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Weiß wie Schnee

Deutsch-russische Theaterproduktion auf der Neckarinsel

Vor vier Jahren ein Märchen von Wilhelm Hauff, jetzt eines von den Brüdern Grimm: Am Donnerstag bringen deutsche und karelische Jugendliche ihre Version von „Schneewittchen“ auf die Tübinger Neckarinsel.

12.08.2014
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Es ist nun doch noch ein Projekt innerhalb des Veranstaltungsreigens geworden, der das Partnerschafts-Jubiläum „25 Jahre Petrosawodsk und Tübingen“ (Motto: „Eine Liebesgeschichte“) begleitet. Dabei stand diese deutsch-russche Theaterproduktion auf der Kippe – nicht wegen der politischen Differenzen oder des abgekühlten Verhältnisses zwischen den beiden Staaten, sondern weil es offenbar zuerst einfach zu wenig Mitspieler hatte.

„Schneewittchen“, auf russisch „Belosnezhka“, ist die zweite schwäbisch-karelische Zusammenarbeit auf Theater-Ebene. Schon 2010 brachte das – fürs Russische allezeit offene – Tübinger Landestheater nicht nur eine mit Petrosawodsk koproduzierte Druschba-Inszenierung der größten Liebesgeschichte der Welt, nämlich „Romeo und Julia“, heraus. Daneben entstand im Windschatten von Hauffs „Das kalte Herz“ am LTT auch noch „Kalte Herzen“ – ein Jugendprojekt, das 14 Tübinger und 10 Petrosawodsker Jugendliche mithilfe des LTT-Theaterpädagogen Volker Schubert sowie des Petrosawodsker Pendants Vasily Serebrov einstudierten und dann hier (in Tübingen) wie dort (in Petrosawodsk) aufführten.

Völkerverständigung at its best: Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich damals durchweg begeistert. Nun ist eine Neuauflage des Projekts möglich geworden. Neunzehn Jugendliche aus Deutschland und Russland mit und ohne Behinderungen haben sich intensiv mit „Schneewittchen“ und den Themen Schönheit, Konkurrenz und Zuordnung von Geschlechterrollen auseinander gesetzt und das Märchen in ihrem Sinne abgeändert. Begleitende Regisseure waren wiederum Volker Schubert und Vasily Serebrov.

Nach zwei Wochen intensiver Zusammenarbeit – zuerst in Russland und anschließend in Deutschland – sind zwei Adaptionen des Märchens entstanden, die am Donnerstag um 16 Uhr auf der Neckarinsel aufgeführt werden. Zuerst am Taubenschlag und danach an drei weiteren Orten der Stadt: An der Stiftskirche, der Burse und bei „Betten Hottmann“. Eine etwa zweistündige Vorstellung, die wie vor vier Jahren durch die Kooperation zwischen dem Internationalen Forum Bad Liebenzell (Studienleiterin Gertrud Gandenberger) und der Petrosawodsker Theatergruppe Rostok (Direktorin Svetlana Nachinova) ermöglicht wurde.

Rostok ist eine inklusiv arbeitende Theatergruppe, in der behinderte und nicht behinderte Jugendliche zusammen Theater spielen. In ihr unterstützen, ähnlich wie in einem Mentorenprogramm, die nichtbehinderten Jugendlichen ihre behinderten Mitspieler. In dem vereinseigenen Camp in Bad Liebenzell verbrachte die 23-köpfige deutsch-russische Gruppe die erste Theaterwoche. Neben dem Theaterspielen waren das Kennenlernen der beiden Kulturen und gemeinsam Freizeit zu erleben, wichtige Elemente des diesjährigen deutsch-russischen Jugendaustausches. In Petrosawodsk wurde gespielt, desgleichen in Bad Liebenzell. Tübingen ist die dritte Station.

Das Thema dürfte vielen Jugendlichen am Herzen liegen: Denn „es war einmal“, einfach nur schön zu sein und zu warten. Lohnt es sich überhaupt, gut auszusehen, bei all den Neiderinnen und Neidern, die einem das Leben vergiften? Und überhaupt: Und wer steckt eigentlich hinter dem Zauberspiegel? Warum sich nicht selbst auf den Rücken der Pferde schwingen und das Glück der Erde finden?

Vielleicht will Schneewittchen („so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz“) auch einfach mal mit den Zwergen arbeiten, anstatt den ganzen Tag zu putzen und essen zu kochen? Vielleicht gibt es ja auch Zwerge, die mit ihr gern mal tauschen würden? An vier Orten der Stadt wird dem also nachgespürt – Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.

Das Projekt im Rahmen der Städtepartnerschaft wird vom Internationalen Forum, der Akademie der politischen Bildung und internationalen Jugendbegegnung sowie der Theatergruppe Rostok und Doroga (die karelische Jugenddachorganisation) getragen. Gefördert wird es von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der Stadt Tübingen, vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, von der Gustav-Adolf-Gedat-Stiftung, der Louis-Leitz Stiftung, der Sparkasse Pforzheim Calw und den Eigenmitteln der beiden Kooperationspartner. Eintritt: frei, Spenden erwünscht.

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12.08.2014, 12:00 Uhr

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