Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Deutsche Technik für Ägyptens Stabilität
Gabriel nennt Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al-Sisi (rechts) einen " beeindruckenden Präsidenten". Foto: dpa
Minister Sigmar Gabriel besucht mit einer Wirtschaftsdelegation das Land am Nil

Deutsche Technik für Ägyptens Stabilität

Weil sich Deutschland eine stabile Regierung in Ägypten wünscht, wagt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel den schwierigen Spagat zwischen wirtschaftlichen Hilfen und Kritik an der Menschenrechtslage.

18.04.2016
  • DIETER KELLER, ZUR ZEIT KAIRO

Kairo. "Ich finde, Sie haben einen beeindruckenden Präsidenten." Zum Schluss seiner Pressekonferenz im Präsidentenpalast von Kairo kam ein erstaunlicher Satz von Sigmar Gabriel. Schließlich wird der Ex-General Abdel Fattah al-Sisi wegen der Menschenrechtslage, der fehlenden Demokratie und der eingeschränkten Freiheiten in Ägypten heftig kritisiert, und der Vizekanzler weiß, auf welch gefährlichem Gelände er sich bewegt. Aber Deutschland und Europa sind dringend an Stabilität in dem nahöstlichen Land interessiert, und Gabriel ist begeistert, wie offen er mit dem Präsidenten reden kann.

Europäische Spitzenpolitiker geben sich derzeit am Nil die Klinke in die Hand: Knapp 24 Stunden nach dem Bundeswirtschaftsminister landete der französische Präsident Francois Hollande mit Wirtschaftsvertretern in Kairo. Sie alle eint das Bemühen um Stabilität. Schließlich hat das Land eine lange Grenze zu Libyen, Syrien ist nicht weit, und es gibt noch jede Menge anderer Konflikte in der Region. Eine rechte Alternative zu al-Sisi sehen sie nicht. Das Land braucht eine wirtschaftliche Perspektive. Da sind deutsche Investitionen höchst willkommen.

Eigentlich war angekündigt, dass der ägyptische Präsident gemeinsam mit Gabriel vor die Presse treten würde. Doch der mag wohl kritische Fragen von Journalisten nicht. So hatte der Bundeswirtschaftsminister offenbar Angst, dass seine Bemerkungen zu Menschenrechten, Freiheit und Demokratie zu negativ herübergekommen waren.

Doch Ägypten hat noch mehr Probleme. Die rund vier Dutzend Mittelständler, die mit Gabriel angereist sind, wollen durchaus im Land investieren. Aber sie brauchen Verlässlichkeit und eine durchschaubare Bürokratie. An der Grenze dürfen Güter nicht wochenlang beim Zoll festhängen, und bei Überweisungen nach Deutschland gibt es immer wieder Probleme. Das alles sprach Gabriel offen an.

Die Lieferung von Militärgütern dagegen spielte in seinem Gespräch mit al-Sisi keine Rolle. Die Lieferung von vier U-Booten von Thyssen-Krupp ist längst vereinbart, zwei davon sollen in diesem Jahr ausgeliefert werden. Das sieht SPD-Chef nicht als Problem an. Da hält er es mit Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der gesagt haben soll: "Alles, was schwimmt, geht." Die Lieferung von Technik zur Sicherung der Grenzen ist auch im deutschen Interesse, weil sonst noch mehr Waffen über sie geschmuggelt werden. Über den Wunsch nach weiterem, etwa Radpanzern, wurde offenbar nicht geredet. Grüne, Linke und Menschenrechtsorganisationen hatten Gabriels Besuch schon im Vorfeld heftig kritisiert.

Deutsche Technik ist am Nil hoch angesehen. Die Rede ist schon von einem positiven "Siemens-Faktor", seit der Elektrokonzern vor einem Jahr einen 8-Milliarden-Euro-Auftrag für Gaskraftwerke und Windkraftanlagen bekam.

Auf solchen Rückenwind setzt auch Heike Bergmann. Die Geschäftsführerin von Voith Hydro in Heidenheim hofft auf einen 500 Mio. EUR teuren Auftrag für die Komponenten eines neuen Pumpspeicherwerks bei Suez, über den sie gemeinsam mit Peter Magauer von Andritz Hydro verhandelt. Normalerweise sind die Ravensburger Konkurrenten, doch bei dem Großauftrag wollen sie zusammenarbeiten, um die Nase vor der chinesischen Konkurrenz zu haben. Die bietet Komplettlösungen von der Planung bis zur Finanzierung, und gerade letzteres ist oft schwierig. Die Deutschen setzen auf ihre haltbarere Technik. Zudem wollen sich die Ägypter nicht so abhängig von Chinesen machen, die sich in weiten Teilen Afrikas ausbreiten. Bergmann erhofft sich von der Reise mit Gabriel ein Signal der ägyptischen Regierung, dass sie auf europäische Technik setzt.

Deutschland exportiert hauptsächlich Maschinen, chemische Erzeugnisse und Autos nach Ägypten. Die Ausfuhren stiegen 2014 um über 20 Prozent auf 2,9 Mrd. EUR, Tendenz weiter deutlich steigend. Die Einfuhren aus Ägypten stagnierten gleichzeitig bei 1,5 Mrd. EUR. Dabei stand Erdöl einsam an erster Stelle. Die Ägypter sind auch dringend an Investoren im Land interessiert. Deutsche Firmen beschäftigen derzeit etwa 20 000 Arbeitnehmer in Ägypten.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

18.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball