Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Zeichen sein – keine Hängematte

Die 13. Reutlinger Vesperkirche ging zu Ende

Am Sonntag schloss nach vier Wochen die 13. Vesperkirche ihre Pforten. Sie war sieben Tage kürzer als ihre Vorgänger, was auch künftig der Fall sein soll.

15.02.2010
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Für Pfarrer Klaus Kuntz, 74, den unermüdlichen Organisator der Reutlinger Vesperkirche, kommt auch es gar nicht darauf an, eine Hängematte für seine Kunden aufzuspannen oder deren Bequemlichkeit zu fördern: „Wir wollen mit der Vesperkirche ein Zeichen setzen“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „An eine Armenspeisung ist nicht gedacht“ – wie es etwa in Stuttgart der Fall sei, wo die Vesperkirche sieben Wochen geöffnet hat. Anders ausgedrückt: „Jede Festzeit muss einmal ein Ende haben“, zumal schon die vier Wochen „manchmal an die Kräftegrenze gehen“.

Von zwei Seiten soll das Zeichen wahrgenommen werden. Einmal von den Bedürftigen selbst, die sich für einen Euro mit einem Mittagessen samt Getränk plus Vesper eindecken können. Ihnen wolle man auch zeigen, dass das Angebot keinesfalls selbstverständlich sei, dass Menschen da sind, die sich ehrenamtlich für sie einsetzen.

Zum anderen sei die Gesellschaft angesprochen. „Am Anfang hieß es noch, dass es in Reutlingen keine Armen gebe.“ Tatsächlich sind es täglich rund 260 Bedürftige, die vom Angebot der Vesperkirche Gebrauch machen – ein breites Spektrum von Leuten: Solche, die ihr weniges Geld nicht einteilen können, Alkoholiker und solche sogar, die einmal straffällig geworden sind und nicht mehr zurechtkommen, solche aber auch, die gar nicht mehr ansprechbar sind.

Der Euro, den sie bezahlen, gilt auch für einen Friseurbesuch und, wenn es gewünscht wird, für eine ärztliche Beratung sowie für eine Sozialberatung durch die Diakonie. Für die Teilnahme am wöchentlichen Kulturprogramm der Vesperkirche gilt er nicht. Freilich ist niemand davon ausgeschlossen. Und auch schon mal für einen Euro statt für zehn, wandert die Eintrittskarte über den Tresen. – Mit 5,50 Euro, sind die täglich 50 bis 60 „Solidar-Esser“ dabei. Spitzentag war heuer der 2. Februar, an dem 429 Essen ausgegeben wurden. Durchschnittlich waren es, Mitarbeiter eingeschlossen, 360 Portionen. Apropos Mitarbeiter: 200 stehen der Vesperkirche pro Saison zur Verfügung. Dazu Schüler und Praktikanten, Firmanden und Konfirmanden

Ohne Spenden lässt sich das alles nicht machen, aber davon gibt es immer noch genügend, und die Vesperkirche braucht sich dank eines kleinen Polsters um die nächste Saison nicht zu sorgen. „Wir haben über das nötige Maß hinaus Spenden bekommen.“ Man könnte damit durchaus das Lobbyrestaurant Unter den Linden unterstützen, wenn die Spenden nicht zweckgebunden wären. So sei man denn in der glücklichen Lage gewesen, Tische anzuschaffen, Kaffeemaschinen und eine Spülmaschine. „Da kann man doch zufrieden sein.“

Die 13. Reutlinger Vesperkirche ging zu Ende
Vesperkirchen-Organisator Pfarrer Klaus Kuntz packt selbst überall an. Das Projekt in der Reutlinger Nikolaikirche ist ihm ans Herz gewachsen. Ans Aufhören denkt der 74-Jährige deshalb noch lange nicht. Bild: Haas

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.02.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball