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Als OB ’nen Neu’n

Der gebeutelte Palmer im Comedy Club

Ist Boris Palmer „im toten Winkel seiner Karriere“ angelangt“, wie die „Stuttgarter Zeitung“ gestern unkte? Dann hieße dieser Winkel ja Tübingen, und hier ist der politisch allgegenwärtige Oberbürgermeister so allseits präsent, dass er am vergangenen Montagabend geradezu gleichzeitig einen Kulturausschuss und einen Besuch in der satirischen Sudhaus-Sause namens Comedy Stube bewältigte. Und das, obwohl ihn die Bahn zuvor am Stuttgarter S 21-Knoten diabolisch lang festhielt (und somit von den Amtsgeschäften fernhielt). Figaro hier, Figaro dort – Palmer ist das Faktotum der umtriebigen Welt.

08.12.2012

In der Comedy Stube trieb derweil Lokalmatador Helge Thun seine Späßchen auf den OB und auf die angeblich von ihm ausgelöste Entdeckung der Langsamkeit im städtischen „Kriechgebiet“. Vor dem Hintergrund vom „Palmern“ (Synonym für „Im-Stau-Stehen“) und Schleich-Werbung im „Zonenstandgebiet“ hatten Thun und Comedy-Partner Jakob Nacken recht aparte, liebevoll-lustige Eingebungen von der „Oma mit Rollator, die den Porschefahrer mit Lichthupe vor sich hertreibt“.

Thun bringt, wie er zugibt, inzwischen nach dem Einkauf zuerst seine leicht verderblichen Milchprodukte per pedes nach Hause, um danach das Auto zu holen. Und das alles wegen Tempo 30. Wegen Palmer. Wem denn sonst.

Helge Thuns Steckenpferd ist unter anderem, Begriff und Sätze anagrammatisch neu zu ordnen. So fummelte er den Namen „Boris Palmer“ in ein beredtes schwäbisches „Spare mir Lob“ um. Und zur Debatte machte Thun aus „Tempo-Dreißig-Zone“ das psychologisch tief schürfende, auf standgasgebende PS-Protze gemünzte „Die große Impotenz“.

Comedy-Gast Palmer war beim anschließenden gemeinsamen Humorgeplänkel zwar etwas arg maulfaul. Einen Gag haute der Oberbürgermeister aber doch raus. Als Mathematiker habe er von Tempo 30 nun Stuttgart 21 subtrahiert, meinte Palmer. Heraus kam: „Sucht euch als OB ’nen Neu’n!“ Dabei reckte er die entsprechende Ziffer. Eine Warnung? Eine Spur von Amtsmüdigkeit?

Versöhnlich hinterher das Gastgeschenk, das Thun dem passionierten Radler Palmer in die Hand drückte. Dessen Kopfschutz war bekanntlich von Unbekannten demoliert worden. „So geht‘s nicht mehr weiter mit den tätlichen Angriffen auf den Fahrradhelm unseres Oberbürgermeisters!“, hatte Thun bereits zu Anfang gefordert. Und überreichte Palmer den Prototyp einer „ökologisch korrekten“ Pickelhaube mit Propellerantrieb. Richtig verkabelt ließe sich beim Fahren mit Bein- und Windkraft gewiss auch Strom erzeugen, spottete Thun. Und kurz sah Palmer wieder ein bisschen fröhlicher aus. Mindestens wie Karlsson vom Dach. Wilhelm Triebold

Der gebeutelte Palmer im Comedy Club
Da ist die Welt wieder in Ordnung: Helge Thun hat Boris Palmer einen neuen Helm geschenkt.Bild: Comedy Stube

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08.12.2012, 12:00 Uhr

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