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Ellen Schwarzburg-von Wedel stellte ihren „Hannes“ vor

Der kleine Wörterspeier

Das kindliche Spiel mit der Sprache: Die Mössingerin Ellen Schwarzburg-von Wedel schrieb darüber ein Buch.

31.05.2012
  • Jürgen Jonas

Mössingen. Dieser Hannes ist schon ein fantasievoller Bursche. Am Anfang des Buches, in dem er wohnt, steht er – es ist ein Sonntag – auf einem Brunnen und tut, als sei er ein Wasserspeier. Doch eigentlich ist er ein Wörterspucker. Aber auch nicht immer. Denn es wandelt ihn die Lust an, Wörter auch mal, grad im Gegenteil, zu verschlucken.

Spucken und verschlucken. Aus diesem Reim hat die Mössinger Autorin Ellen Schwarzburg-von Wedel ein Kinderbuch gemacht. Dieser Tage hat sie in der Stadtbücherei daraus vorgelesen, zwanzig Kinder, allesamt Zweitklässler, hörten zu, schauten sich die Original-Bilder an, mit denen die Geschichte untermalt ist. Die ehemalige Lehrerin übt sich bereits seit ihrer Kindheit in der Bilderkunst.

Hannes sieht jedenfalls sehr nett aus. Wie er am Montag dasitzt am Frühstückstisch! Er verkündet seinen Plan, und verblüfft reicht seine Mutter ihm statt der Butter, na was wohl? Hühnerfutter. Was von Hannes erzählt wird, ist nämlich gereimt.

Heißt ja auch schon so: „Hannes kann es“. „Eine Geschichte zum Schauen, Reimen und Gebärden“, lautet der Untertitel. Schwarzburg-von Wedel hält große Stücke auf Reim und Rhythmus, „sie geben den Kindern Sicherheit“. Zudem ist die Hannes-Geschichte ein Buch, in dem Gebärden für mehr als 130 Wörter versammelt sind, gezeichnet von der Autorin.

Kinder, weiß sie, lieben das Spiel mit der Sprache und denken sich gern Geheimsprachen aus. Wie gehen etwa die Wochentage in Gebärdensprache? Das übt sie mit den kleinen Besuchern ihrer Lesung ein.

Schwarzburg-von Wedel will mit dieser Übersetzung des Textes die „Sprachbewusstheit des Kindes“ unterstützen, wichtige Grundlage für das Erlernen des Schreibens. In Schulen, meint sie, könnte die Lektüre „zu einem gemeinsamen bewegten Kommunikationserlebnis“ werden, nicht nur in integrativen Gruppen. „Gebärden treiben die Sprache voran“, verdeutlicht sie mit einer Gebärde.

Bild für Bild wird die Geschichte abgehandelt, dazu rezitiert Schwarzburg-von Wedel die Verse, unterstützt von den Kindern, die schön gespannt mitmachen und die Reime herausfinden. „Ihr müsst nicht strecken, wenn ihr etwas wisst“, sagt die Pädagogin. Sie hatte früher 40 Kinder in der Klasse, da war das freilich etwas anderes. Ihr Hannes besteht Alltagserlebnisse, gibt sich aber auch seiner Fantasie hin. Der Leser begleitet ihn durch die Woche, fährt am Dienstag mit ihm im Schulbus, wobei ihm ein Kraftprotz auf den Fuß tritt. Eingipsung ist die Folge. Am Mittwoch jedoch, als die Schule brennt, muss er sich engagieren.

Donnerstag kommt er auf einen Drachen zu sitzen, am Freitag gerät er in ein Hexenfest, auf dem es ihm gelingt, Gold zu machen. Schließlich begegnet er einer Traumprinzessin. Auf jeder Station verschluckt er ein Wort, am Ende werden sie wieder zusammengeführt. Unter wacher Beteiligung der Kinder in der Stadtbücherei, die sehr gut mit der Gebärdensprache zurechtkommen. Um „lieb“ zu sagen, lässt man die offene Hand schön an der Wange entlangstreichen. Das leuchtet unmittelbar ein.

Schwarzburg-von Wedel hat schon zwei Kinderbücher veröffentlicht, nämlich „Das Häschen und die Rübe“ und „Komm, spiel mit mir auf meinem Schoß“. Im Herbst wird ein neues erscheinen, mit dem Titel „Eine Geschichte von Max“.

Für Kinder wird übrigens, immer am letzten Freitag im Monat, eine Lesestunde gehalten. Bettina Krimmel, in der Stadtbücherei verantwortlich für den Bereich Kinder- und Kinderliteratur, und die Auszubildende Sarah Vergari freuen sich über neue Vorlesepaten.

Info: Ellen Schwarzburg-von Wedel: Hannes kann es, Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2012, 19,50 Euro.

Der kleine Wörterspeier
Ellen Schwarzburg-von Wedel (rechts) zeigte es den Kindern in der Pausa auch mit Originalbildern aus ihrem Buch: „Hannes kann es“.

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31.05.2012, 12:00 Uhr

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