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Fruchtbare Dekade

Deutsche Orangenliebhaber sichern die Existenz zweier Familien

Seit zehn Jahren sind die Empfinger Firma Göha im Gewerbegebiet „Schießrain“ und die Orangenanbauer-Familie Cappello aus Sizilien Partner. Um diese Dekade ein wenig zu feiern, standen nun Edwin und Elsbeth Götz, die Inhaber von Göha, mit ihren Mitarbeiterinnen Annette Weinstein und Luzia Baiker zusammen mit der Familie Cappello wieder auf der Orangenplantage in Sizilien.

21.11.2015

Von Reinhard Seidel

Zum Reinbeißen: Annette Weinstein aus Dettensee kann der süßen Versuchung nicht widerstehen.

Empfingen. Werfen wir einen Blick zurück: Das Refomkostgeschäft Göha bot im Jahr 2004 zum ersten Mal Orangen aus Sizilien an. Die Früchte aus dem Süden dieser Insel zählen zu den geschmackvollsten, die auf den Markt kommen. Im Jahr darauf machten sich Edwin und Elsbeth Götz und ihre beiden Mitarbeiterinnen Annette Weinstein und Luzia Baiker auf die 2000 Kilometer lange Reise, um einen Familienbetrieb zu finden, bei dem die Orangen noch am Baum reifen dürfen und erst nach der vollen Geschmacksentfaltung geerntet werden.

Das Ziel war Ribera, die Stadt mit dem Prädikat „Citta` dell`Arancine?, also Stadt der Orangen. Dort liegen, wie Edwin und Elsbeth Götz berichten, „in traumhafter Kulisse zwischen Meer und Bergen sonnendurchflutete Orangenplantagen?. Die Früchte wachsen noch „in unberührter Natur? heran. Gerade dieser „einzigartigen Lage, dem fruchtbaren Boden und frischem Wasser aus den Bergen haben die Orangen die optimalen Wachstumsbedingungen? zu verdanken, was sie zum „Mercedes unter den Orangen? macht. Ende März und im April, wenn die Bäume blühen soll das ganze Tal nach Orangen duften.

Als die Zusammenarbeit vor zehn Jahren mit der Familie Cappello dann begann, da sei dies für beide Geschäftspartner eine „sehr große Herausforderung? gewesen, so das Ehepaar Götz vor wenigen Tagen, „da sich die sizilianische Mentalität grundlegend von der deutschen-? unterscheide. „Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind zwar Wörter, die es in Sizilien auch gibt, diese spielen in der Praxis allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Aber mit Enzo Cappello, der durch seinen mehrjährigen Aufenthalt in Deutschland auch etwas ,deutsch? denkt, haben wir da wirklich sehr viel Glück gehabt?, freut sich Edwin Götz. Wie berichtet, hatte der Sizilianer acht Jahre bei Mercedes Benz gearbeitet. Götz: „Enzo hat sehr gut verstanden, wie man in Deutschland denkt und das nur durch beste, dauerhafte Qualität eine langfristige Kundenbindung zu erreichen ist. Schön war auch, dass wir während unseres Aufenthalts den 60. Geburtstag von Enzo mitfeiern durften.?

Mittlerweile ist auch Enzos Sohn Claudio (30) und seine Frau Ilenia ins Orangengeschäft mit eingestiegen. „Claudio bringt?, so Elsbeth Götz, „nicht nur eine Menge Energie mit, sondern auch einige gute Ideen in Sachen biologischer Schädlingsbekämpfung.? Und noch wie vor zehn Jahren muss Enzo Cappello nebenbei noch etwa vier Monate im nahe gelegenen Naturschutzgebiet, wo er Feuerwache hält und sich um die Aufforstung kümmert. Claudio Cappello agiert als Koch in einem Hotel. Edwin Götz: „Allein durch diese Arbeit ist es nicht möglich, eine Familie zu ernähren. Mehr Arbeit gibt es in dieser Region einfach nicht. So sind die beiden froh, einen verlässlichen Partner zu haben.?

Mittlerweile kommen jede Woche mehrere Tonnen Orangen frisch geschnitten in Empfingen an und werden direkt an die Kunden geliefert. „So sind wir froh, dass unsere stetig steigenden Kundschaft mittlerweile die Existenz zweier Familien in Sizilien sichert?, betonen Elsbeth und Edwin Götz.

In diesem Frühjahr haben die Cappellos die völlig verwahrloste Plantage nebenan gekauft, für den Betreiber hat sich die Pflege einfach nicht gelohnt. Enzo Cappello bedauert: „Wer keine Verbindungen zu direkten Vermarktern hat, besitzt keine Möglichkeit, mit dem Verkauf Geld zu verdienen. Auf den Großmärkten in Palermo oder Catania wird fast nichts bezahlt, so dass sich nicht mal der Transport dahin lohnt und es oft billiger ist, die Früchte zu vernichten.?

Bis aber die neue Plantage Gewinn abwirft, müssen die Orangenbauern aber noch ein paar Jahre schwer ackern. Viel Wasser und Dünger sind nötig, die verkümmerten Pflanzen müssen jährlich zwei mal geschnitten werden, andere werden komplett abgeschnitten und neu aufgepfropft. So eine Investition sei für Enzo Cappello nur möglich, so Götz, weil er sicher sein könne, die komplette Ernte wieder zu einem guten Preis an Göha verkaufen zu können.

„Diese Jahr hat uns das Wetter sehr mitgespielt?, klagt Enzo Cappello. „Im Februar hatten wir soviel Regen, dass wir das Wasser von den Plantagen pumpen mussten. Nur mit sehr viel Mühe war es möglich, die im strömenden Regen gepflückten Orangen Kistenwiese aus den Plantagen zu tragen. Der Einsatz selbst vom kleinen Traktor war wegen des total aufgeweichten Bodens nicht denkbar. Dann folgte ein extrem trockener Sommer. Tausende Liter Wasser mussten gekauft werden, damit die Pflanzen nicht kaputt gehen und die Orangen saftig werden. Trotzdem sind wir sicher, dass wir alles Menschenmögliche tun, damit wir wieder Früchte mit allerbestem Geschmack und Qualität bekommen, so wie es unsere Kunden gewohnt sind.? Und jetzt, im viel zu warmen Herbst sei die Fruchtfliege sehr aktiv und legt ihre Eier in die Schalen der reifenden Früchte, die dann innerhalb weniger Tage kaputt gehen. Cappello: „Wir müssen daher wieder sehr viel aussortieren ? hoffentlich wird es bald kühler.?sei

Das Bild in der Orangenplantage von Ribera in Sizilien zeigt von links Ilenia Cappello, Annette Weinstein, Elsbeth und Edwin Götz, Enzo und Maria Cappello und Luzia Baiker. Maria Cappello hält die Urkunde in den Händen, die sie von Göha für die zehnjährige Zusammenarbeit bekommen hat.Privatbilder

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Erstellt:
21. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. November 2015, 12:00 Uhr

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