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Mehr Soldaten am Hindukusch

Deutschland stockt Bundeswehrkontingent deutlich auf

Ende 2014 ging der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan zu Ende. Seither beraten Nato-Soldaten nur noch. Angesichts der angespannten Sicherheitslage sollen die Truppen doch wieder verstärkt werden.

13.11.2015
  • DPA

Berlin/Kabul Die Bundesregierung will angesichts der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan wieder mehr Soldaten am Hindukusch stationieren. Die Obergrenze für das Mandat soll nach Angaben von Sicherheitspolitikern von derzeit 850 auf 980 Soldaten erhöht werden. "Der Mandatsentwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Nach Informationen von "Spiegel Online" soll die Bundeswehr nun auch länger im Norden Afghanistans bleiben als geplant. Die Trainingsmission in Masar-i-Scharif werde bis mindestens Ende 2016 fortgesetzt.

Deutsche Soldaten beraten in Afghanistan einheimische Kräfte, die mittlerweile selbst die Verantwortung für die Sicherheit im Land tragen. Bei den afghanischen Sicherheitskräften seien "messbare Fortschritte" zu beobachten, heißt es aus Unionskreisen. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold (SPD), sagte, der Auftrag der Soldaten werde nicht verändert. Das heißt, es ist nicht vorgesehen, dass sich die Bundeswehr wieder an Kampfeinsätzen beteiligt.

Das hatte der deutsche Nato-General Hans-Lothar Domröse unlängst anders gesehen. Der Befehlshaber des Nato-Hauptquartiers in Brunssum nannte als sinnvolle Optionen die Möglichkeit von Luftangriffen gegen die Taliban sowie die Weitergabe von Aufklärungsbildern an die afghanischen Sicherheitskräfte. Beides ist mit dem Nato-Mandat für die Mission "Resolute Support" nicht möglich. Es erlaubt lediglich die Ausbildung und Beratung der afghanischen Streitkräfte sowie Aktionen zur Selbstverteidigung. Wenn es zuletzt Luftunterstützung im Kampf gegen die Taliban gab, wurde sie von den USA im Rahmen bilateraler Vereinbarungen geleistet. "Das ist auch eine Moralfrage", sagte Domröse. Man müsse überlegen, ob es fair sei, den "afghanischen Brüdern" nach so vielen Jahren der Zusammenarbeit eine stärkere Unterstützung zu verweigern. "Robuste Beratung" müsse möglich sein. Als einen Grund für die noch immer angespannte Sicherheitslage nannte er die schwache Regierung in Kabul. Viele Provinzen machten, was sie wollten. "Das Krebsgeschwür heißt Korruption", sagte er. "Die Lage ist ernüchternd. Sie ist nicht so stabil, wie wir es uns erhofft haben."

Der Kampfeinsatz ist Ende 2014 ausgelaufen. Aus afghanischen Regierungskreisen heißt es, 180 der etwa 400 Distrikte im Land seien entweder umkämpft oder unter Kontrolle der Taliban. Ende September eroberten die Extremisten sogar die Provinzhauptstadt Kundus. Erst nach tagelangen Kämpfen und nur mit massiver US-Unterstützung gelang es den afghanischen Sicherheitskräften, die Taliban zu vertreiben. US-Präsident Barack Obama entschied daraufhin, seine Truppe länger am Hindukusch zu lassen. Ursprünglich war 2016 eine deutliche Reduzierung des Nato-Einsatzes vorgesehen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, Entscheidungen sollten beim Außenministertreffen Anfang Dezember fallen.

Deutschland stockt Bundeswehrkontingent deutlich auf
Solche Bilder könnte es bald wieder öfter geben: Ein deutscher Soldat im Einsatz am Hindukusch. Foto: dpa

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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