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Orientierung im Energie-Dschungel

Die „1. Mössinger Solartankstelle“ ging in Betrieb

Seit gestern kann jeder sein Elektroauto in Mössingen kostenlos mit Sonnenenergie auftanken: Beim „Energietag“ anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Stadtwerke wurde am Sonntag die „1. Mössinger Solartankstelle“ eröffnet.

20.09.2010
  • Amancay Kappeller

Mössingen. „Ich fahre mit Strom“ steht auf dem kleinen weißen Elektroauto unterm „Sun-Carport“ hinterm alten Güterschuppen in der Eisenbahnstraße. Es wartete darauf, zum ersten Mal mit Mössinger Solarenergie betankt zu werden. Die Sonne spielte mit an diesem Sonntag und schickte den alternativen Kraftstoff massig vom Himmel. „Elektromobilität ist ein wichtiges Thema, das Auto der Zukunft fährt mit Strom, und zwar am besten mit Strom aus erneuerbaren Energien“, sagte Oberbürgermeister Werner Fifka bei der Eröffnung des „Energietages“.

Solartankstelle fürs eigene Haus

Über vier Steckdosen verfügt die Mössinger Solartankstelle – „die reichen vorerst auch, denn es gibt erst sehr wenige Fahrzeuge im Kreis“, so Fifka. Laut einer Studie sollen auf deutschen Straßen bis zum Jahr 2020 allerdings bereits rund eine Million Elektroautos herumkurven.

Der „Sun-Carport“ hat ein Gewicht von 420 Kilogramm, ist knapp fünf Meter lang und verfügt über eine Gesamtfläche von 16 Quadratmetern. Eine Solartankstelle im eigenen Haus? Auch das geht: Die Stadtwerke bieten die Installation der umweltfreundlichen Tankstationen an. „Ladung gestartet“ erscheint auf dem Zapfsäulen-Display, als Fifka mit Stadtwerke-Chef Gerhard Nill zusammen demonstriert, wie ein Auto „an den Strom gehängt“ wird.

Ihren hundertsten Geburtstag feierten die Mössinger Stadtwerke gestern, aber alt sind sie deshalb noch lange nicht. Mit Themen wie regenerativer Energieerzeugung, Energieeinsparmöglichkeiten und Elektromobilität beschäftigen sie sich schon lange. Auch über die Anschaffung von städtischen Elektrofahrzeugen wird nachgedacht. „Bei meinem Amtsantritt vor zwölf Jahren wurde ein regelrechtes Stadtwerke-Sterben prognostiziert, aber es kam ganz anders“, erzählte Fifka. Und: „Das Weltklima würde wesentlich besser aussehen, wenn man überall eine ähnliche Bilanz hätte wie in Mössingen.“ Um rund 3000 Tonnen eduzieren die Stadtwerke jährlich ihren CO2-Ausstoß, „das entspricht 76,8 Prozent in zehn Jahren. Blauer geht’s nicht“, freute sich der OB.

Reger Verkehr herrschte rund um den Park-and-Ride-Parkplatz am Bahnhof: Skateboards“ und Fahrräder mit Elektroantrieb konnten ebenso getestet werden wie das Mössinger Lastenrad: Eine knallgrün lackierte, elektronisch betriebene Rikscha des Mössinger Fahrradladens „Radkutsche“. In Genf beispielsweise werden mit solchen Fahrzeugen die kommunalen Mülleimer geleert.

Im begehbaren, auf einem Tieflader montierten Energiemusterhaus des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg konnten sich die Besucher über Energie-Einsparmöglichkeiten informieren: Vom Heizen mit Holzpellets, Fußboden- und Wandheizung über eine ausreichende Gebäudedämmung und Lüftungstechnik. „Für Häuslebauer ist es heute enorm schwierig, das Richtige zu finden, das ist ein echter Dschungel“, fand Gebäudeenergieberater Rolf Gaiser aus Wannweil.

Unterhaltungselektronik einst und heute

Aus der Rundfunk- und Fernsehwerkstatt im Erdgeschoss des Stadtwerke-Gebäudes kam Musik der Vierziger Jahre. Das Koffer-Grammophon „Electrola“ funktionierte noch einwandfrei, musste nur immer wieder angekurbelt werden. „Es kratzt so schön beim Spielen“, freute sich eine Rentnerin. Das antike Musik-Abspielgerät war Baujahr 1937. „Für damalige Zeiten war das schon Hightech“, erklärte Stadtwerke-Mitarbeiter Daniel Schneider.

Daneben aufgereiht standen antike Radios, allesamt mit Blumenvasen-Flecken auf der hölzernen Oberfläche. Unweit eines Loewe-Fernsehers von 1958 mit hellem Holzgehäuse ein topaktueller Flachbildfernseher – „wie im Kino“, fand ein älterer Herr. Eine „gläserne Spülmaschine“ konnte im Untergeschoss bewundert werden.

Auch in den Bädern war für Groß und Klein einiges geboten: Technik und Blockheizkraftwerk konnten besichtigt werden, im Hallenbad gab es einen „Spaß-Schwimmwettkampf“, im Freibad konnte man im riesigen, durchsichtigen „Water-Walking-Ball“ trockenen Fußes übers Wasser rollen. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Jugendmusikschule Steinlach mit Big Band, Klarinetten-Ensemble und der Trommelgruppe „Schlägerei“, der Nabu Mössingen bewirtete.

„Desweiteren untersage ich Ihnen die Verbreitung des Flyers, in dem behauptet wird, dass um 11 Uhr die 1. Solartankstelle in Mössingen eröffnet wird“, ließ der ehemalige Mössinger Umwelttechnik-Unternehmer Jürgen Werner am Samstagmorgen um 0.51 Uhr die Stadtwerke barsch per E-mail wissen. Dieses Verdienst gebühre allein ihm.

Laut TAGBLATT-Archiv hat Jürgen Werner tatsächlich am 7. Juli 2002 auf dem Farrenberg die 1. Solartankstelle für Flugzeuge eröffnet, nachdem die Stadt Mössingen zuvor sein Gesuch für eine Solartankstelle bei den Stadtwerken abgelehnt hatte. Auch zwei private Strom-Zapfstellen betrieb er bereits 1999 in Mössingen und Belsen. Keine dieser Einrichtungen gibt es heute noch.ele

Wer baute die erste Mössinger Solartankstelle?

Die „1. Mössinger Solartankstelle“ ging in Betrieb
Oberbürgermeister Werner Fifka nahm gestern Morgen um 11 Uhr die „1. Mössinger Solartankstelle“ in BetriebBild: Rippmann

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20.09.2010, 12:00 Uhr

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