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Deutsche Apotheker suchen Mittel gegen Konkurrenz
Apotheker fordern, dass der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten verboten wird. Foto: Bildquelle
Arznei

Deutsche Apotheker suchen Mittel gegen Konkurrenz

Die Branche befürchtet, dass ihr ausländische Versender mit Rabatten bei verschreibungspflichtigen Medikamenten das Wasser abgraben.

27.04.2017
  • DIETER KELLER

Berlin. Sieht so die Land-Apotheke von morgen aus? In Hüffenhardt bei Heidelberg hat der Versandhändler Doc Morris seine Automatenapotheke nach einigen Tagen Auszeit wieder in Betrieb genommen. Allerdings verkauft er zunächst nur rezeptfreie Medikamente. Die Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln hatte das Regierungspräsidium nach zwei Tagen gestoppt, weil die Kunden nur per Videochat beraten wurden und kein Apotheker vor Ort war, wie dies in Deutschland vorgeschrieben ist.

Die Aktion des niederländischen Versandhändlers in dem 2000-Seelen-Dorf ist wohl auch eine Reaktion auf Klagen der deutschen Apotheker, dass ihnen ausländische Versender das Wasser abgraben und so die Versorgung auf dem Land gefährden. Der Europäische Gerichtshof hatte den ausländischen Anbietern gestattet, bei verschreibungspflichtigen Medikamenten Rabatte zu gewähren. Im Inland ist das auch Versendern nicht erlaubt.

Gröhe an SPD gescheitert

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) fordert seither ein generelles Verbot des Versandhandels für rezeptpflichtige Mittel. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte auch einen Gesetzentwurf vorgelegt, doch er scheiterte am Widerstand der SPD. DAV-Präsident Fritz Becker lobte das Ministerium, es habe „sehr schnell erkannt, dass nur ein Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel die flächendeckende, wohnortnahe Versorgung durch Apotheken vor Ort sichern kann“.

Becker hält das Verbot für die „einzige Lösung“, wie er in Berlin betonte. Der Ansatz, Boni zu begrenzen, sei „naiv und wenig durchdacht“. Dagegen hatte die SPD argumentiert, gerade für chronisch Kranke in strukturschwachen Gebieten sei der Versandhandel von großem Vorteil. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) geht nicht davon aus, dass der Online-Handel mit Arzneien zu einem Apotheken-Sterben führt. Daraufhin warf der CDU-Politiker Karl-Josef Laumann als Bundespatientenbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion vor, sie lasse „die wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln sehenden Auges vor die Wand fahren“.

Noch ist Versandanteil gering

Im vergangenen Jahr machten in- und ausländische Versandapotheken mit rezeptpflichtigen Medikamenten 516 Mio. EUR Umsatz mit deutschen Kunden. Das waren 1,3 Prozent des Gesamtumsatzes mit diesen Mitteln. Die Apotheker befürchten eine ähnliche Entwicklung wie bei den rezeptfreien Arzneimitteln, von denen der Versandhandel schon 13 Prozent liefert. Bei ihnen wurde die Preisbindung bereits vor Jahren abgeschafft.

Auch ohne Versandkonkurrenz ist die Zahl der Apotheken rückläufig: Ende 2016 gab es bundesweit noch knapp über 20 000, inzwischen wurde diese magische Grenze unterschritten. Gleichzeitig nahm die Zahl von Filialen deutlich zu. Apotheken dürfen maximal drei Filialen eröffnen, was Apothekenketten verhindern soll. Die Branche beschäftigt 156 400 Mitarbeiter und 7500 Auszubildende. Bei beiden sind rund 90 Prozent Frauen.

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27.04.2017, 06:00 Uhr

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