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Der die Zeichen liest

Der die Zeichen liest

Schwarze Komödie aus Russland über einen fanatisch religiösen Schüler, der seine liberalen Lehrer in die Enge treibt.

Der die Zeichen liest

Uchenik
Russland 2016

Regie: Kirill Serebrennikow
Mit: Pjotr Skvortsov, Victoria Isakowa, Aleksandr Gorchilin

118 Min. - ab 12 Jahren

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22.01.2016
  • Dorothee Hermann

Eine Frau kommt nach Hause. Die Wohnung scheint verlassen. Ein bisschen vorsichtig geht Inga (Yuliya Aug) durch die Räume. Dieses fast unmerkliche Zögern fängt die Kamera von Vladislav Opelyants ebenso genau ein wie die liebevolle Sorgfalt der Innendekoration. Es ist nämlich doch jemand zuhause: der halbwüchsige Sohn Wenja (Petr Skvortsov), der seit Wochen die Schule schwänzt.

Als die alleinerziehende Mutter, die mit ihren drei Jobs dem Sprössling den Besuch des Gymnasiums ermöglicht, gemeinsam mit der Schule Druck macht, kehrt Wenja als Bibelzitate schleudernder Fundamentalist in die Außenwelt zurück. Seine Radikalisierung ist den postkommunistischen Erwachsenen ebenso unverständlich wie den Mitschülerinnen, die ihre knappen Bikinis gegen Badeanzüge vertauschen müssen, weil Wenja behauptet, sonst würden seine religiösen Gefühle verletzt.

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikov zeigt in dem Film – nach dem Theaterstück „Märtyrer“ des deutschen Dramatikers Marius von Mayenburg – nicht nur den vaterlosen Außenseiter, sondern eine korrumpierte Gesellschaft: Deren Akteure gehen willfährig auf den ungelenken Provokateur ein, wenn es ihnen selbst nützt oder gegen ungeliebte Kollegen eingesetzt werden kann.

Die selbstbewusste Schulhof-Schönheit macht es an, dass Wenja als einziger nichts von ihr wissen will. Die liberale Biologielehrerin will ihn mit Argumenten überzeugen, und der gemobbte hinkende Mitschüler hofft auf einen Kumpel. Mit von der Partie sind ein opportunistischer Pope und servile Ordnungshüter, die beinahe in die Knie gehen, sobald jemand ein beliebiges Herrschaftszeichen vor ihnen aufbaut.

 

Vom Loser zum wortgewaltigen Bikinihasser: Rabenschwarze Momentaufnahme einer Radikalisierung.

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22.01.2016, 17:00 Uhr

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