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Der lange Weg zurück zu alter Stärke
Leni Breymaier zu Gast bei der SÜDWEST PRESSE in Ulm. Foto: Matthias Kessler
Sozialdemokraten

Der lange Weg zurück zu alter Stärke

Mit vier Themen will die neue SPD-Frontfrau Leni Breymaier im Südwesten 2017 ein gutes Ergebnis erzielen.

12.11.2016
  • ANDREAS CLASEN

Ulm. Leni Breymaier hat nicht viel Zeit. Ende Oktober wurde die 56-Jährige erst zur Vorsitzenden der SPD in Baden-Württemberg gewählt, und keine zwölf Monate sind es mehr bis zur Bundestagswahl. Dabei verdauen viele Genossen nach wie vor das Landtagswahlergebnis vom 13. März. „Die 12,7 Prozent waren erbärmlich. Wir sind schon noch damit beschäftigt, die Partei wieder aufzurichten“, sagt Breymaier bei einem Besuch der SÜDWEST PRESSE in Ulm, ihrer Geburtsstadt. Ein Kraftakt, für den man „eine gute Kuttel braucht oder Resilienz, wie man das glaube ich im Hochdeutschen ausdrückt“, sagt die Schwäbin augenzwinkernd.

Mit dem Wiederaufbau der Landes-SPD hatten schon ihr Amtsvorgänger Nils Schmid und die einstige Generalsekretärin Katja Mast begonnen. „Die beiden sind nach der Niederlage in jeden Wahlkreis gegangen. Ein Ergebnis der Gespräche war: Die Partei wünscht sich mehr Emotionen und mehr soziale Gerechtigkeit. Das war für mich auch der Reiz, für den Vorsitz zu kandidieren.“ Nachvollziehbar.

Dass ihr soziale Gerechtigkeit ein Herzensanliegen ist, bestätigen Genossen wie ein Blick in ihren Lebenslauf. 1982 in die SPD eingetreten, war die gelernte Einzelhandelskauffrau bis vor kurzem Landesbezirksleiterin der Gewerkschaft Verdi in Baden-Württemberg. Wo Schmid verständlich, aber eher nüchtern und mit Zahlen argumentierte, scheut Breymaier nicht vor Kraftausdrücken zurück und erklärt abstrakte Themen gerne mit Alltagsszenen und persönlichen Erfahrungen.

Beispiel Digitalisierung: „Ich habe jetzt einen Dienstwagen von der SPD bekommen – und da fahre ich kürzlich von Ravensburg nach Hause und mein Auto sagt mir auf einmal, ich müsse eine Pause machen.“Diese zunehmende Digitalisierung der Lebenswelt, ihre Chancen und Risiken, soll auch eins von vier Themen werden, mit denen Leni Breymaier im Bundestagswahlkampf punkten möchte. Die anderen drei sind Rente und die wachsende Altersarmut, Gesundheit und das SPD-Konzept für eine Bürgerversicherung sowie das Eintreten für bezahlbaren Wohnraum.

Die erste Bewährungsprobe

Sie weiß, die Bundestagswahl wird die erste Bewährungsprobe für ihre Arbeit als Vorsitzende sein. Wo die Messlatte liegt, ist klar: 20,7 Prozent erreichte die SPD 2013 in Baden-Württemberg. Sollte man 2017 schlechter abschneiden, werden wohl jene Stimmen zahlreicher, die sagen, sie würde die Partei zu weit links von der Mitte positionieren.

Um 2017 erfolgreich zu sein, sagt Leni Breymaier, müsse es der SPD vor allem Gelingen wieder stärker zu den Leuten durchzudringen. „Wir müssen so viel wie möglich mit den Menschen direkt sprechen und nicht über sie. Wir müssen unsere Themen gut platzieren und dürfen nicht über jedes Stöckle springen, das die AfD uns hinhält. Wenn wir jetzt ein Jahr über die Burka diskutieren, haben wir schon verloren.“

Bei der Bundestagswahl will sie nicht nur als Vorsitzende an vorderster Front kämpfen, sondern sie kandidiert auch im Wahlkreis Aalen-Heidenheim für den Bundestag, wenn es mit der noch ausstehenden Nominierung klappt. Doch wird es von Berlin aus wirklich möglich sein, die Sozialdemokraten im Südwesten zu früherer Stärke zu führen? „Na klar“, sagt Leni Breymaier. Sie wird eine wirklich gute „Kuttel“ brauchen. Andreas Clasen

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12.11.2016, 06:00 Uhr

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