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Satire, Sopran und Knödel

Der zweite Rottenburger Sommerleseabend widmete sich Tschechien

Kühl wurd‘s zwar, aber es blieb trocken auch beim zweiten der sechs Rottenburger Sommer- leseabende am Montag beim Haus am Nepomuk. 150 Leute hatten zwei Stunden Muße.

19.08.2014
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Renate Witte, die Vorsitzende des Fördervereins Stadtbibliothek, Stadtführer Jürg Gaebele und der gastgebende Hausherr Ernst Heimes bilden das diesjährige Macher-Team. Wie immer wandert der Hut durch die Reihen: Eine Hälfte der Spenden geht an die Bürgermentorin Helga Kuhn, die das Geld für Jes-Projekte („Jugend engagiert sich“) verwendet, die andere Hälfte an den Förderverein Stadtbibliothek, nicht als Baukostenzuschuss, sondern für Aktionen und Projekte in der künftigen Bücherei.

Der Auftakt-Abend am Sonntag hatte Spanien als Thema (wir berichteten). Er endete mit Lesungen im Dialog: Gabriela Reinhold und Anne Sorracás rezitierten Gedichte bekannter spanischer und lateinamerikanischer Dichter über Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen. Slawisches folgte am Montag als nächste Station der literarischen, musikalischen und kulinarischen Rundreise durch Europa. Irena Schwarz stammt aus Olmütz, Tschechien. Mit „Ahoi“ begrüßte sie die Gäste und gab eine kleine Sprach-Einführung. Folglich amüsierten sich die Zuhörenden kompetent über die Rezepte und Methoden, wie sich Soldaten im Ersten Weltkrieg vor dem Marschbefehl ins Feld drücken wollten. Die abseitig-ironischen Empfehlungen zwischen Simulantentum und vollzogener Selbstverstümmelung hat Jaroslav Hašek in seinem Roman „Der brave Soldat Schwejk“ aufgeschrieben.

Weniger bekannt und noch satirischer ist das, was Vaclav Kren in „Reizt die Nachbarn nicht“ geschrieben hat. 1937 war das, zwei Jahre bevor die Nationalsozialisten das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren ausriefen und auch diese Regionen unterwarfen. „Die Nachbarn“ waren also die Deutschen. Inka Frahm las im rot bezogenen Sessel auf rotem Teppich unter roter Fahne vor Menschen, von denen viele in roten Anoraks und unter roten Decken der aufziehenden Kälte trotzten, von den freundlichen Empfehlungen, alles, was bolschewistisch rot war, umzufärben, am besten braun.

Die Rottenburger Sopranistin Stefanie Sauter stammt aus Moldawien. Sie sang slawische Lieder, „nicht nur russische, sondern auch ein ukrainisches“, wie sie erläuterte. Sie rundete den Abend mit einer Arie von Antonín Dvorák. Das Tschechisch und die richtige Aussprache hatte sie zuvor von Irena Schwarz beibringen lassen. „Bravo“-Rufe waren ihr Lohn.

Am heutigen Mittwoch um 19 Uhr steht der Sommerleseabend vorm oder im Haus am Nepomuk unter dem Motto „Griechenland“. Peter Kottlorz liest aus Nikos Kazantzakis „Alexis Sorbas“, Kiki Schuldt Sagen und Fabeln von Äsop. Musik spielt Georg Grimm. In der Pause serviert das „Bistro & Lounge“, das die Besucher des Tschechien-Abends mit Böhmischen Knödeln gestärkt hatte, Moussaka.

Der zweite Rottenburger Sommerleseabend widmete sich Tschechien
Mit einem Lied an den Mond endete der Rottenburger Sommerleseabend am Montag. Stefanie Sauter sang. Bild: Fleischer

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19.08.2014, 12:00 Uhr

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