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Deutsche-Bank-Prozess läuft wohl auf einen Freispruch hinaus
Das Urteil im Kirch-Prozess steht zwar noch aus, doch Josef Ackermann (vorne), der Ex-Chef der Deutschen Bank und Noch-Co-Chef Wirken Jürgen Fitschen (hinten rechts) wirken schon sehr zuversichtlich. Foto: Actionpress
Warten auf das Urteil

Deutsche-Bank-Prozess läuft wohl auf einen Freispruch hinaus

Freispruch für alle - das fordern die Anwälte der angeklagten Top-Banker der Deutschen Bank vor dem Landgericht München. Der Richter macht kein Geheimnis daraus, dass diese Hoffnung berechtigt ist.

20.04.2016
  • DPA

München. Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, muss nach einem Jahr als Angeklagter vor Gericht weiter auf das Urteil des Landgerichts München warten. Die Hoffnung auf einen Abschluss des Mammutverfahrens am Dienstag hat sich nicht erfüllt: Der Vorsitzende Richter Peter Noll wollte zunächst eine Entscheidung des Oberlandesgerichts München über eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft abwarten.

Diese werde mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Montag getroffen, sagte eine Gerichtssprecherin. Dann könnte das Urteil in einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahre fast genau ein Jahr nach Prozessbeginn am 28. April vergangenen Jahres verkündet werden.

Seit einem Jahr sitzen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Banker fast jeden Dienstag auf der Anklagebank in München. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Top-Banker vor fünf Jahren in einem Prozess um Schadenersatzforderungen der Deutschen Bank für die Pleite des Medienkonzerns Kirch falsch ausgesagt haben und forderte zum Teil mehrjährige Haftstrafen.

Spätestens seit der vergangenen Woche ist aber klar, dass die Richter zu einem Freispruch neigen: In ungewohnt scharfer Form hatte der Vorsitzende Richter Noll die Staatsanwaltschaft kritisiert und erklärt, dass sich der Anklagevorwurf aus seiner Sicht nicht bestätigt habe. Einen Antrag auf erneute Durchsuchung der Deutschen Bank wies er ab. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, über die nun vor dem Urteil entschieden werden muss.

Die Verteidiger der Angeklagten nutzten ihre Plädoyers für harsche Kritik an der Staatsanwaltschaft. Für alle fünf Angeklagten forderten sie Freisprüche. An der Anklage sei nichts dran, sagte Fitschens Anwalt Hanns Feigen, "weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte".

Damit zitierte er den Kernsatz der Urteilsbegründung aus dem Porsche-Prozess in Stuttgart, der vor wenigen Wochen mit einem Freispruch endete. Feigen hatte dort den ehemaligen Konzernchef Wendelin Wiedeking verteidigt. Auch in München rechnet der Anwalt mit einem Fiasko für die Anklagebehörde. "Die Staatsanwaltschaft steht vor dem Scherbenhaufen ihrer Anklage", sagte er. Die Vorwürfe gegen Fitschen seien "erbärmlich und unredlich".

Der Anwalt des Ex-Vorstands Tessen von Heydebreck, Klaus Volk, warf der Staatsanwaltschaft vor, das Verfahren durch immer neue Beweisanträge in die Länge gezogen und die Angeklagten damit zusätzlich belastet zu haben. Selbst als eine Niederlage schon absehbar gewesen sei, habe die Behörde weitergemacht. "Nicht einmal der FC Bayern würde bei einem Rückstand verlangen, dass so lange weitergespielt wird, bis er gewinnt."

Eine fast unendliche Geschichte

Chronologie Der Fall Kirch lässt die Deutsche Bank seit mehr als einem Jahrzehnt nicht los. Im Februar 2002 steckte der Medienkonzern Kirch bereits in in Schwierigkeiten. Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer stellte die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe in einem Fernseh-Interview öffentlich infrage. Im April meldete die Kirch-Gruppe stellt Insolvenz an. Medienmogul Leo Kirch macht Breuer und die Deutsche Bank wegen des Interviews für die Pleite verantwortlich. Im Januar 2006 stellte der Bundesgerichtshof (BGH) fest, die Bank und Breuer seien dem Medienunternehmer Kirch grundsätzlich zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet. Eine Haftung der Bank für den Zusammenbruch des gesamten Medienimperiums verneinen die Richter. Am 14. Juli 2011 starb Kirch im Alter von 84 Jahren. Seine Erben klagen weiter, mit ihnen einigt sich die Deutsche Bank im Februar 2014 auf einen Vergleich über 925 Mio. Euro. Am 23. September 2014 erhob die Münchner Staatsanwaltschaft Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Breuer und Josef Ackermann, den ehemaligen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, sowie Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Sie wirft ihnen unrichtige Zeugenaussagen vor und geht von versuchtem Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall aus. Am 28. April 2015 begann der Prozess vor dem Landgericht München. Zunächst waren nur 16 Verhandlungstage angesetzt worden. dpa

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20.04.2016, 06:00 Uhr

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