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Der große Wurf
Hohenbergkaserne

Der große Wurf

Das Mega-Projekt der Neubespielung des ehemaligen Kasernenareals geht in die heiße Phase. Im Städtebau und Sanierungsausschuss wurde nun erstmals die Essenz der Bürgerideen vorgestellt und direkt für gut befunden.

10.11.2016
  • Benjamin Breitmaier

Noch bleibt etwas Zeit, bis zur nächsten Runde der Bürgerbeteiligung. Doch für einige Horber, die bei dem Teilhabeprojekt „Neubespielung der Hohenbergkaserne“ mitmachen, dürfte die Präsentation des Ingenieurbüros „Baldauf Architekten und Stadtplaner“ Eindruck hinterlassen. Nach der Veranstaltung am 28. Februar 2015, bei der sich 60 Bürger mit ihren Ideen eingebracht haben, sollte ein Planungsbüro, diese ausgestalten und auch auf Machbarkeit überprüfen. Was am Dienstag im Städtebau- und Sanierungsausschuss des Horber Gemeinderats vorgestellt wurde, waren somit auch die Früchte ihrer Hirnarbeit. Die nächste Runde beim Großprojekt Bürgerbeteiligung wird es im Februar 2017 im Rahmen eines Workshops geben. Dann haben die Beteiligten wieder die Chance, die Pläne zu bewerten, Anregungen einzubringen und noch weitere Wünsche zu äußern. Zur Diskussion stehen hauptsächlich vier verschiedene Einheiten, die Diplomingenieur Knut Maier aus Eutingen am Dienstagabend erläuterte.

Quartiersplatz

In der Präsentation des Büros spielte der zukünftige Quartiersplatz eine der wichtigsten Rollen. Im Zuge der Bürgerbeteiligung gab es früh einen breiten Konsens darüber, dass die riesige Freifläche des zentralen Exerzierplatzes zumindest zum Teil erhalten bleiben soll. Der Quartiersplatz soll ein Platz zum Atmen sein, ein Platz für Veranstaltungen, vielleicht sogar für eine Eislaufbahn – gut zugänglich am oberen Ende des Areals. Die Fläche des geplanten Platzes nimmt etwa ein Drittel des Exerzierplatzes ein – 74 auf 45 Meter. Mit dieser Größeneinheit hatte Planer Knut Maier aber seine Probleme. Sein Fazit: In der Größe und Bevölkerungsdichte würde der Platz auf Dauer zu leer aussehen. Auch bei größeren Veranstaltungen, wie etwa einem in der Bürgerbeteiligung gewünschten Freiluftkino würde die Hälfte des Platzes ausreichen. Die andere Hälfte könnte dann zu Parkplätzen oder auch einer Grünanlage umfunktioniert werden, wie es OGL-Rätin Elisabeth Schneiderhan in der Sitzung forderte. Maier empfahl, sich im Zuge der weiteren Planungen Gedanken zu machen, wie der Platz konkret bespielt werden soll und „ob man dann nicht eher in Richtung 34 auf 45 Meter geht“. Als Positivbeispiele zeigte Maier Bilder aus Tübingens Französischem Viertel, an dem sich das neue Horber Quartier orientieren könne. Auch den Flößerwasen-Platz vor der Markthalle sah er als Beispiel für ein gutes Verhältnis von Größe zu Nutzung eines Platzes an.

Wohnen und Gewerbe

Die restliche Fläche des Exerzierplatzes soll ein neues Viertel entstehen. Ein Mischgebiet, in dem Menschen wohnen und arbeiten können. Büros, vielleicht ein kleines Geschäft, sollen neben Wohnhäusern sitzen. Eingefasst wird das Viertel von den riesigen Garnisonsgebäuden und den Bäumen, die derzeit schon den Platz einrahmen. Sie sollen erhalten bleiben. Bis auf eines sind riesigen roten Baukörper schon verplant. Hier sitzen nun AHG, Physiofit-König und das Gründerzentrum. Die nördliche Stirnseite, die ehemalige Mensa, wird derzeit zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut, dass noch in diesem Jahr seine Tore öffnen soll. Für ein großes Hotelprojekt hat der Horber Gemeinderat bereits in einer vergangenen Sitzung den Weg durch eine Bebauungsplanänderung frei gemacht. Nur eines der großen Gebäude bleibt noch offen für die Ideenentwicklung. In dem neuen Viertel auf dem Exerzierplatz sollen 40 bis 50 Wohneinheiten entstehen, in den bis zu 100 Menschen leben. Die Zahl ist abhängig davon, wie viel Gewerbe sich noch in dem Mischgebiet ansiedelt.

Experimentelles wohnen

Wenn Besucher heute durch das Areal streifen, treffen sie irgendwann auf Ödnis, ein altes Sportfeld. Hier hat das Ingenieurbüro neuen Wohnraum geplant. Innovativ soll hier gebaut werden, zukunftsweisend. Oberbürgermeister Peter Rosenberger hat bereits konkrete Ideen: „Wir waren auf verschiedenen Messen unterwegs und von vielen Seiten haben wir gehört: ,Traut euch was‘“, erklärte er in der Sitzung. Dort informierten sich die Horber an verschiedenen Ständen über Dinge wie Leichtbauweise, Passivhäuser und ähnliche zukunftsweisenden Bauarten. In 130 bis 140 Wohneinheiten sollen 280 bis 310 Menschen leben. Wie die Ausgestaltung am Ende aussehen wird, bleibt offen. Vorstellbar wären hier größere Wohneinheiten, in denen sich auch das Thema „Sozialer Wohnungsbau“ angehen ließe, der auch in den Bürgerbeteiligungsveranstaltungen und von Thomas Mattes, Fraktionsvorsitzender der SPD, in der Sitzung am Dienstag, gefordert worden war. Östlich neben der Wohnbebauung soll ein großer Spielplatz entstehen. Jugendgemeinderätin Rebekka Tillery brachte eine weitere Idee ins Spiel: ein Forscherhaus. In Zusammenarbeit mit der DHBW könnte ein Gebäude als Wohnraum für Studenten genutzt werden, die gleichzeitig vor Ort forschen. Oberbürgermeister Peter Rosenberger gefielt der Gedanke. In seinen nächsten Gesprächen mit den DHBW-Verantwortlichen wolle er die Anregung mitnehmen.

Das Unteroffiziersheim

Das T-förmige Gebäude am südlichen Ende des Exerzierplatzes soll wenn möglich erhalten bleiben. Angedacht sind vom Planungsbüro der mögliche Einbezug von Horber Vereinen. Auch Gastronomie wäre an dem Standort möglich. Durch die Nähe zum Wanderweg, der sich aus Richtung Rauschbart am Gelände vorbeischlängelt würde sich dies anbieten. Die Frage ist allerdings, ob es gelingt, durch Vereine oder andere Betreiber auf Dauer dem Gebäude Leben einzuhauchen. Sollte sich nach ein paar Jahren herausstellen, dass dem nicht so ist, gäbe es laut Planungsbüro weiterhin die Möglichkeit das Gebäude abzureißen und das Wohnviertel im Südosten zu vergrößern.

Offene Frage

Die Ausschussmitglieder zeigten sich durch alle Fraktionen hinweg beeindruckt von der Arbeit des Planungsbüros. Zu klären seien jetzt laut Maier noch ein Schallschutzgutachten, das den Lärm von Seiten der Stuttgarter Straße im Osten analysiert und ob der Abstand zum Wald ausreichend ist. Gespräche mit dem Forstamt hätten aber gezeigt, dass man hier auf einen Nenner kommen könne, erklärte Maier. Peter Rosenberger freute sich über so viel Konsens, vor allem aber über das Lob von OGL-Rätin Schneiderhan, die das Wort „großartig“ im Hinblick auf die Planungen verwendet hatte. Rosenberger ergänzte: „Das könnte der große Wurf für Horb sein.“

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10.11.2016, 01:00 Uhr

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