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Der unbekannte Nationaldichter
Arm bis zu seinem Tod: Miguel de Cervantes. Foto: epd
Ausstellungen und Aktionen in Spanien und anderswo zum 400. Todestag von Miguel de Cervantes

Der unbekannte Nationaldichter

Die Geschichte des Don Quijote ist bis heute weltbekannt. Ihr Autor Miguel de Cervantes aber rang Zeit seines Lebens um Anerkennung.

20.04.2016
  • HANS-GÜNTER KELLNER, EPD

Madrid. "Alt, Soldat, Edelmann und arm." So beschreibt ein Zensor 1615 die letzten Jahre des Miguel de Cervantes Saavedra (1547-1616). Die französische Botschaft hatte am spanischen Hof nach dem Autor des "Don Quijote" gefragt. Als sie die Antwort erhielten, zeigten sich die Franzosen entsetzt: "Versorgt Spanien einen solchen Mann nicht reich mit öffentlichen Mitteln?"

An Cervantes Armut änderte sich bis zu seinem Tod vor 400 Jahren, am 23. April 1616, nichts. Zeit seines Lebens rang der Dichter um Anerkennung, litt unter Geldnot. Heute gilt er als Spaniens Nationaldichter. Der wichtigste Literaturpreis des Landes ist nach ihm benannt. Aber nur rund 20 Prozent der Spanier geben an, die beiden Bände seines Hauptwerks Don Quijote gelesen zu haben.

Spanische Medien interpretieren das immer wieder als geringes Interesse. Und auch um das Gedenkjahr gab es Diskussionen: Für die meisten Spanier sei Cervantes im Grunde ein Unbekannter, kritisierten Intellektuelle. Der Schriftsteller Juan Goytisolo bedauerte schon 2014, als er den Cervantespreis erhielt, kaum ein Spanier kenne den Dichter wirklich: "Wie viele seiner Leser wissen von der Ablehnung seiner Bitte um Auswanderung nach Amerika, seinem Gefängnisaufenthalt in Sevilla wegen seiner Schulden, vom Leben im verruchten Rastro-Viertel in Valladolid mit seiner Frau, Tochter, Schwester und Nichte 1605, also dem Jahr der Veröffentlichung des ersten Teils des Quijote?" Der Sohn eines verarmten Chirurgen zog umher und wurde als Marinesoldat 1571 in der Schlacht von Lepanto schwer verletzt. Piraten verkauften ihn als Sklave nach Algier. Mit seiner Literatur lange erfolglos, verdiente er sein Geld unter anderem als Soldat und Steuereintreiber. 1605 wurde der erste Teil des Don Quijote veröffentlicht, 1615 der zweite.

Die Romanfigur ist weltbekannt. Orte in der Mancha, der kargen Region, aus der Quijote stammt, sind beliebte Touristenziele. Lokalhistoriker und Hobby-Literaten beschäftigen sich mit dem Werk, das oft als erster Roman der Literaturgeschichte bezeichnet wird. Mariano Lizcano aus der Mancha hat es komplett in Versform umgeschrieben, er hält den Antihelden bis heute für aktuell in seiner Gesellschaftskritik.

Zum 400. Todestag zeigt die Regierung noch bis 22. Mai in der alten Nationalbibliothek in Madrid eine Ausstellung über Cervantes Leben und Mythos.

Die Cervantes-Institute - das spanische Pendant zum deutschen Goethe-Institut - in Madrid, aber auch in Berlin, Bremen, Frankfurt, Hamburg, München und Wien widmen ihrem Namensgeber zwischen 20. und 28. April Ausstellungen, Workshops und Bühnenaufführungen.

Nach langer Suche war ein Forscherteam im vergangenen Jahr auf ein Gruppengrab mit 16 Bestatteten gestoßen - darunter den Überresten eines Mannes mit einer Schusswunde und Verletzungen an der linken Hand. Cervantes hatte sich solche Verletzungen in der Schlacht von Lepanto zugezogen. Die Forscher wollen sich aber nicht festlegen, dass es sich um das Grab von Cervantes handelt, der mit 68 in Madrid an Diabetes gestorben war.

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20.04.2016, 06:00 Uhr

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