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Betzingen: Kleinode in der Ortsmitte

Der letzte Winkelhakenhof und das Bürgermeisterhaus werden saniert

Große Aufwertung für die Betzinger Ortsmitte: Zwei weitere historische Gebäude werden saniert. Großen Anteil daran hat der Förderverein Ortskern Betzingen.

03.12.2012
  • Thomas de Marco

Betzingen. Das Gebäude in der Mußmehlstraße ist in einem schäbigen Zustand: Der Putz ist an vielen Stellen großflächig abgebröckelt, Fensterscheiben sind teilweise ausgeschlagen, die Bausubstanz ist marode. Und doch ist das Haus in der Nähe der bereits sanierten Zehntscheuer etwas ganz Besonderes: der letzte so genannte Winkelhakenhof in Betzingen. Das zweigeschossige Wohnhaus mit einer Doppelscheune stammt aus der Zeit um 1725. Ginge dieses Haus verloren, „wäre das der totale Wegbruch des Normalen aus alter Zeit“, sagt der Tübinger Denkmalpfleger Günther Kolb.

Das Problem war nur: Der ehemalige Lehenshof des Reutlinger Spitals ist so heruntergekommen, dass jede Menge potenzielle Investoren abgesprungen sind, wie Kolb erklärt. Ohne den Förderverein Ortskern Betzingen, der das Gebäude für 25 000 Euro gekauft hat, wäre die Rettung des Winkelhakenhofs nicht möglich. Denn ein Verlustgeschäft darf die Sanierung für die Denkmalpfleger nicht werden – und bei diesem Haus sei aufgrund der großen Schäden die Zumutbarkeit überschritten, betont der Denkmalpfleger.

Der Förderverein hat nun aber für das seit Jahren leer stehende Gebäude mit dem Architekturbüro Hartmaier und Partner aus Münsingen im Vorfeld der Sanierung ein Nutzungskonzept entwickelt, das mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt wurde: Im Erdgeschoss will der Verein für seine Aufgaben ein Büro und einen Besprechungsraum einrichten. Auf der Westseite des Erdgeschosses, im Ober- sowie im Dachgeschoss werden Büros für eine Steuerberater- und Rechtsanwaltskanzlei gebaut. Die angrenzende Scheune wird Lagerraum für die Zehntscheuer und zum Teil vermietet.

Insgesamt kostet das Projekt gut 1,3 Millionen Euro. Mit einem Eigenkapital von 30 000 Euro und einem Darlehen von etwa 640 000 Euro kann der Förderverein seinen Anteil der Baukosten bezahlen. Die Zinsbelastung wird durch die vorgesehenen Mieteinnahmen gedeckt. 42 Prozent der Baukosten kommen durch Fördermittel zusammen: Die Stadt Reutlingen übernimmt 196 000 Euro, das Land 294 000. Ein Antrag auf Zuschüsse durch die Denkmalpflege werde derzeit vom Regierungspräsidium Tübingen bearbeitet, sagt Kolb.

„Das ist ein Riesensatz nach der Sanierung der Zehntscheuer und eine weitere Aufwertung des Ortskerns“, sagt Betzingens Bezirksbürgermeister und Fördervereins-Vorsitzender Thomas Keck. „Es steht uns gut an, wenn wir die paar historischen Kleinode, die wir noch haben, für kommende Generationen retten.“

Das trifft auch auf das so genannte Bürgermeisterhaus in der Mühlstraße 15 bis 19 zu. Bei einem Ortstermin im April war festgestellt worden, dass dieses Haus aus dem 16. oder 17. Jahrhundert weitestgehend im Originalzustand ist. Eine Projektstudie der Firma Pro Casa sieht folgende Nutzung vor: Das Bürgermeisterhaus soll zu zwei sanierten Doppelhaushälften mit Anbau im von der Straße abgewandten hinteren Gebäudeteil umgebaut werden. Im Erdgeschoss der Doppelscheune ist eine kleine Gewerbeeinheit (etwa für Feinkostladen, Weinhandlung oder Büro) geplant. Im ersten Obergeschoss sollen zwei Dachgeschoss-Maisonette-Wohnungen entstehen.

Die Gesamtkosten werden auf knapp über eine Million Euro geschätzt. Von der beantragten Kostenerstattung in Höhe von 250 000 Euro übernehmen die Stadt Reutlingen 100 000 Euro, den Rest das Land.

„Ich verfolge das absolut mit Wohlwollen“, erklärt Denkmalpfleger Kolb. Er ist vor allem vom Betzinger Förderverein beeindruckt: „Nach dem Wagnis der Trägerschaft bei der Sanierung der Zehntscheuer macht der Verein gleich weiter. Das zeichnet ihn aus.“

Der letzte Winkelhakenhof und das Bürgermeisterhaus werden saniert
Der letzte seiner Art in Betzingen: der Winkelhakenhof in der Mußmehlstraße, der nun saniert wird.Bild: Haas

Der Reutlinger Gemeinderat hat im Oktober nicht nur einstimmig die städtische Zuschüsse in Höhe von 296 000 Euro für die Sanierung der beiden Gebäude beschlossen, sondern dabei auch einhellig die Arbeit des Fördervereins gelobt. „Es ist wirklich toll, was bürgerschaftliches Engagement bewegen kann, wenn die richtigen Leute es wollen“, sagte etwa der FDP-Fraktionsvorsitzende Julius Vohrer. Kurt Gugel von den Freien Wählern betonte im Hinblick auf das Projekt Mußmehlstraße: „Wenn man sieht, was der Förderverein alles geleistet hat, kann man ihm vertrauen.“

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03.12.2012, 12:00 Uhr

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