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Wille zieht alle Register

Der neue Kantor und Organist der Marienkirche gibt am Samstag sein erstes Konzert

Am Samstag stellt sich Torsten Wille, der neue Kantor und Organist der Marienkirche, dem Reutlinger Publikum vor. Dabei erklingt neben Bach auch Gershwin, denn Wille möchte ernste und populäre Musik zusammenführen.

20.08.2014
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Der neue Mann kann nicht nur vom Blatt, sondern auch von der Krawatte spielen. Denn auf dem weinroten Schlips, den er gestern bei seiner Vorstellung in der Marienkirche getragen hat, sind die Noten von Bachs A-Moll-Violinkonzert in silber gestickt. „Ich freue mich auf diese Stelle, an der ich eine große einstudierte Arbeit übernehmen kann“, sagt Wille in Bezug auf seinen Vorgänger Eberhard Becker.

Doch der 42-Jährige möchte den Generationenwechsel auch nutzen, um eigene Akzente zu setzen: „Es ist eigentlich eine Tragik, dass sich Popularmusik und ernste Musik auseinanderentwickelt haben“, sagt er. Beide möchte er gerne zusammenführen. „In meiner Generation ist Popularmusik selbstverständlich“, erklärt Wille.

Deshalb werden in seinem ersten Konzert am Samstag, 23. August, 20 Uhr, in der Marienkirche neben Werken von Johann Sebastian Bach und Max Reger auch die „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin sowie karibisch-volkstümliche Töne des Amerikaners Louis Moreau Gottschalk zu hören sein. Für den neuen Marienkirchen-Kantor ist Gershwin der „am meisten unterschätzte Komponist des 20. Jahrhunderts“.

Wille ist in Hamburg geboren und bewegte sich danach stetig gen Süden: Abitur in Dortmund, Studium in Köln, Professur in Herford, Bezirkskantor in Ludwigshafen. Dazwischen liegen zwei einjährige Studienaufenthalte in der Nähe von San Francisco und Wien. Seit Samstag wohnt er in Reutlingen und übernimmt am 1. September offiziell das Amt des Marienkirchen-Kantors.

Sowohl die Rieger Orgel als auch die Marienkirche schätzt der Organist in Reutlingen ganz besonders. „Die Orgel ist ein Gewinn, da hat mein Vorgänger Großes geleistet. Als Fan der gotischen Architektur mag ich den musikalisch sehr atmosphärischen Raum der Kirche“, sagt Wille, der sich auf Anhieb in Reutlingen wohlfühlt. „Hier haben die Leute auch ein größeres Interesse an Kultur als in der Industriestadt Ludwigshafen“, betont er im Vergleich zu seiner vorigen Wirkungsstätte. Er möchte die Leute für die Musik gewinnen – auch junge. „Der Nachwuchs ist ein Problem. Aber der Untergang der Chorkultur zeichnet sich nicht ab.“

Wille hat ein Faible für die musikalische Begleitung von Stummfilmen. Das wird das Reutlinger Publikum bald erleben: Am 14. September spielt er die Orgel beim Tag des offenen Denkmals zu einem Film von Harold Lloyd, am 19. Oktober zu Friedrich Wilhelm Murnaus Faustverfilmung.

Ist er nervös vor seinem ersten Konzert? „Der beste Umgang mit der klassischen Aufregung ist, sie in Begeisterung umzusetzen“, sagt der neue Kantor. Als Student habe er bei Wettbewerben einen anderen Druck verspürt. „Wir werden am Samstag auf jeden Fall alle Register ziehen und alle Tasten drücken!“, kündigt Torsten Wille einen fulminanten Einstand als Kantor und Organist an.

Der neue Kantor und Organist der Marienkirche gibt am Samstag sein erstes Konzert
Der neue Mann an der Orgel der Marienkirche: Torsten Wille ist am Samstag erstmals in Reutlingen zu hören.Bild: Faden

Holger Herzog, 54, ist bei der Premiere des neuen Marienkirchen-Kantors Torsten Wille am Samstag im Rahmen des Orgelsommers für die Lichtin-stallation zuständig. „Ich möchte die Musik mit Beleuchtung atmosphärisch untermalen“, sagt der Lichtgestalter des Tübinger Landestheaters LTT. Dazu betont er die Architektur der Kirche mit ihren gotischen Säulen, spielt mit Licht in warmen Farben und kalten Tönen und erzeugt mit einer Beleuchtung außerhalb des Mittelschiffs Schattenwürfe. „Im Zentrum steht aber die Musik“, betont Herzog, der sein Equipment vom LTT ausgeliehen hat. „Sonst wäre so etwas gar nicht finanzierbar“, sagt der Lichtgestalter.

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20.08.2014, 12:00 Uhr

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