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Besser als Sex

Der kleine Boris ist der Feuerwehr-Knaller

Jaja, die Feuerwehrkneipe! Die ist ein ganz besonderer Ort, das sagen immer alle und zwinkern sich dabei zu. Die Feuerwehrkneipe ist eine Nische. Sie schützt das im laufenden Jahrtausend vom Aussterben bedrohte Mannestum – dieses bekennende, donnernde Mannsein.

17.11.2015
  • Ulla Steuernagel

Sie ist ein Schutzraum für Männer, aber Frauen sind hier durchaus auch willkommen. Sie müssen nur empathiefähig sein, sich richtig in den Mann hineinversetzen und bierlustig sein können. Tübingens Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast hat in ihrer Büttenrede am Freitagabend ihre Feuertaufe bestanden. Sie hat lustige Dinge über nationale Differenzen von Frauen nach Sex gesagt. Das war eine sichere Bank, auch eine Art von „safer Sex“, denn Sex-Witze kommen vor trinkfreudigen Versammlungen meist ganz gut an.

Das heißt, wenn man es nicht übertreibt – wie Boris Palmer damals im 06er Jahr. Da zitierte er einen westfälischen Wahlslogan um einen Bürgermeister namens Figgen. Ein Sturm der Empörung brach danach los. Was sicher daran lag, dass Witze um Namen einfach immer allerunterste Schublade sind. Das folgende Zitat also bitte nur lesen, wenn unbedingt nötig: „Wer Figgen will, muss SPD wählen“, sagte der OB damals.

Das TAGBLATT-Archiv ist voller Spuren dieses Figgen-Fauxpas‘. Sie heißen: „Figgen 1“, „Figgen 2b“, „Figgen 2c“ und so weiter. Das sind die internen Namen der Leserbriefe, die sich lawinenartig einstellten.

Eigentlich hätte man damals schon ahnen können, wenn es etwas gibt, das noch besser geht als Sex, dann ist es Boris Palmer. Wenn sich jemand ihn vorknöpft, dann gerne unter dem nackten Vornamen „Boris“. Schon um zu zeigen, dass er auf ewig der Sohn vom Vater bleibt. Für Martin Rosemann (SPD) war Palmer am Freitag also „unser kleiner Boris“, der mal „in der großen Politik mitspielen“ wollte. Dazu muss man wissen, Rosemann kommt als Bundestagsabgeordneter aus der großen Politik.

Vor zwei Jahren bei seiner zweiten Rede vor der feuerwehrhaften Versammlung in Tübingen gab Rosemann zu, er habe mehr Respekt vor der Feuerwehrkneipe als vor seiner ersten Plenarrede im Bundestag gehabt. Damals hatte sich Rosemann vorgenommen, so sagte er dem TAGBLATT jetzt, beim nächsten Mal auf Palmer-Erwähnungen zu verzichten.

Doch dann lieferte Palmer eben die Steilvorlage mit seinen Beiträgen zur Flüchtlingsdebatte. Rosemann ließ den Vorsatz also wieder fallen. Zwar habe er Palmer bei der Bürgermeister-Wahl unterstützt, doch mittlerweile sei er „schwer enttäuscht“. „Dieser Geltungsdrang und dieses riesige Selbstdarstellungsbedürfnis“ sind einfach zuviel für Rosemann. Deshalb machte er vor der Feuerwehr auch Vorschläge, wie: „Waldorfschüler Boris“ sollte sich lieber auf das konzentrieren, was er kann, nämlich seinen Namen tanzen. Der SPDler hatte auch einen Dialog zwischen Klein-Boris und seiner Oma belauscht. Sie verwende zur eigenen Körperhygiene Sprays und antworte auf den Einwand ihres Enkels, ob sie nicht ans Ozonloch denke: „Doch, das mach ich später mit dem Waschlappen.“ Und noch ein paar Rosemann Jokes: Wie heißt Kondom auf Schwedisch? „Pippi Langstrumpf“. Und warum haben die Winzer von der Ahr den Namen Moselschlecker nicht für ihre Gegend übernommen? Genau – deshalb.

Das alles entging dem grünen OB am Freitag. Er habe eigentlich mit Palmers Anwesenheit gerechnet, so betont Rosemann. Vielleicht wäre es dann noch lustiger geworden. So hörte Palmer leider auch die komischeren Pointen von Rosemann nicht, die er aus der großen Politik oder nein, ihren bürokratischen Abgründen mitbrachte. Zum Beispiel „Stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet.“ Oder: „Ehefrauen, die ihren Mann erschießen, haben nach einer Entscheidung des BSG keinen Anspruch auf Witwenrente.“

Jetzt ist es aber Zeit für ein Geständnis: Ich war nämlich in meinem ganzen Leben noch nie bei einer Feuerwehrkneipe. Ich glaube, deshalb fehlt mir einfach das Verständnis.

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17.11.2015, 12:00 Uhr

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