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Der Sommer wird Premium

Der erste Edel-Wanderweg im Kreis Tübingen

Ende des Monats wird in Mössingen der erste „Premium-Wanderweg“ im Landkreis eröffnen. Die Stadt will Bergrutsch, Streuobst und ihre Aussichtslagen damit prominent erschließen – und sie über einen neuen Namen vermarkten: „Früchtetrauf“.

05.07.2012
  • Eike Freese

Der erste Edel-Wanderweg im Kreis Tübingen
Ein Premiumwanderweg zieht auf über den Wäldern um Mössingen: Es ist der 13,3 Kilometer lange, erste „Früchtetrauf“-Wanderweg, der „Dreifürstensteig“. Die Route deckt den Panoramaweg Streuobst genauso ab wie Dreifürstenstein, Bergrutsch (im Bild), Farrenberg und Olgahöhe.Archivbild:Franke

Mössingen. Im Grunde ändert sich gar nicht viel: Der Bergrutsch bleibt so steil, wie er ist, das Streuobst wird nicht abgeschafft und auf den Farrenberg kommt kein Panorama-Hotel. Und dennoch: Die Touristiker der Region erhoffen sich einiges vom neuen „Premium-Wanderweg“, der Ende Juli in Mössingen eröffnet wird.

„Ein Premiumwanderweg ist ein Baustein, der hilft, hier eine fundierte Tourismusarbeit aufzubauen“, sagt Uwe Walz, als Leiter der städtischen Öffentlichkeitsarbeit auch für Fremdenverkehr zuständig. Mössingen gilt als touristisch nicht gut erschlossen – glänzt bei relativ geringen Übernachtungszahlen aber immerhin mit überdurchschnittlicher Urlaubsdauer seiner Gäste. Das spricht angesichts der geringen Dichte an kulturellen Highlights für viele Naturfreunde im Hotelbett. Auch darum laufen seit letztem Jahr Pläne, den „Dreifürstensteig“ rund um Farrenberg und Dreifürstenstein mit einem Güte-Siegel adeln zu lassen. Derzeit stellen Mitarbeiter Bänke, Liegen und vor allem Schilder auf, die Touristen durch die Wildnis lotsen sollen. „Eine komfortable Beschilderung ist zwar wesentlich bei der Zertifizierung“, sagt Walz. „Aber es kommt auf mehr an.“

Auf viel mehr sogar. „Wahnsinnig aufwändig“, nennt Kreis-Tourismusförderin Manuela Feiler das Verfahren, bis eine Route das begehrte Siegel erhält. „Wir haben den Dreifürstensteig streckenweise sogar verlegt, als während der Begehung mit den Zertifizierern die Kriterien deutlich wurden.“ Die sind nämlich streng – und 34 an der Zahl. Landschaftsbild, Naturvielfalt und viel Ruhe gehören dazu. Aber auch Kleinmonumente, Bushaltestellen und Gasthäuser gehen in die „Bewertungsmatrix“ ein, anhand derer etwa das „Deutsche Wanderinstitut“ als einer von mehreren Anbietern Urkunden ausstellt.

Der Bergrutsch in der Bewertungsmatrix

Albstadt hat diesen Prozess schon hinter sich. Seit drei Jahren gibt es dort die „Traufgänge“ – gleich sieben Premiumwanderwege, die Touristen in Scharen anlocken. „Diese Wege sind uns ungeheuer wichtig, auch für die überregionale Vermarktung“, sagt Martin Roscher, Amtsleiter Kultur und Tourismus. Auszeichnungen akzentuieren Strecken für wählerische Touristen. Die Konkurrenz in Deutschland ist groß und, so Roscher: „Die Schwäbische Alb findet bisher außerhalb Baden-Württembergs nicht statt.“ Deshalb hat der Albstädter Gemeinderat für einen auf zehn Jahre angelegten „Masterplan Tourismus“ rund 2,4 Millionen Euro gebilligt. Ein Kernpunkt: das Wandern. Mit den Premiumwegen sei Albstadt zum wahren Touristenmagneten geworden, freut sich Roscher: „Wir haben brechend volle Wanderparkplätze – und verdreifachte Gästezahlen in Hotellerie und Gastronomie, seit die Zertifizierung steht“.

Tourismusförderin Feiler glaubt fest an den Werbeeffekt des ersten Premiumwegs im Landkreis. „Wir sind jetzt prominent in den einschlägigen Medien der Schwäbischen Alb vertreten und machen auch übergeordnete Fremdenverkehrsverbände aufmerksam“, sagt sie. „Mössingen ist ein Leuchtturm-Projekt, das Reisenden zeigen kann, wie schön es bei uns ist.“ Feiler kann sich in Schönbuch oder Rammert zwar weitere Premium-routen vorstellen – „aber das ist kostspielig, mühselig, zeitaufwändig – und damit letztlich Entscheidung der einzelnen Gemeinden“.

Wie beim Vorbild „Traufgänge“ will Mössingen seine Schönheiten künftig unter einer Marke feilbieten: „Früchtetrauf“. „Der Name bündelt die Attraktionen unserer Region, nämlich die Streuobstwiesen und den Albtrauf“, sagt Uwe Walz. Eine Tübinger Agentur entwickelte jüngst ein Logo (siehe Interview rechts), weitere Wanderwege sind denkbar. „Die Idee steht im Raum“, so Walz, „weil damit Synergie-Effekte möglich sind.“

Die Edel-Route als Imageträger

Albstadt hat aus genau diesem Grund ein ganzes Bündel von Wegen entwickelt – konnte allerdings auch von völlig anderen touristischen Strukturen ausgehen. „Außerdem hat das alles zwei bis drei Jahre gedauert“, so Amtsleiter Roscher. Die Mössinger beglückwünscht er zu ihrer neuen Edel-Route und fürchtet auch nicht, dass Touristen künftig weit vor Albstadt abbiegen, um zu wandern. „Ich bin da ganz angstfrei, das bietet die Gelegenheit zur regionalen Zusammenarbeit“, sagt Roscher. „Und vor allem: Alles, was die Schwäbische Alb bekannter macht, muss uns willkommen sein.“

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05.07.2012, 12:00 Uhr

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