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Produkte für Frauen sind oft teurer als die gleiche Ware für den Mann

Der kleine Preisunterschied

Frauen leben teurer als Männer - und Studien zufolge liegt das nicht daran, dass sie häufiger einkaufen gehen. Die rosafarbene Frauenversion kostet bei vielen Produkten mehr als die blaue Variante.

16.04.2016
  • BIANCA FRIESS

Hamburg. Ein Besuch im Drogeriemarkt Rossmann: Zwei Packungen Einwegrasierer landen im Einkaufswagen, eine ist blau, die andere pink. Heruntergerechnet auf das einzelne Stück kostet der blaue Rasierer 15 Cent, der rosafarbene 20 Cent - ein "Frauenaufschlag" von 33 Prozent stellt die Verbraucherzentrale Hamburg fest.

Die Verbraucherschützer nahmen unter anderem Rasierer, Parfüm und Kosmetika unter die Lupe und beobachteten: Die rosafarbene Variante ist oft teurer, teilweise um bis zu 100 Prozent. Bei den neun getesteten Rasierprodukten waren die Preise der Frauen-Variante im Schnitt 40 Prozent höher. "Hersteller und Händler nutzen schamlos aus, dass Frauen bereit sind, mehr Geld für bestimmte Produkte auszugeben", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Stephan-Thomas Klose, Unternehmenssprecher von Rossmann, sieht die Ergebnisse gelassen: "Angebot und Nachfrage regeln in der freien Marktwirtschaft nun einmal den Preis." Für den Unterschied könne es viele Gründe geben, wie Aktionen und Preisreduzierungen.

Was dazu kommt: Bei Rossmann kaufen überwiegend Frauen ein. Männer müsse man da schon mal mit einer Preisaktion locken, sagt Klose. Niemand hindere Frauen außerdem daran, auch einmal Männerprodukte zu kaufen, wenn sie tatsächlich günstiger sein sollten.

Das wäre bei den Einwegrasierern vielleicht tatsächlich eine Möglichkeit. Wollen die Damen aber bei Körperlotionen billiger einkaufen, müssten sie sich wohl an einen herberen Duft gewöhnen. Denn auch hier gibt es einen Preisunterschied: In den USA liegt der bei 11 Prozent, fand das New York City Department of Consumer Affairs (DCA) heraus, eine New Yorker Regierungsabteilung, die für Verbraucherschutzgesetze verantwortlich ist.

Das DCA wollte mit der Studie einen durchschnittlichen Lebenszyklus abbilden: Untersucht wurden deshalb fast 800 verschiedene Produkte, von Babykleidung bis hin zu Gesundheitsprodukten für Senioren. Das Ergebnis: Frauenprodukte kosten im Durchschnitt 7 Prozent mehr als ähnliche Produkte für Männer. Im Laufe ihres Lebens zahlen Frauen für fast identische Produkte also tausende Dollar mehr als Männer, schlussfolgern die Forscher.

Den größten Preisunterschied gab es bei der Kategorie Haarpflege: Bei Shampoo und Haarkur kostete die Frauenversion im Durchschnitt 48 Prozent mehr als die Männerprodukte. Insgesamt wurde bei Körperpflegeprodukten ein Preisunterschied von 13 Prozent festgestellt.

Markus Voeth, Professor am Lehrstuhl für Marketing der Universität Hohenheim, hat dafür eine ganz einfache Erklärung: Frauen sind bereit, mehr zu zahlen. "Dann tut der Händler ökonomisch betrachtet gut daran, auch einen höheren Preis zu verlangen, das ist kein Teufelswerk", sagt Voeth. "Gender-spezifisches Pricing" nennt er das Prinzip.

Dabei gibt es auch Bereiche, wo Männer tiefer in die Tasche greifen müssen: In der Disko wird zum Beispiel die hohe Zahlungsbereitschaft der Herren ausgenutzt, Frauen müssen dagegen mit günstigen Happy-Hour-Angeboten gelockt werden.

Insgesamt gebe es trotzdem einen leichten Preis-Überhang bei Frauenprodukten, berichtet Voeth. Männer sind durch ihr Konsumverhalten einfach weniger klar definiert: Es gibt mehr spezielle Frauenvarianten, zum Beispiel im Kosmetik-Bereich. "Gäbe es ein spezielles Männer-Bier, wäre das wahrscheinlich auch teurer", sagt der Stuttgarter Marketingprofessor.

Das ist seiner Meinung nach auch berechtigt, einen Fall für den Verbraucherschutz sieht Voeth nicht. Kritisch wird es aus seiner Sicht nur dann, wenn den Frauen vorgegaukelt wird, dass sie eine andere Leistung bekommen.

Das sieht die Hamburger Verbraucherzentrale anders: Sie fordert Hersteller und Händler dazu auf, die Preisdiskriminierung zu unterlassen. "Frauen werden mit diesen Tricks doppelt benachteiligt, weil sie darüber hinaus meist noch weniger Geld verdienen als Männer", sagt Verbraucherschützer Valet.

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16.04.2016, 06:00 Uhr

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