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Südkorea

Der große Coup der Südkoreaner

10.03.2018
  • FELIX LEE

Pyeongchang. Als Moon Jae In , Südkoreas Präsident, bei der Eröffnung der Winter-Paralympics in Pyeongchang die Bühne betrat, brandete ein Applaus auf, der gefühlt gar nicht mehr enden wollte. Der Grund dürfte keineswegs nur seine Eröffnungsrede sein, sondern auch der diplomatische Coup, der ihm und seinem Nationalen Sicherheitsberater Cheung Eui Yong in den letzten Tagen gelungen ist. Cheung schaffte es, bei seinem Besuch Anfang der Woche im nordkoreanischen Pjöngjang nicht nur ein Treffen zwischen Moon und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zu vereinbaren. Cheung hatte dem US-Präsidenten Donald Trump eine Einladung von Kim Jong Un nach Washington gebracht. Und Trump nimmt wohl an, wie das Weiße Haus bestätigt hat.

Es ist eine unerwartete Wendung in einem der bedrohlichsten Konflikte der Welt. Südkoreas Präsident Moon Jae In bezeichnet das Treffen zwischen Trump und Kim als einen „historischen Meilenstein“, der Frieden auf der koreanischen Halbinsel schaffen werde. Eine „vollständige Denuklearisierung der Halbinsel“ rücke in Reichweite. Die geplante Begegnung sei „wie ein Wunder“.

Japan warnt vor Euphorie

Allerdings finden sich in Südkorea auch verhaltene Stimmen. Die vereinbarte Begegnung gebe Kim „einen gleichwertigen Status“ wie Moon oder dem US-Präsidenten, beklagt Park Cho Sun. Sie ist Vorsitzende eines Vereins geflüchteter Nordkoreaner. Eine solche Ehre habe der Diktator nicht verdient, der auf „bestialische Art“ sogar seinen Halbbruder ermorden ließ. Aber auch sie begrüßt grundsätzlich die Annäherung. Moon und Trump müssten nun aber hart verhandeln, fordert sie.

Auf Skepsis stößt die Annäherung auch in Japan, Washingtons wichtigster Verbündeter in der Region. Der japanische Premierminister Shinzo Abe betonte zwar, er schätze den Wandel Nordkoreas sehr, Gespräche mit dem Ziel einer atomaren Abrüstung zu beginnen. Doch er warnte vor zu viel Begeisterung. Solange Nordkorea keine konkreten Schritte in Richtung Abrüstung vornehme, die „überprüfbar und unumkehrbar“ seien, werde sein Land „den höchsten Druck auf das Land“ beibehalten, betonte Abe.

Auch China scheint nicht ganz zufrieden mit der Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel zu sein. „Wir sind sehr erfreut, dass sich Nordkorea und die USA zu diesem Schritt entschieden haben“, teilte der chinesische Außenamtssprecher Geng Shuang mit. Aus westlichen diplomatischen Kreisen in Peking ist allerdings zu hören, dass die chinesische Führung alles andere als glücklich über den Verlauf ist.

Kim hat den sozialistischen Bruderstaat und letzten Verbündeten konsequent aus diesen Verhandlungen herausgehalten. Dabei sieht die Regierung in Peking die koreanische Halbinsel als Teil ihrer Einflusssphäre. Felix Lee

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10.03.2018, 06:00 Uhr

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