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Der Trauer Raum geben

Der plötzliche Unfalltod eines Mitschülers erschüttert die GSS

Sie schreiben ihre Gedanken auf und tragen sie in einem Gedenkbuch zusammen. An der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen trauern Schüler und Lehrer um ihren Mitschüler, der bei dem schweren Unfall am Sonntag in Rottenburg ums Leben kam.

26.06.2014
  • Ulrike Pfeil

Es war der erste Schultag nach den Pfingstferien, als die Mitschüler an der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule vom Unfalltod ihres 14-jährigen Schulkameraden am Vorabend erfuhren. In einer solchen Situation muss eine Schule heute damit rechnen, dass sich die Schreckensnachricht unkontrolliert über Netzwerke wie Facebook oder Whatsapp verbreitet. „Wir wollten verhindern, dass die Mitschüler auf chaotische Weise von dem Unfalltod erfahren, dass sie dann in Schock geraten und mit der Nachricht alleine gelassen werden“, sagt die Schulleiterin Cornelia Theune.

Es ist eine schwierige und kritische Aufgabe, Kinder mit dem plötzlichen Tod eines Mitschülers zu konfrontieren und sie dann in ihrer Trauer zu begleiten. Die Schule nahm dafür auch professionelle Hilfe von der schulpsychologischen Beratungsstelle in Anspruch. In der letzten Vormittagsstunde wurde die Klasse des Jungen zusammengerufen. Bis dahin hatte noch keines der Kinder aus anderen Quellen erfahren, dass er eines der beiden Unfallopfer war. Die Klasse blieb nach der schlimmen Mitteilung zusammen.

„Es war wichtig, der Trauer, der Fassungslosigkeit, dem Entsetzen Raum zu geben“, sagt Theune. Niemand sollte mit seinem Schock, seiner Trauer und seinen Gefühlen alleine gelassen werden. Manche wollten reden, andere weinten nur. Damit sie sich sammeln konnten, gingen die Lehrer mit den Schülern kurz ins Freie, danach wurden in der Klasse Kerzen angezündet, und jedes Kind konnte Erinnerungen an den verstorbenen Mitschüler aufschreiben. Wie war er, was mochten sie an ihm, was konnte er besonders gut?

Auch die Parallelklassen, in denen der Junge ebenfalls Freunde hatte, wurden informiert. Der Nachmittagsunterricht fiel aus. Die Schüler konnten ihre Eltern anrufen. Nur diejenigen, bei denen sicher jemand zu Hause war, durften gehen; viele wurden von ihren Eltern abgeholt. Die Schüler wurden gebeten, die Todesnachricht nicht auf Facebook oder in anderen Netzwerken zu verbreiten.

Die Rückkehr zum normalen Unterricht wird ihre Zeit brauchen. Inzwischen helfen Rituale und Gespräche den Kindern, ihrer Trauer eine Form und eine Fassung zu geben. Am Dienstag wurde zusammen mit der Klasse überlegt, wie des verstorbenen Jungen gedacht werden soll. Sein Bild steht jetzt auf einem Tisch in einem Flur des Schulgebäudes, mit Blumen und einer Kerze. Dort liegt auch ein Kondolenzbuch, in das die Mitschüler ihre Gedanken schreiben. Das Geschehene, die Wucht des Unglücks, seine Unvorhersehbarkeit, all das beschäftigt die Kinder sehr. Ihre Aufmerksamkeit und Anteilnahme ist groß, sagt Theune. „Es fließen viele Tränen.“


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