Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Der rosa leuchtende Elefant
Buchcover: „Elefant“ von Martin Suter. Foto: Diogenes
Literatur

Der rosa leuchtende Elefant

Martin Suter verarbeitet in seinem neuen Roman die Technik der DNA-Manipulation.

19.01.2017
  • ERIK LIM

Ulm. Er hat es wieder geschafft. Martin Suter hat nach „Die Zeit, die Zeit“ oder „Der Koch“ (Thema „Molekularküche“) wieder ein auf Aktualität und Widersprüchlichkeiten aufgebautes Buch geschrieben. Und es eben wieder geschafft, daraus einen spannenden, auf süffige Weise leicht lesbaren und unterhaltsamen, mit allen Ingredienzien für Massentauglichkeit versehenen Roman zu schreiben: „Elefant“.

In dem Roman geht es auf zwei nahe beieinander liegenden Zeitebenen unter anderem um ein seit 2012 in der Wissenschaft intensiv behandeltes Thema: CRISPR/Cas9. Das ist ein Verfahren, mit dem Teile der DNA durch Herausschneiden ersetzt oder verändert werden können. Das Verfahren will auch der Schweizer Wissenschaftler Dr. Roux anwenden, ergänzt durch die Biolumineszenz, mit der Tiere zum Leuchten gebracht werden können.

Das klingt sehr komplex und schwierig, aber keine Sorge: Martin Suter, der mit allen Wassern des Literaturbetriebs gewaschene Romanprofi, führt seine Leser sicher durch diese Materie. Und so beauftragt Dr. Roux jemanden, der ihm befruchtete Eizellen eines Elefanten besorgt, damit diese dann einer Elefantenleihmutter eingesetzt werden können.

Das wäre die wissenschaftliche Sensation, ein leuchtender Elefant, dessen Haut, aufgrund von Mandrillaffenpigmenten, rosa sein würde. An kleineren Tieren hat Roux das bereits ausprobiert, jetzt also soll die ganz große Show steigen. Doch so einfach geht es dann eben doch nicht.

Skrupellose Gentech-Mafia

Kaung, der burmesische Elefantenflüsterer, der seit Jahren im Zirkus Pellegrini arbeitet, merkt, dass mit der Leihmutter, die den wissenschaftlichen Megaerfolg austragen soll, etwas nicht stimmt. Er und der Tierarzt des Zirkus' hecken einen Plan aus, der das zwergenhafte Elefantenbaby vor dem Zugriff der skrupellos dargestellten Gentech-Mafia schützen soll. Die Kriminellen wollen nur das Zellmaterial, die Lebewesen interessieren sie nicht.

Doch auch die gut gemeinte Rettung klappt nicht reibungslos, und auf einmal steht Sabu, der kleine rosa Elefant, in der Höhle am Fluss, in der der Obdachlose Schoch sich eingerichtet hat. Nun ist Suter in seinem Element; er kann mehrere Figuren losmarschieren lassen, deren Biografien peu à peu um Details ergänzen und in stetig wachsender Spannung die Erzähl- und Zeitstränge aufeinander zurasen lassen.

Da taucht ein dubioser Chinese auf, gnadenloser Vollstrecker von Dr. Roux‘ stillem Teilhaber aus Fernost, da kommt eine moralisch gefestigte Tierärztin ins Spiel, die halbtags ohne Bezahlung für die Tiere der Obdachlosen sorgt und auf einem großen Erbe sitzt.

Liebe, Flucht, Tod – alles drin in „Elefant“, Suters neuestem Wurf, mit dem der Autor ein heißes Eisen anfasst, das schon Thea Dorn („Die Unglückseligen“), Marc Elsberg („Helix“) oder Michel Houellebecq („Elementarteilchen“) bearbeitet haben. Und das so bestimmend für unsere Zeit zu sein scheint, dass Jennifer Doudna, Silicon-Valley-Wissenschaftlerin und Mitentdeckerin der CRISPS/Cas-Methode, derzeit auch als Anwärterin auf den Chemie-Nobelpreis gehandelt wird. Erik Lim

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball