadt machten wir vier Grundtypen von Dauerbäumen aus.

Beginnen wir mit dem Baum für Einsteiger: Früh übt sich, wer ein guter Baumhalter werden will. An die Anfänger im Weihnachtsbaum-Metier wird schon in den Spielwarengeschäften gedacht. Weihnachtsbücher, die gab es immer. Aber erst seit diesem Jahr existiert ein Spezialbaum fürs Kinderzimmer. Der Baum ist in mancherlei Hinsicht unschlagbar. Man kann ihn umstoßen, ohne Verletzungsgefahr für Baum und Kind. Man kann sich draufsetzen, ihn auf den Kopf stellen und, wenn nötig, dem kleinen Bruder auf den Kopf hauen, ohne dass der Bruder Notfall-medizinisch versorgt werden muss. „Dieser Baum ist unkaputtbar!“ sagt die Verkäuferin bei Spielwaren Dauth. Er ist weich, der Schmuck kann nach den Vorstellungen des Kindes gesteckt werden und der Baum bringt außerdem noch Musik in die Bude. Das kleinere Exemplar (24,95 Euro) verfügt über eine integrierte „O Tannenbaum“-Spieluhr. Der größere zwar nicht, dafür endet er auf Augenhöhe mit dem Kleinkind.

In der eigenen Studentenbude, fern von zu Hause, Weihnachtsstimmung verbreiten – dabei hilft ein mundgeblasenes gläsernes Bäumchen, das seinen Schmuck gleich mitbringt. Das Bäumchen passt locker in die Abendtasche und kann auch zur Party mitgenommen werden. Beim Einrichtungshaus „Hecht“ in der Hirschgasse gibt es diesen Baum (22 Euro) noch in Rot und Silber, die grüne Traditionsversion ist schon vergriffen.

Baumimitate oder Simulationsbäume sind in großer Zahl auf dem Markt. Allesamt leiden sie unter einem unglücklichen Vorzeichen: Sie wollen aussehen wie echt, aber sie sind es nicht! Man könnte sie also auch als Hochstapler-Bäume bezeichnen. Bei „Butlers“ ist ein kleinwüchsiges Exemplar für 9,99 Euro zu haben. Von der Spitze bis zum Ballen scheint es so zu sein, wie die Natur es schuf. Besonders echt kommt die Natur dank Jutesäckchen im Wurzelbereich rüber.Mindestens 30 Bäume verkaufe man davon pro Woche, heißt es im Laden.

Auch unter Weihnachtsbäumen gibt es den Typ Ironiker. Er ist der Liebling all derjenigen, die eigentlich nicht Weihnachten feiern wollen, aber dann doch augenzwinkernd mitmachen. Das schönste Beispiel für den Ironiker-Baum oder Extrem-Kitschbaum ist im Schaufenster von „Faible“ in der Hafengasse zu finden. Es ist der sich selbst beschneiende Baum. Aus seiner Spitze rieselt der Schnee in weißen Styropor-Kügelchen, die in einem Regenschirm-Auffangbecken gesammelt und dann wieder in die Stamm-Umlaufbahn zurückgeschickt werden. Eigentlich ist dieser Baum ein verkleideter Springbrunnen. Ladeninhaberin Isabel Kopp führt das nicht gerade billige Modell seit drei Jahren im Sortiment. Zwei Meter groß kostet es 169 Euro, die kleinere Version 99 Euro. Er werde gern in Geschäfts-, aber auch in Privaträumen aufgestellt. Kopp kann über Nachfrage nicht klagen. Dieser Schneebaum bietet locker einen Gesprächsstoff, der weit übers Wetter hinausgeht.

Der Design-Baum spricht eine andere Sprache. Er ist das Kürzel für Baum. Es zeigt an, wie tief der Weihnachtsbaum in der hiesigen Kultur wurzelt. Ein schwarzes lang gezogenes Dreieck vermag – jedenfalls im saisonalen Zusammenhang – schon Weihnachtsgefühle zu erwecken. Wo sonst grüne Fülle ist, ist hier schwarze metallene Strenge. Der Baum kostet 69 Euro. Inhaberin Antje Hecht bezeichnet ihn als „meinen Lieblingsbaum“. Wer es verspielter und dennoch stylish will, kann auch zum schlichten Hängegestell für seine prächtigsten Christbaumkugeln greifen. Nur an einem fehlt es all diesen Baumtypen: Duften tun sie beim besten Willen nicht. Doch da versprechen jene Wunderbäume Abhilfe, die schon in Autoinnereien segensreich wirken.

Der Weihnachtsbaum kann unecht sein
Die Größenverhältnisse stimmen nicht, aber die wichtigsten Deko-Baumtypen sind hier vertreten: Anfänger-, Kitsch-, Design- und Simulationsbaum.

Weihnachtsbaum einmal anders – wer macht mit und kreiert seinen ganz besonderen Baum? Er kann schnell improvisiert oder mit Bedacht und handwerklichem Geschick umgesetzt sein. Hauptsache, es gibt ihn so noch nicht, und er verblüfft durch Kühnheit und Phantasie. Bitte Fotos bis zum 17. Dezember ans TAGBLATT, Uhlandstraße 2, 72072 Tübingen schicken oder mailen an redaktion@tagblatt.de. Für den originellsten Baum gibt es 50 Euro.

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11.12.2012, 12:00 Uhr

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