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Sprengstoff für die Tarifrunde

Der neue IG-Metall-Landeschef Roman Zitzelsberger sprach in der Wittumhalle

Die Neuregelung der Alters- und Bildungsteilzeit wird zentrale Forderung der IG Metall in der anstehenden Tarifrunde. Das sagte der neue Landes-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger am Mittwoch in Reutlingen.

28.06.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Die IG Metall hat voriges Jahr ihre Beschäftigten befragt. Die Themen, die diesen am Herzen lagen, will sie nun auf ihrem Gewerkschaftstag 2015 vertiefen, berichtete der neue Bezirksleiter für Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, vor knapp 70 Delegierten in der Rommelsbacher Wittumhalle.

Bei der Rentenpolitik habe man schon massiv auf den schwarz-roten Koalitionsvertrag eingewirkt. Die Rente mit 63 nach 40 Jahren Beschäftigung sei ein guter Schritt. „Es gibt keinen Grund, warum das aufgeweicht werden soll“, so Zitzelsberger. Er kündigte an: „Wir werden weiter mit der Rente mit 67 keinen Frieden machen.“ Zudem kritisierte er, die Regierung habe das Rentenniveau abgesenkt – das bewege sich Richtung Grundsicherung.

Zitzelsberger sprach sich klar für ein Mitspracherecht der Betriebsräte bei Werkverträgen aus: „Da werden wird die Bundesregierung drangsalieren.“ Prekäre Beschäftigung sei nicht in Ordnung. Auch für die anstehende Tarifrunde berücksichtigt die Gewerkschaft das Votum ihrer Mitglieder. Als qualitative Forderung neben der Lohnerhöhung wolle sie die Neuregelung flexibler Altersübergänge und die der beruflichen Qualifikation wählen.

Die IG Metall wolle die Altersteilzeit langfristig absichern. Über 90 Prozent ihrer Beschäftigten sehen laut Zitzelsberger weiter die Notwendigkeit zum vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben.

Auch die Arbeitgeber wollten die Altersteilzeit mehrheitlich sichern. Bisher werde sie vor allem in kleinen Betrieben nicht ausgeschöpft. „Wir brauchen Verbindlichkeit“, sagte der Gewerkschafts-Chef. Denn jetzt näherten sich die geburtenstarken Jahrgänge dem Ruhestand.

Die IG Metall liege mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall im Dauerclinch wegen der Finanzierung der Altersteilzeit und der Rückstellungen dafür. Die Arbeitgeber wollten dieses Instrument nur für diejenigen einsetzen, die nicht mehr arbeiten könnten. Stattdessen klagten sie über fehlende Fachkräfte – dabei hätten sie in den 1990er-Jahren trotz Drängens der Gewerkschaften nicht genug ausgebildet.

„In den Details werden wir einen richtigen Krach kriegen“, sagte Zitzelsberger voraus. Zumal sich die IG Metall auch die Forderung ihrer Nachwuchs-Gewerkschafter nach einer Bildungs-Teilzeit aufs Panier geschrieben haben. Über 7000 Mitglieder hätten in der Umfrage mehr Geld und Zeit für Bildung verlangt.

Bis November wollen sich die Gremien der IG Metall auf ihre Forderung zur Lohnerhöhung einigen. „Am 28. Januar endet die Friedenspflicht“, sagte Zitzelsberger. Es gebe genügend Sprengstoff, „dass die guten Worte nicht ausreichen“.

Der Erste Reutlinger und Tübinger Bevollmächtigte Gert Bauer hatte zuvor die Ergebnisse der Europawahl kommentiert. Er kritisierte die „Salon-Faschisten“ von der AfD und verwies auf 69 Jahre Frieden in Europa. 50 Prozent ihrer Produkte exportiere die Metall- und Elektroindustrie, davon die Hälfte innerhalb Europas.

Für viele entstehe aber der Eindruck, es sei ein Europa der Banken und nicht der Menschen. Die europäische Wirtschaftspolitik gehöre geändert, „sonst implodiert die EU“. Bauer kritisierte das Spardiktat in Griechenland und anderswo – immer weniger Menschen würden noch nach Tarif bezahlt.

Gegenüber dem Vorjahr habe die Verwaltungsstelle 80 Mitglieder verloren. Das sei deutlich weniger als 2012, aber immer noch negativ. „Ich glaube, dass wir das im Herbst drehen können“, sagte Bauer voraus. Roman Zitzelsberger warnte vor dem demografischen Wandel. Auch er rief zur Werbung neuer Mitglieder auf. Von 1,1 Millionen Metall-Beschäftigten in Baden-Württemberg seien erst 306 000 in der Gewerkschaft. Bild: IG Metall

Der neue IG-Metall-Landeschef Roman Zitzelsberger sprach in der Wittumhalle
R. Zitzelsberger

Roman Zitzelsberger, seit Oktober Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, ist ein Badener. „Unter dem Gesichtspunkt der internationalen Solidarität ist er uns höchst willkommen“, begrüßte ihn der Erste Reutlinger Bevollmächtigte Gert Bauer. „Herzlichen Dank für die sozialkulturelle Integration im schwäbischen Kernland“, antwortete Zitzelsberger. Der 47-Jährige ist seit 25 Jahren bei der Gewerkschaft. 1996 wurde er Zweiter und 2003 Erster Bevollmächtigter in Gaggenau. Der gebürtige Ettlinger hatte zuvor bei Daimler in Gaggenau eine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht. Anstelle eines Maschinenbaustudiums wählte er 1989 den Weg zur IG Metall.

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28.06.2014, 12:00 Uhr

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