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Verharmlosung ist nicht zu dulden

Der ehemalige Verleger Wigbert Grabert wurde wegen Volksverhetzung verurteilt

Im Tübinger Grabert-Verlag ist ein Artikel erschienen, der die Gräueltaten im Konzentrationslager Buchenwald verharmlost. Deshalb verurteilte das Amtsgericht Wigbert Grabert am Freitag zu einer Freiheits- und Geldstrafe.

19.09.2014
  • Madeleine Wegner

Tübingen. Das Urteil im Prozess gegen den ehemaligen Verleger Wigbert Grabert fiel am gestrigen zweiten Verhandlungstag. Amtsrichterin Bianca Dahm verhängte eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro, die der Angeklagte an den Förderverein für krebskranke Kinder zahlen muss. Dieses Strafmaß hatte Staatsanwalt Florian Fauser in seinem Plädoyer gefordert.

Im „Euro-Kurier“, einem Periodikum des damaligen Tübinger Grabert-Verlags, war ein Artikel mit einem angeblichen Zeugen-Bericht aus dem Konzentrationslager Buchenwald erschienen. Der Artikel, so die Richterin, vermittle den Eindruck, dass es in Buchenwald keine Kranken und Toten gegeben habe. Damit leugne der Artikel einen Teil der Terror-Herrschaft des nationalsozialistischen Regimes. Diese Leugnung und Verharmlosung sei nicht zu dulden, so Dahm. Der Autor Hans Meiser hatte schon früher Texte für den „Euro-Kurier“ geschrieben.

8100 Exemplare des Periodikums wurden gedruckt, 57 stellte die Polizei im März vergangenen Jahres bei der Durchsuchung des Tübinger Verlagsgebäudes sicher. Diese müssen laut Urteil eingezogen werden. 5843 Ausgaben wurden nachweislich an Grabert-Kunden versandt.

Jochen Lober stellte gleich acht Beweisanträge. Der Verteidiger Graberts wollte etwa, dass der betreffende Artikel erneut, doch diesmal „textkritisch“ vorgelesen würde. Unter anderem wollte er Wikipedia-Einträge in die Beweisaufnahme einführen. Alle acht Anträge lehnte die Richterin ab – sie seien für die Entscheidung bedeutungslos.

Die Beteiligten im Verlag seien sich nicht bewusst gewesen, dass es sich um strafrechtlichen Inhalt handele, so Lober in seinem Plädoyer. Außerdem habe der Angeklagte keine Kenntnis vom Inhalt des Textes gehabt. Und der Text an sich sei strafrechtlich ohnehin nicht relevant.

Die Richterin hatte hingegen keinen Zweifel, dass der Angeklagte Kenntnis vom Inhalt des Artikels hatte. Mittlerweile hat Grabert seinem Sohn die Geschäftsleitung übertragen, damals jedoch war er noch verantwortlich für das Verlagsgeschäft. Wegen antisemitscher Bemerkungen und Volksverhetzung ist er mehrfach einschlägig vorbestraft. Das Strafmaß setzte Dahm auch deshalb so hoch an, weil die mit den früheren Urteilen verbundenen, teils beträchtlichen Geldstrafen Grabert offensichtlich nicht von einer erneuten Straftat abhalten konnten.

Da in dem Periodikum kein verantwortlicher Redakteur genannt wurde, erging das gestrige Urteil nicht nur wegen Volksverhetzung, sondern auch wegen Verstoßes gegen das Landespressegesetz.

Info Richterin: Bianca Dahm; Staatsanwalt: Florian Fauser; Verteidiger: Jochen Lober.

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19.09.2014, 12:00 Uhr

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