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Sätze fürs Leben (2)

„Der tut nicht“

In Büros gehört er zu den Standardsätzen, aber auch im privaten Bereich hört man diesen Satz häufig. Man könnte sagen: Macht nichts, ist sowieso besser, es wird ja eh zu viel ausgedruckt.

21.11.2015
  • Peter Ertle

Das Problem ist nur, manchmal muss man was ausdrucken. Studenten schreiben Hausarbeiten, Lehrer brauchen Texte für die Schule, Korrektoren sehen auf der ausgedruckten Seite mehr und anderes als auf dem Bildschirm. Ach, sich die Fahrkarte gleich selbst auszudrucken wäre so praktisch.

Ach so: Es kann schon mal der DVD-Recorder gemeint sein, wenn dieser Satz fällt oder ein bestimmter Lichtschalter. In den meisten Fällen aber geht es um den Drucker. Es gibt Menschen, bei denen der Drucker alle paar Wochen streikt, Betriebe gibt es, da funktionieren von fünf Druckern statistisch eineinhalb nicht, manchmal fallen zwei, ja drei komplett aus. Es liegt nicht an unsachgemäßer Bedienung oder mangelnder Wartung, es liegt nicht am falschen Papier.

„Er hat schon wieder Papierstau“ wäre auch so ein Satz fürs Leben, klingt irgendwie niedlich, so nach „er hat schon wieder in die Hose gemacht.“ Man kann das oft rasch beheben. Aber es ist ja nicht immer Papierstau.

Klassisch für Betriebe ist, dass es Angestellte mit unterschiedlich hohen Druckerkompetenzen gibt. Kann man selbst nichts ausrichten, wird der im Umgang mit dem Gerät erfahrenere Kollege gerufen, scheitert auch er, erfolgt der Ruf an den Technikerservice im Haus. Läuft der Drucker wieder, fällt zehn Minuten später der andere Drucker aus. Man stelle sich vor, die Post käme so oft nicht an oder der Schlüssel würde bei jedem fünften Mal nicht richtig ins Schloss passen oder die Heizung täte nur nach Laune oder der Fernseher würde viermal im Jahr streiken.

Was den Drucker angeht, leben wir in einem Entwicklungsland, vergleichbar mit den Anfängen der Automobilindustrie. Da war es völlig normal, dass die Kiste immer wieder stehen blieb. Das änderte sich allerdings rasch. Drucker gibt es inzwischen so lange wie es den 30-jährigen Krieg gab. 30 Jahre Krieg mit den Druckern. Aber die Technik ist immer noch nicht ausgereift.

Auf Ausfälle des Druckers reagieren wir mit einer genervten Langmut, es nagt an uns, aber wir haben uns damit abgefunden. Das mit den Druckern ist eben so. Sie tun. Und dann tun sie wieder nicht. Unser Satz „Der tut nicht“ ist mit der Zeit ein ruhiger, unspektakulärer, routinierter geworden, das Schimpfen oder Seufzen, das Klagen oder belustigte Kopfschütteln haben wir uns längst abgewöhnt, auch die Bitterkeit hält ja kein Mensch so lange durch.

Der Drucker? Er tut nicht.

Probier’s doch nochmal!

Meinetwegen. Siehst du: Der tut nicht.

„Der tut nicht“

In dieser unregelmäßig erscheinenden Serie werden Sätze vorgestellt, die wir schon so oft gehört oder von uns gegeben haben, dass uns das Leben ohne sie zwar möglich, aber unwahrscheinlich vorkommt.

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21.11.2015, 12:00 Uhr

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