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Wie eine zweite Heimat

Der ugandische Pfarrer Gerald Wamala vertritt Pfarrer Beda Hammer

Grün, Rot, Gelb und viele weitere Farben haben die Perlen der Ketten aus Uganda. Sie wurden von HIV-infizierten Frauen gefertigt, die von Pfarrer Gerald Wamala unterstützt werden. Der ugandische Pfarrer hat die Kette aus seiner Heimat mit nach Eutingen gebracht, um ein Zeichen zu setzen.

06.11.2015
  • Alexandra Feinler

Eutingen. Rund 60 Frauen treffen sich zwei Mal die Woche. Jung und Alt kommen zusammen. Ein buntes Bild, doch eine Tatsache vereint: Sie sind alle HIV infiziert. Medikamente gibt es zwar in Uganda, aber die Krankenhäuser habe sie nicht vorrätig. Wer sich zur Behandlung einliefert, könnte ungetaner Dinge nach Hause geschickt werden.

Einige der Frauen sind nicht verheiratet. Andere müssen die Familie alleine versorgen. „Männer arbeiten häufig nicht so viel wie Frauen“, erklärt Pfarrer Gerald Wamala und merkt an, dass manche Männer überhaupt nicht arbeiten gehen, dafür ihre Frauen aber zur Arbeit schicken. Die Männer seien sehr autoritär und haben das Sagen, so der Pfarrer. Dazu kommt, dass einige der Frauen harte Schicksalsschläge hinter sich hätten. Um den Frauen Hoffnung zu geben, trifft er sie immer wieder zum Gebet. Weitere Aufgaben wie die Verpflegung von Waisenkindern und alten Menschen stehen bei Pfarrer Wamala auf der Tagesordnung.

Zwischen 400 und 500 Kinder gehen auf die zehn Schulen der Kirchengemeinde. Ihre Eltern sind zum Teil an HIV gestorben, ein großes Problem in Uganda. Dies spiegelt sich auch bei den armen Senioren im Alter zwischen 55 und 60 Jahren wieder. „Wir haben nur wenig alte Menschen über 70 Jahre“, meint Pfarrer Wamala. Oft verlieren sie ihre Angehörigen durch die Immunkrankheit, weshalb sie einsam und in ärmlichen Verhältnissen leben. Von der Kirchengemeinde erhalten sie Unterstützung und seelischen Beistand.

Hilfreich waren für Pfarrer Wamala die Spenden seines vergangenen Deutschlandbesuchs: „Das hat den Projekten sehr geholfen.“ Für die Kinder konnte viel Haferschleim gekauft werden und auch die Senioren bekamen Grundnahrungsmittel. Ihnen fehlt es an allem. Die Politik kümmert sich laut Wamala zu wenig um diese Gruppen. Vor allem jetzt, wo die Wahlen anstehen, würden diese Menschen belogen werden. „Wir helfen so gut es geht“, spricht der ugandische Pfarrer für seinen Bischof.

Den deutschen Winter kennt er noch nicht

Als Wamala die Nachricht bekam, dass er für Pfarrer Beda Hammer die Vertretung in Eutingen übernehmen könnte, ließ ihn der Bischof ohne zu zögern seine Reise planen. „Hier ist es kalt“, war einer seiner ersten Gedanken. Er hatte in der Seelsorgeeinheit Eutingen schon zwei Mal mitgearbeitet – jedoch immer während den Sommermonaten. Dick angezogen sitzt er im Warmen und schaut nach draußen. Trotz des Wetters fühlt sich Pfarrer Wamala in Eutingen wohl: „Die Leute sind hilfsbereit. Mir gefällt es hier gut.“ Einige Einladungen von Eutingern hat er schon erhalten. Demnächst feiert er sein erstes Sankt-Martins-Fest. „So etwas gibt es bei uns nicht.“

Seit Januar ist er in seiner Heimat der leitende Pfarrer. Zusammen mit einem weiteren Pfarrer betreut er rund 10 000 Katholiken. Sie sind in mehreren Dörfern verteilt, weshalb er mit seinem Motorrad oft unterwegs ist. Die Struktur ist anders als in Eutingen, wo die vier Orte Rohrdorf, Göttelfingen, Eutingen und Weitingen eine Seelsorgeeinheit bilden. Auch das dortige Verständnis für einen Pfarrer wird deutlich, wenn man Wamala genau zuhört: „Morgens um 7 Uhr klopft der erste an der Türe. Es ist immer viel zu tun.“

Der Pfarrer ist nach seinen Schilderungen mittendrin und wird gebraucht. Macht er Urlaub, so wie Pfarrer Wamala es gerade in Eutingen tut, übernimmt sein Kollege die vielseitigen Aufgaben von den Messen über Krankenbesuche bis hin zur Durchführung der sozialen Projekte. Auch wenn der Ugander Deutschlandfan ist, holen ihn seine Verpflichtungen immer wieder in seine Heimat zurück. Eines ist ihm jedoch wichtig: „Ich möchte Deutschland immer wieder besuchen, denn es ist meine zweite Heimat.“

Der ugandische Pfarrer Gerald Wamala vertritt Pfarrer Beda Hammer
Pfarrer Gerald Wamala ist schon zum dritten Mal in Eutingen. Bilder: fei

Der ugandische Pfarrer Gerald Wamala vertritt Pfarrer Beda Hammer

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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