Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Finke setzt auf den Dialog

Der neue Reutlinger Klinikchef hält das Zukunftskonzept 2018 für machbar

Er ist noch keine 100 Tage im Amt, musste bereits einen Bilanzverlust zur Kenntnis nehmen, der sich weiter verschlechtert hat – und soll in vier Jahren eine schwarze Null schreiben. Im Gespräch mit unserer Zeitung lässt der neue Klinikchef Norbert Finke aber keinen Zweifel daran, dass er das Zukunftskonzept 2018 für machbar hält.

01.08.2014
  • Uschi Kurz

Reutlingen. Er ist wesentlich größere Häuser gewöhnt. Aber so ganz ohne Orientierungshilfe findet sich Norbert Finke an seinem neuen Arbeitsplatz auf dem weitläufigen Klinikum am Steinenberg noch nicht zurecht. Und doch ist er richtig gut angekommen: „Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden, von den Kollegen und auch in den Gremien.“

Die Frage, ob es überhaupt möglich sei, eine Klinik ohne Defizit zu führen, beantwortet er sibyllinisch, indem er darauf verweist, dass auch Krankenhäuser Wirtschaftsbetriebe seien, die mittelfristig ausgeglichen wirtschaften müssten, um sich überhaupt weiterentwickeln zu können. Dann kommt er auf die maroden Finanzen zu sprechen. Fordert bessere finanzielle Rahmenbedingungen von der Gesundheitspolitik und leistungsgerechtere Budgetabschlüsse mit den Kassen: Seit 20 Jahren gehe die Erlös-Kosten-Schere immer weiter auf. Die Veränderungsrate fange nicht einmal die Personalkostensteigerung auf, „ganz zu schweigen von den Sachkostensteigerungen“. Etwa der Hälfte der Häuser gelinge es trotzdem, kostendeckend zu wirtschaften, etwa weil sie sich auf attraktive Leistungen beschränkten. Die anderen schrieben negative Ergebnisse.

Wie die Reutlinger Kreiskliniken an ihren drei Standorten Reutlingen, Bad Urach und Münsingen. Reutlingen sei ein Haus mit Zentralversorgung in insgesamt 16 Fachabteilungen. „Bis auf Herzchirurgie und Transplantationen bieten wir alle Leistungen an.“ Und dieses Leistungsspektrum soll auch – allen Einsparungen zum Trotz – erhalten bleiben. Mehr noch: „Wir wollen die Qualität absichern und ausbauen.“

Doch wie soll das gehen, wenn über allem das Damoklesschwert 2018 schwebt? „Vier Jahre“, findet Finke, „sind eine verkraftbare Zeitstrecke.“ Der Klinikchef stellt sich voll und ganz hinter das Zukunftskonzept, das vor seinem Antritt vom Kreistag beschlossen wurde. Dieses Konzept sei das Rückgrat eines notwendigen Prozesses, der ständig überprüft gehöre. „Das Zukunftskonzept bleibt lebendig, das ist ja nicht in Stein gemeißelt.“

Das betrifft auch die umstrittene Auslagerung der Küche. Deren Umsetzung ist zumindest vorläufig gescheitert, weil die Ausschreibung nicht das gewünschte Ergebnis brachte (wir berichteten).

Finke windet sich ein wenig, will den Beschlüssen des Aufsichtsrats im Herbst nicht vorgreifen. Dann sagt er ihn doch, den Satz der viele Mitarbeiter/innen beruhigen wird: „Man muss nicht unbedingt outsourcen.“ Klar sei allerdings auch, dass man unter den vorhandenen Produktionsbedingungen so nicht mehr weiter arbeiten könne: „Das schafft man nur mit einem Neubau.“ Auch bei der Wäscherei und der Reinigung gebe es verschiedene Überlegungen, wie man den Betrieb in Zukunft wirtschaftlicher absichere. In allen drei Häusern wird derzeit überprüft, ob und wo sich die Organisationsabläufe verbessern lassen. Dabei setzt Finke, der seit über 20 Jahren Leitungsfunktionen ausübt, auf den Dialog mit der Ärzteschaft und mit dem Pflegepersonal. Und vor allem auch mit den Betriebsräten: „Die sind dichter dran an der Mitarbeiterschaft.“ Es gebe monatliche Gespräche an allen drei Standorten. Die Mitarbeiter/innen sind aufgefordert, selbst Verbesserungsvorschläge zu machen: „Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“

In den verschiedenen Einrichtungen möchte er fachabteilungsbezogene Budgetierungen einführen. Die gab es zwar bisher schon, aber nicht „so in der Kultur, wie ich es mir wünsche“. Darüber hinaus sollen neue Aufgabenfelder erschlossen werden, die den Bedarf der Zukunft abbilden und einen Zuwachs an Erlösen bringen. Stichwort: Älter werdende Gesellschaft.

Ein Anfang wurde in Bad Urach mit der Einrichtung einer neuen Fachabteilung „Neurologische Frührehabilitation Phase B“, kurz Neurophase B, gemacht. Ein überregionales Leistungsangebot unter anderem für Schlaganfallpatienten, die noch sehr intensiv betreut werden müssen, bevor sie dann in eine Reha können.

Und in der Münsinger Albklinik soll das Schmerzzentrum für einen Zuwachs an Patienten sorgen. Alles zusätzliche Leistungen, die Finke übrigens möglichst ohne Leasing- und Honorarkräfte erbringen möchte. Auf die teuren Fremdkräfte soll mittelfristig gänzlich verzichtet werden. Der Abbau hat bereits begonnen. Sie sollen aber durch eigene Fachkräfte ersetzt werden. Personal werde nicht abgebaut, versichert Finke. „Wir haben eine Rolle als Ausbildungsbetrieb, und es muss unser Bestreben sein, diese Leute dann auch einzusetzen.“ Ausgebaut werden dürfe die Personaldecke aber auch nicht. Schließlich soll die Reutlinger Kreisklinik in vier Jahren eine schwarze Null schreiben.

Und dann sagt Finke noch etwas, an dem er sich spätestens in vier Jahren messen lassen muss: „Ein Scheitern kommt für mich nicht in Betracht.“

Der neue Reutlinger Klinikchef hält das Zukunftskonzept 2018 für machbar
Klinikchef Norbert Finke blickt an seiner neuen Wirkungsstätte im Klinikum am Steinenberg trotz hoher Defizite zuversichtlich in die Zukunft.Bild: Haas

Seit 1. Mai ist Norbert Finke, der neue Vorsitzende Geschäftsführer der Reutlinger Kreiskliniken. Der 58-jährige Diplom-Betriebswirt soll die drei Häuser aus dem Defizit führen. Finke ist seit über 20 Jahren in leitender Funktion tätig, seit 15 Jahren an verschiedenen Großkliniken: Er war unter anderem Geschäftsführer am Landeskrankenhaus Andernach und Geschäftsführer sowie Kaufmännischer Vorstand der Universitätsklinik von Mainz (7500 Mitarbeiter, 600 Millionen Umsatz). Zuletzt leitete Finke als Interimsgeschäftsführer für Finanzen und Infrastruktur das Klinikum Region Hannover. Verglichen damit nimmt sich seine neue Wirkungsstätte mit 1507 Vollkräften vergleichsweise bescheiden aus. Finke ist verheiratet und hat seinen Lebensmittelpunkt weiterhin in Andernach, wohnt unter der Woche aber in Reutlingen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.08.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball