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Der rätselhafte Tod der Kadettin
Lilly Borchert (Maria Dragus, links) hat es nicht leicht bei der Marine. Der Spielfilm „Tod einer Kadettin“ basiert auf einer wahren Geschichte: 2008 ging die Kadettin Jenny Böken (rechts) aus bis heute ungeklärten Gründen über Bord der „Gorch Fock“. Foto: dpa
Fernsehen

Der rätselhafte Tod der Kadettin

Ein Vorfall auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ erregte vor mehr als acht Jahren Aufsehen. Die ARD arbeitet den Stoff in einem eindrücklichen Spielfilm auf.

04.04.2017
  • PIA REISER

Ein Todesschrei, ein Platschen, Blasen in der dunklen Nordsee. Der Film beginnt, wie der Titel es verspricht: Mit dem dramatischen Tod der jungen Kadettin, die hier Lilly Borchert heißt, auf hoher See. Aber wie kam es dazu? War es ein Unfall? Selbstmord? Oder doch Mord?

„Tod einer Kadettin“ ist inspiriert von einer wahren Geschichte, dem Fall, der sich tatsächlich auf der „Gorch Fock“ ereignet hat. Aus bis heute ungeklärten Gründen ging die Kadettin Jenny Böken in einer Septembernacht im Jahr 2008 über Bord und starb.

Im Spielfilm des Regisseurs Raymond Ley heißt das Mädchen nicht Jenny Böken, sondern Lilly Borchert. Maria Dragus spielt die Rolle der jungen Kadettin sehr überzeugend: Lilly Borchert ist extrem ehrgeizig, eine Einzelkämpferin. Sie möchte Medizin studieren, die Welt bereisen.

Doch körperlich ist sie nicht fit genug für die Ausbildung. Ständig schläft sie im Unterricht oder auf der Wache ein, hat Unterleibs-Probleme, Schwindelanfälle. Der Marine sind diese Dinge im Vorfeld aufgefallen, doch die junge Anwärterin wurde durchgewunken. Die Frauenquote muss erfüllt werden.

Der Traum von Leben und Dienen auf See wird für Lilly rasch zum Albtraum. Das Team der Kadetten soll nach dem Gedanken der Bundeswehr als Einheit agieren. Doch die Kameraden und Vorgesetzten machen ihr das Leben an Bord schwer: Das Machogehabe der Jungen, Ausgrenzung und Mobbing zehren an Lilly.

Obwohl sie immer einsamer und dünnhäutiger wird, macht sie es dem Zuschauer nicht leicht, sie zu mögen. Hilfe wehrt die Kadettin pampig ab, teilt selbst aus, ist verbissen und stur. Lilly will sich alleine gegen ihre Erschöpfung und den sozialen Druck der Gruppe durchkämpfen. Mitten in diesem Kampf geht sie über Bord. Warum?

Der Journalist Hartmut Kerber, der für einen Bericht mit auf dem Schiff ist, sucht später in Gesprächen mit der Besatzung nach Antworten. Wer trägt die Schuld an Lillys Tod? Ihre Kameraden? Die Marine, die sie trotz Bedenken an Bord ließ? Oder war die junge Frau einfach zu erschöpft und letztlich lebensmüde?

Natürlich liefert der Film keine endgültige Antwort, spielt stattdessen mehrere Möglichkeiten durch. Und gerade dadurch macht er klar, dass jeder Einzelne als Teil einer Mannschaft die Verantwortung trägt, auf seine Mitglieder zu achten. Selbst, wenn man diesen Menschen nicht besonders gut leiden kann. Nur so funktioniert das Team als Ganzes. Und Lilly Borcherts Tod hätte vielleicht verhindert werden können.

Das Schicksal der Jenny Böken und die Umstände ihres Todes auf der „Gorch Fock“ zeigt die ARD in der anschließenden Dokumentation – ebenfalls vom Regisseur Raymond Ley. In dieser kommen auch die Familie von Jenny Böken, die Marine und der damals anwesende Journalist Jörg Hafkemeyer zu Wort.

Info „Tod einer Kadettin“, 5. April um 20.15 Uhr in der ARD und die Dokumentation „Der Fall Gorch Fock – Die Geschichte der Jenny Böken“ um 21.45 Uhr.

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04.04.2017, 06:00 Uhr

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