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St. Dionysius in Holz, Papier und Marzipan

Dettingen feierte 100-jähriges Bestehen der Kirche

An ihrem 100. Geburtstag gestern war die Dettinger St. Dionysius-Kirche beim Festgottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst so voll, dass zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt werden mussten. Anschließend wurden in Turnhalle und Rathaus Ausstellungen zur Kirche eröffnet.

15.10.2012
  • Martin Zimmermann

Dettingen. „Das Sägen und Nageln hat Spaß gemacht“, erzählt die zehnjährige Lisa. „Am meisten Spaß hat es gemacht das Ganze anzuschauen, als es fertig war“, ergänzt Klassenkameradin Lena. Die Viertklässler der Dettinger Grundschule haben in Vierergruppen mit Laubsäge, Hammer und Heißklebepistole Modelle der Kirche aus Sperrholz gebaut. Nur drei Tage haben die Schüler unter Anleitung ihrer Lehrerin Helga Hänle für die Modelle gebraucht, die in der Turnhalle auch vom Bischof bewundert wurden. Die Zweitklässler der Grundschule malten die Dettinger Kirche in bunten Regenbogenfarben im Hundertwasser-Stil und außerdem einige Gegenstände aus der Kirche.

Aus Kuchen und Marzipan war das Kirchenmodell, das Brigitte Walter gebacken hatte. Die Konditorin besaß früher in Rottenburg das Café „Walter“ und lebt nun in Dettingen. „Früher habe ich auch schon mal den Dom gebacken, deshalb hat mich die Kirchengemeinde angefragt“, erzählte sie. Das Modell der Dettinger Kirche sei etwas größer geraten, als zunächst geplant, so Walter. Oberbürgermeister Stephan Neher bewunderte, wie der Kirchturm elegant von einer Sektflasche gestützt wurde. Bischof Fürst und Remigius Orjiukwu, der neue Pfarrer der Seelsorgeeinheit Eichenberg, schnitten die Torte gemeinsam an.

Im Rathaus hatte der Schriftsteller Egon Gramer eine Ausstellung mit einer Wandzeitung und Resten eines alten Beichtstuhls zusammengestellt. In der Wandzeitung rekonstruierte Gramer die Geschichte des Dettinger Pfarrers Franz-Xaver Uhl, der 1911 die zu klein gewordene Kirche abreißen und die jetzige Kirche im Stil des Historismus erbauen ließ. Nachzulesen sind die Predigten Uhls zum Ersten Weltkrieg, aber auch sein Rücktrittsgesuch 1919, weil ihm die „Ausgelassenheit der Fabrikjungen“ zu schaffen machte. Der Domdekan Stofer unterstützte dieses Gesuch Uhls. Der damals 54-jährige habe sich „große Verdienste beim Bau von Kirche und Schwesternhaus erworben“; diese hätten aber „den größten Teil seiner Manneskraft“ aufgebraucht.

Mit dem Bau der neuen Kirche war der Cannstatter Architekt Joseph Cades beauftragt worden, der 1904 den Entwurf für einen Neubau des Rottenburger Doms vorgestellt hatte, der später als Vorlage für den Bau der Marienkirche in Landau diente. Finanziert wurde der Kirchenneubau auch damit, dass Uhl das kunsthistorisch wertvolle Netzgewölbe des alten gotischen Chors für 1500 Mark an einen Altertumshändler verkaufte. Seither ist es verschollen. Die Wandzeitung Gramers dokumentiert, dass das Netzgewölbe damals eigentlich unter der Bedingung verkauft wurde, in einem deutschen Museum aufzutauchen.

Info Beim Dettinger Pfarramt sind Bastelbögen mit einem Kirchenmodell zum Ausschneiden und Zusammenkleben für 3 Euro erhältlich. Außerdem gibt’s ein Kirchenquiz für Kinder.

Dettingen feierte 100-jähriges Bestehen der Kirche
Nach dem Gottesdienst zum Kirchweihfest der Dettinger Kirche schnitten Rottenburgs Bischof Gebhard Fürst und Pfarrer Remigius Orjiukwu (links) den zuckersüßen Nachbau der 100-jährigen St.-Dionysius-Kirche an. Bild: Franke

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15.10.2012, 12:00 Uhr

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