Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Finanzbranche

Deutsche Bank überrascht mit Gewinn

Experten hatten mit einem erneut hohen Verlust gerechnet. Doch das Finanzinstitut verzeichnet einen Quartalsgewinn von 278 Millionen Euro.

28.10.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Die Deutsche Bank hat mit ihrem Quartalsbericht gestern für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Statt des von Experten erwarteten Verlustes von mehr als 600 Mio. EUR präsentierten Vorstandschef John Cryan und Finanzvorstand Marcus Schenck eine Zwischenbilanz mit deutlich schwarzen Zahlen. Der Netto-Gewinn zwischen Juni und September summiert sich auf 278 Mio. EUR, für die ersten neun Monate sind es 534 Mio. EUR.

Cryan warnt davor, das überraschend gute Ergebnis überzubewerten. „Trotz dieser Erfolge will ich nichts schönreden. Vor uns liegt noch viel Arbeit. Wir müssen davon ausgehen, dass die Lage noch eine Weile schwierig bleibt.“ Allerdings sieht er die Bank dafür trotz aller Kritik gut aufgestellt. Das Fundament sei stabil. Trotzdem werde die Bank den Umbau beschleunigen und verstärken, sagte Cryan, ohne weitere Details zu nennen.

Man sei weiter auf dem Weg vorangekommen, eine wieder „bessere“ Deutsche Bank zu schaffen, sagte der Brite den völlig überraschten Analysten in einer Telefonkonferenz. Er war in den vergangenen Monaten stark kritisiert worden, weil die lang erhofften Fortschritte beim Umbau der Bank nur schwer erkennbar waren und der Aktienkurs seit seinem Amtsantritt im Juli vergangenen Jahres um 40 Prozent abgesackt ist.

Starkes Investmentbanking

Den Erfolg im dritten Quartal begründet Cryan mit einem wieder stärkeren Geschäft der Investmentbank. Dieses Segment gewinne alte Stärke zurück und sei bei vielen der wichtigen Börsengänge in diesem Jahr dabei gewesen. Vor Steuern erwirtschaftete das Investmentbanking im dritten Quartal einen Gewinn von 640 Mio. EUR und in den ersten neun Monaten sogar 1,4 Mrd. EUR. Auch in der Vermögensverwaltung und im Privat- und Firmenkundengeschäft habe die Bank trotz der niedrigen Zinsen kräftig zugelegt.

Ursächlich für den überraschenden Gewinn sind aber auch Verkäufe von Unternehmensteilen, weitere Kostensenkungen und die Tatsache, dass Kosten für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten im dritten Quartal mit 500 Mio. EUR vergleichsweise niedrig waren. Zudem hat die Bank die Risiken in ihren Büchern um 18 Mrd. EUR abgebaut. Durch diese Maßnahmen konnte sie auch ihr Eigenkapital wieder stärken. Und das Geldhaus verfügt, so Cryan und Schenck, über liquide Mittel in Höhe von 200 Mrd. EUR.

Der Chef der Deutschen Bank hält daran fest, dass die Postbank im nächsten Jahr verkauft oder an die Börse gebracht werden soll, „aber nicht bevor wir einen attraktiven Preis bekommen“. Die größten Rechtsstreitigkeiten, etwa den Skandal mit Hypothekengeschäften in den USA, wo die Behörden 14 Mrd. Dollar (12,8 Mrd. EUR) fordern, und den Geldwäscheskandal mit Kunden in Russland, will er „so schnell wie möglich“ und damit noch in diesem Jahr abschließen. „Aber wir haben keine Kontrolle über den Zeitplan“, verweist er auf die schwierigen Verhandlungen mit den Behörden.

„Unser Ziel ist klar: Rechtsrisiken dürfen die Bank nie wieder derart belasten.“ Im dritten Quartal hat die Deutsche Bank für die Beilegung der Streitigkeiten weitere 400 Mio. EUR zusätzlich zurückgelegt. Sie summieren sich jetzt auf 5,9 Mrd. EUR.

Sichtlich verärgert ist John Cryan über immer wieder aufkommende Spekulationen aus vermeintlichen Finanzkreisen über die Lage und Probleme seines Hauses. „Das macht mich regelrecht wütend“, sagte er. Es werde viel „Unsinn“ verbreitet. Das einzige, was die Bank dagegen tun könne, sei besser zu werden und zu liefern, was man verspreche.

In den vergangenen Wochen war in der Branche darüber spekuliert worden, dass die Bank Staatshilfe benötige oder die Unterstützung anderer deutscher Konzerne. Solche Meldungen haben offensichtlich konkrete Auswirkungen auf das Geschäft. So zogen Kunden allein in der Vermögensverwaltung im dritten Quartal 9 Mrd. EUR von der Deutschen Bank ab, im Fondsgeschäft waren es 8 Mrd. EUR – und damit doppelt so viel wie im Vorjahresquartal.

Kommentar

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

28.10.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball