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Klassisches

Diamanten für Klaviertrio

Kein Geringerer als Wolfgang Rihm schrieb in einem Brief, dass es wohl der Wunschtraum eines jeden Komponisten sei, vom Boulanger Trio interpretiert zu werden. Vor zehn Jahren haben Karla Haltenwanger (Klavier), Birgit Erz (Violine) und Ilona Kindt (Cello) das Ensemble gegründet.

04.04.2016
  • BURKHARD SCHÄFER

Zum Jubiläum haben die drei Musikerinnen eine ganz besondere CD herausgebracht. Sie trägt den Titel "Solitaires" und versammelt kurze und eher unbekannte Einzelstücke für Klaviertrio. Dass es sich dabei um wahre Perlen handelt, macht die Aufnahme vom ersten Ton an auf beglückende Weise deutlich. Der Bogen spannt sich von der französischen Komponistin Mel Bonis über Grieg, Bloch, Enescu und - buchstäblich im Zentrum stehend - Lili Boulanger bis hin zu Pärt, Suk, Schubert und Henze. Dessen 4-Minüter "Adagio adagio, Serenade für Violine, Cello und Klavier" bildet den fulminanten Schluss eines überaus spannenden Hörabenteuers (erschienen beim Label Avi).

Drei Fragen an...

das Boulanger Trio

Frau Haltenwanger, was bedeutet der Titel der CD "Solitaires"?

Während wir uns ja sonst mehr mit den großen, oft sinfonisch angelegten Werken beschäftigen, haben wir diese CD den kleinen Kostbarkeiten unseres Repertoires gewidmet. Für den Titel der CD gefiel uns der Vergleich mit Diamanten: Jeder ist anders und jeder ist in sich vollkommen; erst durch das Schleifen und Polieren erlangen sie ihre Einzigartigkeit.

Frau Erz, was können Sie uns zu den Stücken von Lili Boulanger sagen?

Die beiden Werke unserer Namensgeberin begleiten uns schon seit unserer Gründung. Damals waren sie noch nicht einmal verlegt und echte Raritäten. Was uns an Lili Boulanger schon immer beeindruckt hat, ist die unglaubliche Tiefe, die ihre Werke trotz ihrer Jugend haben. Die Stücke sind während des Ersten Weltkrieges entstanden, kurz vor ihrem Tod. Sie sind so bewegend und so mutig komponiert.

Frau Kindt, welches Werk hat Sie besonders fasziniert?

Eine echte Entdeckung waren für uns die Stücke von Mel Bonis, zwei hoch empfindsame Kleinode. Leider gibt es von ihr kein größeres Werk für unsere Besetzung. Auch das filmreife Leben der 1858 geborenen Komponistin hat uns sehr beeindruckt: Sie kam aus einer kleinbürgerlichen Familie, durfte zunächst Komposition studieren, verliebte sich aber in einen Kommilitonen und wurde deshalb gezwungen, ihr Studium abzubrechen, als er um ihre Hand anhielt. Nach ihrer Heirat mit einem zweimal verwitweten reichen Industriellen, der fünf Kinder mit in die Ehe brachte, konnte sie sich erst viel später wieder dem Komponieren zuwenden.

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04.04.2016, 06:00 Uhr

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