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Der fröhliche Furz mit Vollkasko

Die Bundesrepublik hat etwa 81 Millionen Einwohner. Unter den 426 Millionen Verträgen, die die Statistik der deutschen Versicherungswirtschaft fürs laufende Jahr ausweist, sind 92 Millionen Lebensversicherungen. Jeder von uns hat also 1,13-mal sein Leben versichert. Was könnte uns das sagen?

18.11.2015
  • Winfried Gaus

Ich kenne viele Leute, die in den letzten Jahrzehnten in Afrika Urlaub gemacht haben oder auch – je nach lokalen Konfliktlagen – im Nahen Osten. Sie waren, nein: sie sind fasziniert zurückgekehrt, bereichert und manchmal auch etwas demütiger, was die eigene Lebensbruddlerei angeht. Übrigens: Letztes und auch dieses Jahr noch überstieg die Zahl der deutschen Nordafrikareisenden die der deutschen Touristen an der mecklenburgischen Seenplatte (und lag deutlich über der im Thüringer Wald).

Komisch, dass einigen meiner immer entfernter werdenden Bekannten jetzt „Ja, aber...“-Sätze entschlüpfen, wenn sie über die Flüchtlinge bei uns reden; also jene Leute, die sie selbst früher in ihren aus europäischer Sicht pittoresken Lebensumständen begutachtet haben. Mich beschleicht das Gefühl, dass sie Mores davor haben, künftig ihre jeweils hundertste Brezel nicht mehr selber essen zu können, sondern sie teilen zu müssen. Ja, Sankt Martin war erst letzte Woche – aber das ist ja ohnehin nur eine Kinderkram-Geschichte.

Vor wenigen Tagen durften wir einen Wurst Case erleben (für des Englischen mächtige Leser: Achtung, schlechtes Wortspiel; für andere: Worst Case meint einen ungünstigen, vielleicht sogar den ungünstigsten Fall). Nach Bewegungsmangel, Fettessen, Nikotin, Alkohol und Drogen, Cholesterin, Weißbrot und Stress am Arbeitsplatz rafft uns jetzt auch noch statistisch betrachtet die gute alte Wurst schneller dahin als es die Polizei erlaubt. „Möchtest Du au nô a Rädle?“ Dieser bis vor kurzem nur freundlich aufzufassende Satz an die jüngere Metzgereikundschaft wird bei der Fortschreibung des Lehrplancurriculums für Auszubildende im Fleischereifachverkäufer/innen-Wesen auf den politisch korrekten Index kommen. Es geht um die Wurst! Jetzt wissen wir endlich, was damit gemeint war.

Oh ihr Furchtsamen, es naht die Rettung: autonomes Fahren. Das ist übertragen auf das Auto das, was heute schon viele gern hätten, wenn die Bahn das täte, was sie verspricht: Uns dort ohne Mühsal hinzubringen, wo wir hin wollen und wofür wir bezahlt haben – und das in der vereinbarten Zeit. Die vorbereitenden Maßnahmen zum Autonomen Fahren haben heimlich schon vor Jahren begonnen. Denn Hand aufs Herz: Wer findet noch zu Tante Agathe in Düdeldidelhausen zwischen Westerwald und Borkum ohne die Hilfe der Geschwister Garmin und TomTom?

Ich für meinen Teil bleibe Alltagslutherianer: Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.

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18.11.2015, 12:00 Uhr

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