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Der vergebliche Kampf
Die Ursache für den Tod von mehr als 75 Russen in Irkutsk: der alkoholhaltige Badezusatz „Bojaryschnik“ („Weißdorn“), auf den Flaschen als Kosmetikprodukt ausgewiesen. Sein Alkohol ist Methylalkohol, auch Methanol genannt, der giftig ist. Foto: dpa
Trunksucht

Der vergebliche Kampf

Dutzende Menschen in Russland haben sich mit alkoholhaltigem Badezusatz vergiftet. Präsident Putin kündigt das Gleiche an wie seine Vorgänger: neue Gesetze.

03.01.2017
  • DPA

Moskau. Mehr als 75 Tote, dutzende Verletzte und sechs Kinder, die zu Vollwaisen wurden: In der ostrussischen Stadt Irkutsk hatten mehr als 100 Einwohner alkoholhaltigen Badezusatz getrunken. Die als Kosmetikprodukt ausgewiesene Flüssigkeit „Bojaryschnik“ („Weißdorn“) war illegal hergestellt und enthielt die hochgiftige Substanz Methanol.

Das Unglück in der sibirischen Großstadt nahe dem Baikalsee hat landesweit Entsetzen hervorgerufen. Premierminister Dmitri Medwedew meldete sich zu Wort, dann Kremlsprecher Dmitri Peskow, schließlich sogar Präsident Wladimir Putin.

Putin beauftragte die Regierung, neue Gesetze auszuarbeiten. Sie sollen den Missbrauch von hochprozentigem Alkohol eindämmen und die Nachfrage nach illegalem Alkoholersatz senken. Russische Medien bezeichneten die Vergiftungswelle als „Alptraum“ und „Katastrophe“.

In Russland kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen durch illegal produzierten oder gepanschten Alkohol. Deshalb haben die Machthaber immer wieder versucht, das Alkoholproblem zu lösen.

Den wohl radikalsten Versuch hat der damalige sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow in den 1980er Jahren unternommen. Er ließ Weinberge roden und Wodkafabriken schließen und scheiterte letztlich am erbitterten Widerstand der Bevölkerung. Denn ob bei Empfängen, Firmenfeiern oder Geburtstagen: Die klare, hochprozentige Flüssigkeit darf bei russischen Festen eben einfach nicht fehlen.

Einen neuen Anlauf hat der damalige Präsident und jetzige Premierminister Dmitri Medwedew 2010 unternommen. Er führte einen Mindestpreis für Wodka ein, der aktuell bei 190 Rubel (gut 3 Euro) für einen halben Liter liegt. So sollte Panschern und Schwarzbrennern der Kampf angesagt werden.

Rund 14 Liter reinen Alkohol jährlich schütteten die Russen damals pro Kopf in sich hinein, sechs Jahre später sind es laut Statistikamt Rosstat nur noch 6,6 Liter. Doch das sind nur legal erworbene und zum Verzehr vorgesehene Getränke. Experten warnten damals, manche Russen griffen zu illegalen Substanzen.

Auch nach dem Vorfall in Irkutsk werden Stimmen laut, die einen niedrigeren Alkoholpreis fordern. Die Zeitung „Wedomosti“ schrieb: Erst wenn sich jeder Russe für 100 Rubel (rund 1,50 Euro) legal im Geschäft eine Halbliterflasche Wodka kaufen könne, habe billiger Fusel keine Chance. dpa

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03.01.2017, 06:00 Uhr

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