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Die Natur ist rotzfrech

Der in Göttelfingen lebende Maler Wolfgang Hehl stellt ab Freitag im Eutinger Rathaus aus

Er ist ein Romantiker, liebt Farben, Rosen, Natur, Klassik und Italien. Seit zwei Jahren wohnt Wolfgang Hehl mit seiner Frau in Göttelfingen. Ab Freitag bis Ende Februar stellt der Maler seine Werke im Eutinger Rathaus aus.

06.10.2010
  • Brigitte Poensgen

Göttelfingen. Durch große Fenster schweift der Blick immer wieder nach draußen, bleibt an den Farbtupfern der Blumen hängen, die in der Herbstsonne aufleuchten. Haus und Garten in der Kaiserstraße sind aufgeblüht, seit die Hehls es gekauft haben. Wuchsen früher 28 Tannen und Koniferen ungeniert dem Himmel entgegen, beleben heute Rosen, Iris oder Kräuter den Garten und sorgen für Helligkeit und Durchblick.

Drinnen sucht man das klassische Wohnzimmer vergeblich, es gibt keine Sitzecke, keine Schrankwand, keinen Couchtisch. Farbspuren der Hehl‘schen Schaffenskraft prägen den großen Raum, der nun Atelier ist. Für Wolfgang Hehl war es nach dem Kunststudium klar – es gibt für ihn nur die Malerei, Farbe ist seine Stärke, er liebt den Farbrausch.

„Ich bin Maler“ sagt er schlicht – von der Bezeichnung Künstler will er nichts wissen. Das sei so akzeptiert, aber trotzdem sind Wolfgang Hehl und seine Frau Künstler. Sie haben einen Garten erschaffen, in dem die Rosen sich zu voller Pracht entfalten können, Tomaten vorwitzig am Treppengeländer hochhangeln, Buchs den Salat flankiert und üppiger Majoran, Salbei und Thymian darauf warten, dem Essen den letzten „Pfiff“ zu geben.

Wolfgang Hehl kocht nämlich für sein Leben gerne – hauptsachlich vegetarisch und mediterran und dabei kommt seine Liebe zu Italien zum Ausdruck. Ein Dreivierteljahr hat er in Rom gelebt. „Das ist die Stadt schlechthin“ schwärmt er. Die Göttelfinger Nachbarn wurden nach dem Einzug allerdings zum zünftigen Weißwurst-Essen eingeladen. „Die sind unheimlich nett, jeder hilft jedem“ freut sich Hehl, der sich in der Kaiserstraße wohl fühlt. Nachdem die Pflanzenmauer gefällt wurde, herrscht jetzt auch wieder ein geselliger Durchblick von Garten zu Garten.

Dass der Maler hohe musikalische Ansprüche hat, ist der Nachbarschaft nicht entgangen. „Jetzt schafft der Kerle wieder“ weiß diese, wenn die Musik von Bruckner, Bach und Beethoven nach draußen dringt. „Verdis Requiem geht an die Substanz“ sagt Hehl, der nur mit Musik malt – neben der Klassik mischt durchaus auch mal Heavy Metal mit.

Ab und zu gibt es eine Regenbogenforelle vom angelnden Nachbar. Dann ist Hehl ganz begeistert. Dabei geht es ihm nicht nur um das Kulinarische, sondern auch um das faszinierende Farbspiel des Fisches. „Die Natur ist rotzfrech“ sagt Hehl. Bei Himbeeren und Erdbeeren seien die Farbtöne fast künstlich und die vielen verschiedenen Blüten und deren Farbtöne in seinem Garten brauche er. Intensiv hat der Maler sich mit Rosen auseinandergesetzt. Es fasziniert ihn auch das Barocke der Insel Reichenau mit Gemüse und Blumen. Immer wieder zieht es ihn dorthin und auf die Mainau. Auch der Wald zieht Hehl magisch an. Als leidenschaftlicher Pilzsammler bringt er sogleich getrocknete Steinpilze daher, lässt den Geruch der Köstlichkeiten für sich sprechen.

Schon immer waren Engel und Putten ein Thema für ihn. Putten hätten einen ironischen Beigeschmack, drückten Lust und Wollust aus, so Hehl. Oft fährt er nach Birnau und besucht die dortige Wallfahrtskirche. Allerdings – im Winter wird man Hehl weder am Bodensee noch in Göttelfingen finden. Die frostige Jahreszeit ist nichts für ihn und deshalb wird kurz mal ausgewandert. Die Kanaren oder das italienische Imperia werden dann zum warmen, sonnenreichen Zwischenwohnsitz. Erst wenn das Gäu wieder so allmählich auftaut, kommen Hehl und seine Frau zurück.

Dann erwacht auch ihr Garten langsam aus dem Winterschlaf, wird immer mehr zum Blütentraum, bis sich im Herbst wieder der Morgennebel auf den zarten Rosenblättern zu Wasserperlen sammelt.

Malerei 2007 – 2010 ist der Titel der Ausstellung, die am Freitag, 8. Oktober, um 19 Uhr im Rathaus in Eutingen eröffnet wird. Zu sehen ist ein Spektrum dieser Jahre mit Seerosen, Landschaften, Rosen, Torten und Bildern von Engeln und Putten. In die Ausstellung führt Bürgermeister Armin Jöchle ein. Ob mit oder ohne Einladung, jeder kann kommen. Ganz bewusst wird der offizielle Teil nur kurz gehalten, denn dann sollen die Bilder für sich sprechen. Wolfgang Hehl wurde 1953 in Heutingsheim, Kreis Ludwigsburg, geboren. Nach dem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, folgte ein Studienaufenthalt in Rom. Hehl studierte nach dem Staatsexamen freie Malerei bei Professor Erich Mansen. Wolfgang Hehl hatte Einzelausstellungen in Stuttgart, Bochum, Frankfurt/Main, Mailand, Koblenz, Herrenberg und Horb, wo er 17 Jahre lang lebte.

Der Maler und die Ausstellung

Der in Göttelfingen lebende Maler Wolfgang Hehl stellt ab Freitag im Eutinger Rathaus aus
Das Themen-Spektrum der Hehl´schen Ausstellung im Rathaus: Seerosen, Kuchen, Rosen, Landschaft, Putten.Bild: poe

Der in Göttelfingen lebende Maler Wolfgang Hehl stellt ab Freitag im Eutinger Rathaus aus

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06.10.2010, 12:00 Uhr

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