Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Der letzte König von Schottland

Mein Kumpel, der Diktator. Packender Report aus den Eingeweiden einer Diktatur.

Mein Kumpel, der Diktator. Packender Report aus den Eingeweiden einer Diktatur.

Der letzte König von Schottland

© null 01:33 min

THE LAST KING OF SCOTLAND
GB

Regie: Kevin Macdonald
Mit: Forest Whitaker, James McAvoy, Gillian Anderson, Kerry Washington

- ab 16 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating

Film bewerten

rating rating rating rating rating
24.11.2015
  • che

Die Fakten: 1971 putschte sich der ugandische General Idi Amin mit Unterstützung der Briten, die den vermeintlichen Sozialisten Milton Obote loswerden wollten, an die Regierung des ostafrikanischen Landes. Sein selbstbewusstes Auftreten, die antikoloniale Rhetorik brachten ihm anfangs auch die Sympathie von Wohlmeinenden ein. Sein einziges Ziel war aber wohl von Beginn an der Machterhalt mittels brutaler Gewalt. Bis zu seinem Sturz 1979 hatte Amin rund 300 000 Landsleute umbringen lassen und mindestens 50 000 außer Landes gejagt. In den westlichen Medien war er am Ende als „Afrikas Hitler“ verschrien – Symbol auch für die angebliche Unfähigkeit der Afrikaner zu zivilisierter Politik.

Von alldem weiß der junge schottische Arzt Nick Garrigan – eine aus verschiedenen Realpersonen zusammengesetzte Kunstfigur – nichts, als er im Putschjahr voller Abenteuerlust und Hilfsbereitschaft nach Uganda reist. Durch Zufall lernt er Amin kennen, der ihn mit seinem kumpelhaften Charme und dem knuddeligen Äußeren sofort in Bann schlägt. Ohne lange zu zögern, lässt er sich zu dessen Leibarzt befördern und steigt in den Hofstaat auf. Von der Macht und dem Luxus geblendet, übersieht „Amins weißes Äffchen“ (so der Jargon in der britischen Botschaft) konsequent die Gräuel, die um ihn herum geschehen.

Das Klischeefilmbild vom „weißen Retter“ Afrikas auf den Kopf stellend, entwickelt sich Garrigan aus Naivität und Eitelkeit zum unfreiwilligen Handlanger einer wildwütigen Schreckensherrschaft. Dass er uns dennoch bis zum Schluss sympathisch bleibt, liegt an seinem Gegenüber Amin, wie Forest Whitaker ihn verkörpert. Weit entfernt von den medialen Zerrbildern vom „Kannibalen“ oder „Monster“ arbeitet der dafür zurecht mit dem Oscar belohnte Schauspieler vor allem dessen charismatische Kraft, das kindlich Einnehmende, die Showman-Qualitäten heraus, von denen sich nicht nur ein (fiktiver) Jungspund aus Schottland einwickeln ließ, sondern Jahre lang fast die gesamte Weltöffentlichkeit. Nur gelegentlich kommen sein paranoider Wahn und die zügellose Gewaltbereitschaft zum Vorschein.

Trotz Whitakers fulminanter Leistung ist der Film aber weniger ein Amin-Porträt als eine Analyse des Innenlebens einer Diktatur. Am Einzelfall Uganda dringt der gelernte Dokumentarfilm-Regisseur Kevin Macdonald tief in die Dynamik des Verführens und Verführtwerdens, in das so banale wie effiziente System des Belohnens und Bestrafens. Mehr als dem „Untergang“, an den sich einige Kritiker erinnert fühlten, ähnelt er einer anderen, viel besseren Filmstudie zur Nazi-Herrschaft: Istvan Szabós „Mephisto“ (nach Klaus Mann) über die Beziehung zwischen Hermann Göring und dem Theatermann Gustaf Gründgens. Was wiederum beweist, dass „Der letzte König von Schottland“ weit über das „finstere“ Afrika hinaus von Belang ist.

Spielplan

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
14.04.2007

12:00 Uhr

idi schrieb:

der film gibt gut den wohl recht typischen persoenlichkeitswandel eines afrikanischen diktators wieder. hervorragender schauspieler. gute drehplaetze in uganda. original mit untertitel ist allerdings pflicht bei diesem film. schade, dass das in tuebingen nur selten geboten wird.



25.03.2007

12:00 Uhr

Benjamin Hirschfeld schrieb:

Brilliant von Whittaker in Szene gesetzt, hat der Film ausser seinem Hauptdarsteller wenig zu bieten.
Die Geschichte ist fadenscheinig, die historischen Hintergründe werden wenn überhaupt dann nur mangelnd angedeutet oder beschrieben. Das gilt für Amins politische Karriere wie auch für seine Weltvorstellungen. Das Frauenbild, das dem Film zu Grunde liegt, ist peinlich ("der weisse Mann kriegt ohne Mühen jede rum", ansonsten haben Frauen keine besondere Funktion).
Was auffällt, ist die rasante Schnittabfolge des letzten Filmdrittels. Der Zuschauer bekommt keine Pause, um die Gewalt, das Blut und die Leichen zu "verdauen", die Bilderflut wird immer schneller, bis man am Schluss des Films erschöpft aus dem Kinosaal wankt.
Ein verdienter Oscar für Whittaker, der den Spagat bei der unheimlichen Darstellung des wahnsinnigen Gewalttäters und der charismatischen Führungsfigur Amins glänzend hinbekommt. Hiervon abgesehen ist der Film enttäuschend.



20.03.2007

12:00 Uhr

Markus schrieb:


Forest Whitaker als Idi Amin wäre brilliant - wenn der Film den Focus mehr auf ihm, sein Regime und seine Verbrechen gerichtet hätte - und wenn man einen ordentlichen Synchronsprecher gewählt hätte.
Die Story um den fikive Arzts Nick Garrigan ist nur nervig.
Wir hätten uns von dem Film mehr erwartet - Note 5 !



19.03.2007

12:00 Uhr

Lisa schrieb:

War ganz gut, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass der fokus mehr auf amin und dem geschehen im land liegt. leider ging es zu sehr um den langweiligen fiktiven arzt.



Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige