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New York

Der Wunsch-Präsident der Deutschen bleibt

Barack Obama bleibt US-Präsident. Was bedeutet das für das deutsch-amerikanische Verhältnis? Alles wie gehabt? Oder Änderungen? Eines gilt als sicher: Obama II dürfte jetzt doch nach Berlin kommen.

07.11.2012
  • dpa

Mit der Wiederwahl von Barack Obama haben die Bundesbürger ihr Wunschergebnis bekommen: Der alte und neue US-Präsident hat in Deutschland Beliebtheitswerte, von denen jeder andere Politiker - eingeschlossen Angela Merkel - nur träumen kann. Hätte die Wahl hier stattgefunden, wären es nach den verschiedenen Umfragen für Obama bis zu 92 Prozent geworden. Für Mitt Romney wären klägliche 4 oder 5 Prozent übrig geblieben. Solch eine Obama-Begeisterung gibt es nicht einmal in dessen Heimatstaat Hawaii.

Die Bundesregierung war in diesem Punkt zurückhaltender. Anders als im französischen Präsidentschaftswahlkampf, wo die Kanzlerin klar für Amtsinhaber Nicolas Sarkozy Stellung bezogen hatte, gab Merkel in den vergangenen Monaten nie zu erkennen, wer ihr in den USA lieber gewesen wäre. Obamas Sieg ist nun aber das Ergebnis, mit dem in Berlin die meisten gerechnet haben - auch wenn es nach Romneys Aufholjagd in den Umfragen zum Ende immer mehr Zweifler gab.

Aus Berliner Sicht hat Obama II den Vorteil, dass man es nun bis 2016 mit einem Präsidenten zu tun haben wird, den man kennt. Im Prinzip wird alles weitergehen wie bisher - abgesehen von einigen Personalien wie einem neuen Gesicht im US-Außenministerium, wo Hillary Clinton nicht mehr weitermachen will. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) - vielleicht der größte Transatlantiker im Kabinett - hat die Erwartung, dass es in den deutsch-amerikanischen Beziehungen „keine Veränderungen“ geben wird.

Das gilt auch für die Beziehungen zwischen Kanzlerin und Präsident. Inzwischen haben Merkel und Obama zu einem guten Arbeitsverhältnis gefunden: Man schätzt sich. Man respektiert sich. Man weiß, was man aneinander hat. Beste Freunde ist man deshalb noch lange nicht. Trotz der Verleihung der US-Freiheitsmedaille an Merkel vergangenes Jahr ist der Ärger um ihr Auftrittsverbot für Obama vor
dem Brandenburger Tor aus Kandidatenzeiten noch nicht verflogen. In Berlin war er seither nie wieder.

Auch inhaltlich lagen Berlin und Washington in den vergangenen vier Jahren mehrfach auseinander. Die wichtigsten Punkte: Euro-Krise, Libyen-Einsatz und Klimapolitik. Auch die von Obama betriebene Hinwendung zum asiatisch-pazifischen Raum gefällt vielen in Berlin nicht, die gewohnt waren, dass die USA mehr Wert auf Europa legen. Die „Washington Post“ kam kürzlich zu dem Schluss, dass der Graben zwischen der geopolitischen Macht USA und der geoökonomischen Macht Deutschland immer tiefer werde.

Der Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Eberhard Sandschneider, vermutet: „Auch in seiner zweiten Amtszeit wird Obama kein Präsident sein, der die strategischen Erwartungen Europas in hohem Maße erfüllt. Dorthin wird er sich nur wenden, wenn er Partner sucht, die den USA helfen, Kosten und Risiken zu teilen.“

Letztlich, so der Professor, führe „kein Weg an einer langfristigen Neubestimmung der Beziehungen vorbei“. „Längst ist hier nicht alles Gold, was glänzend in Tischreden formuliert wird. In vielen Sachfragen steigt das Potenzial des Dissenses.“

Auf eine Sache allerdings dürfte sich die Bundesregierung verlassen können. Als sicher gilt, dass Obama in seiner zweiten Amtszeit nun doch noch auch als Präsident nach Berlin kommen wird. In der Spitze der schwarz-gelben Koalition gibt es auch schon einen Wunschtermin: Sommer 2013, kurz vor der Bundestagswahl im nächsten Herbst. Bei einem so beliebten Mann, so geht die Rechnung, dürfte auch etwas auf das eigene Ansehen abfärben.

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07.11.2012, 12:00 Uhr

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