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Bulander ist vereidigt

Der neue Mössinger Oberbürgermeister legte vor 700 Gästen den Amtseid ab

Er werde nicht alle Wünsche erfüllen können, aber er wolle „das Beste für die Stadt und für die Menschen, die in ihr wohnen“: Das versicherte Michael Bulander bei seiner Amtseinsetzung am Freitagabend in der Steinlachhalle.

18.10.2010
  • Gabi Schweizer

Mössingen. Rektor Robert Conzelmann hat sich an der Gottlieb-Rühle- und der Langgass-Schule umgehört: Wie definieren Kinder das Amt eines Oberbürgermeisters? Nun, er ist der Stadtchef, klar. „Ein Bestimmer“, meinte ein Erstklässler. Einer, der sagt, wo die Ampeln stehen sollen, der bei allen Festen dabei ist, sich um Alte und Kindergärten kümmert und dem überdies das Rathaus gehört, meinten andere. Die schönste Formulierung übernahm Michael Bulander sofort in seine Rede: „Er passt auf die Stadt auf.“

Seit zwei Wochen ist der neue OB nun schon im Amt. Diese Zeit habe er „gut überstanden“, versicherte der gebürtige Saulgauer, der am Freitag 39 Jahre alt wird. Er fühle sich wohl, von den Mitarbeitern sei er freundlich empfangen worden, und sein Vorgänger habe ihm einen „aufgeräumten Schreibtisch“ hinterlassen. Wenngleich es an Arbeit nicht fehle: „Ich will erfolgreich Begonnenes von dir, Werner Fifka, und von dir, Hans Auer, weiterführen.“

Die beiden saßen unter den Gästen, ebenso alle 17 (Ober-)Bürgermeister aus dem Kreis oder zumindest deren Stellvertreter, ehemalige Kollegen aus dem Innenministerium, die Parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) und die Landtags-Abgeordnete Monika Bormann, Gemeinderäte, Vertreter der Schulen, Kirchen und Vereine. Vor der Steinlachhalle parkten zwei Reisebusse aus Frankreich: Sogar eine Delegation aus dem Partnerkanton Saint-Julien-en-Genevois war gekommen – am Wochenende feierten die Mössinger und ihre französischen Freunde das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft (siehe zweite Steinlach-Seite).

Die Standfestigkeit eines Boxers

Ein interessantes, aber in Anbetracht der städtischen Finanzen auch schwieriges Amt sei es, das Bulander nun übernehme, sagte Max Göhner, der Erste OB-Stellvertreter. Er moderierte und eröffnete die Gemeinderatssitzung – als solche war der Abend konzipiert, wenngleich diese „Sitzung“ ein Festakt mit Buffet war, schön gestaltet von der Jugendmusikschule. Er werde das Amt „nach bestem Wissen und Können“ führen, „so wahr mir Gott helfe“, schwur der Katholik Bulander bei der Vereidigung, die Göhner zur allgemeinen Erheiterung in eine „Verteidigung“ umgetauft hatte. Um sich gleich zu entschuldigen: „Ich glaube, dass wir das noch nicht brauchen.“

Regierungspräsident Hermann Strampfer überbrachte Grüße von Ministerpräsident Stefan Mappus. Im Innenministerium, wo Bulander zuletzt als Regierungsdirektor arbeitete, habe man den Wahlkampf aufmerksam verfolgt. Strampfer nannte den neuen OB einen „geborenen Kommunalpolitiker“. Der Verwaltungswissenschaftler hat beim Regierungspräsidium Tübingen und beim Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis gearbeitet, wo er das Dezernat für Recht, Verkehr und Ordnung leitete. Auch Gemeinderat war er in jungen Jahren mal, bei der Unabhängigen Liste in Herbertingen. Bei der OB-Wahl am 4. Juli hatte er sich auf Anhieb mit 60,9 Prozent der Stimmen gegen den Dußlinger Bürgermeister Thomas Hölsch und den Horber Ethikberater Andreas Stollberg durchgesetzt.

Landrat Joachim Walter wünschte dem neuen OB die „Treffsicherheit eines Biathleten“, die „Standfestigkeit eines Boxers“ und „dass nichts anbrennt“ – schließlich müsse Bulander die Eigenschaften seiner Altersgenossen Sven Fischer, Vitali Klitschko und Tim Mälzer in sich vereinen. Einige Großprojekte zählte Walter auf: die Belebung der Ortsmitte und der B 27-Ausbau – ebenso wichtig sei die Elektrifizierung der Zollernbahn. Auch der Mössinger Stadtverkehr läuft noch nicht so optimal – hier bot Walter Unterstützung an, meinte aber: „Manches braucht einfach Zeit.“

Bernard Gaud wiederum, Präsident des Partnerschaftskomitees, möchte den neuen OB bald im Kanton Saint-Julien-en-Genevois begrüßen. Erst vor zwei Wochen war eine französische Delegation zur Eröffnung des sanierten Ernwiesenstadions gekommen. „Aber“, so Gaud, „die Partnerschaft ist wie eine Familie: Alle Gelegenheiten, sich zu sehen, sind willkommen.“

Petra Vogel, Zweite Vorsitzende der Sportvereinigung Mössingen, wünscht sich vor allem ein Stadtoberhaupt, das die Vereine und deren Anliegen unterstützt –Bulander hat versprochen, so bald wie möglich eine Stabsstelle für das Ehrenamt zu schaffen. Und Pfarrer Rieger, Stellvertreter der Mössinger Kirchen, hofft, dass im städtischen Haushalt auch für die kirchlichen Kindergärten etwas übrig bleibt. Er sprach einen Segensgruß. Und für die kleinen Probleme im Leben wusste er eine sehr konkrete Hilfe: Bulander bekam „Rain Legs“, einen ausklappbaren Beinschutz, fürs Radfahren.

Der neue Mössinger Oberbürgermeister legte vor 700 Gästen den Amtseid ab
Nun ist Oberbürgermeister Michael Bulander (rechts) bestens fürs Radfahren gerüstet: Schließlich hatte er beim TAGBLATT-Podium zur Wahl angekündigt, häufig auf diese umweltschonende Art und Weise zur Arbeit kommen zu wollen. Er wurde aber schon bei seinem allerersten Termin vor zwei Wochen am Steuer seines Autos gesichtet. Dafür gibt es nun keinen Grund mehr: CDU-Gemeinderat Peter Rilling (rote Krawatte) und sein SPD-Kollege Peter Looser (blaue Krawatte) übergaben ihm das Willkommengeschenk des Gremiums, eine Radler-Ausrüstung. OB-Stellvertreter Max Göhner (links) von der FWV moderierte den Abend.Bild: Franke

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18.10.2010, 12:00 Uhr

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