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Nicht nur Händegeklapper

Die 14. Ritterspiele: mehr Turniere, höhere Standgebühren und weniger Besucher

Drei Tage war Horb Treffpunkt für Ritter, Gaukler und allerlei finstere Gestalten. Die Mittelalter-Fans ließen sich weder vom wechselhaften Wetter noch von erhöhten Eintrittspreisen abschrecken.

21.06.2010
  • Claudia Salden

Horb. „Ritters, kommt endlich raus!“ Ungeduldig erwartet eine junge Zuschauerin den Beginn des Nachtturniers der Ritterspiele. Der Auftritt der „Compania ferrata“, Höhepunkt der Shows am Neckarufer, erzählte wie die Turniere am Sonntag die „Schlacht um den heiligen Gral“: Isabella von England, Witwe des Kaisers, will dem Deutschen Orden den Kelch Christi abjagen, um ihre Macht zurückzuerlangen. Nach einem spektakulären Turnier in Worms, in dem die Ritter des Deutschen Ordens denen der Kaiserin unterliegen, zieht sie allerdings mit einer Fälschung vondannen. Brennende Lanzen und Strohballen, die mittels eines Katapults entzündet werden, ritterliche Wettbewerbe zu Pferd und Zweikämpfe am Boden fesselten die Zuschauer. Neben den neun Reitern und Pferden waren knapp 50 Helfer beteiligt. „Wir haben eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Leuten“, sagt Michael Cornély, Herold und Moderator der „Compania ferrata“. Die Ritter hatten auch eine zweite Geschichte im Gepäck: In den ersten beiden Turnieren am Samstag musste sich Gräfin Sabina von Horb für einen von vier Rittern entscheiden. Die Pointe: Kurz vor dem letzten Zweikampf wird einer der Finalisten als Heiratsschwindler enttarnt. Die erste Show litt aber nicht nur unter dem Nieselregen, sondern auch unter dramaturgischen Schwächen: Namen wurden verwechselt, Ritterkämpfe ohne Konsequenzen geführt und die Möglichkeiten der Schauspielerei kaum genutzt. Erst bei der zweiten Aufführung brachte die „Compania ferrata“ ordentlich Schwung in die Geschichte.

Mehreren Turnieren voran ging ein Einmarsch der „Gruppo Storico e Sbandieratori“ aus dem italienischen Castiglion Fiorentino. Die Musiker und Fahnenschwinger aus der Toskana hatten die Horber bereits beim Festumzug durch die Innenstadt begeistert: Zur Musik warfen sie ihre rotweißen Fahnen elegant durch die Luft. Über 30 Fanfarenzüge, Gruppen und Gaukler versetzten Horb ins Mittelalter. Die „Horber Fanfare“ mit drei Fanfarenzügen und der „Zauber des Mittelalters“ – ein Auftritt der Band Metusa, die ohne Strom auskommen musste – lockten am Samstag auf den Marktplatz. Dort wurde auch in aufwändigen Kostümen der „Horber Vertrag“ nachgespielt, in dem Kaiser Maximilian den verschwenderischen und unfähigen Herzog Eberhardt entmachtete. Allerdings wirkte das Schauspiel auf der Bühne, die nur für einen Teil der Zuschauer zu sehen war, wenig vorbereitet. Im Burggarten kamen kleine Ritter und Prinzessinnen auf ihre Kosten: Sie konnten mittelalterliches Handwerk in der Kerzenwerkstatt und der Zinngießerei ausprobieren, an der Katapultschießbude eine Burg erobern und sich beim Kinder-Ritter-Tornay mit Steckenpferd und Holzschwert messen. Auch in der Unterstadt brachten Überraschungen wie ein auf einer großen Holzkugel balancierender Gaukler Kinderaugen zum Leuchten.

„Scheißwetter“ ist die spontane Bilanz von Jürgen Wünsche von der Agentur MPS, die die Ritterspiele organisatorisch und kaufmännisch verantwortet. Nicht nur deshalb sind Besucher weggeblieben: Einige haben angesichts des erhöhten Wegezolls kehrtgemacht. 14, ermäßigt sechs Euro waren zu löhnen, Turniereintritt inklusive. Zahlen zu Besuchern und Einnahmen sollen Anfang der Woche vorliegen. „Es gab unterschiedliche Reaktionen auf die neue Preisstruktur“, sagte Wünsche. Während Besuchern, die schon mal ein Ritterturnier sahen, der Eintritt zu teuer war, lobten andere, dass sie mit dem Wegezoll-Ticket erstmals zu Turnieren konnten. „Diesmal waren alle Turniere gerammelt voll“, betont Wünsche. Gut angekommen seien die Familientickets. Für die Zukunft will MPS die Preisstruktur überdenken. Möglich sei zum Beispiel, den Wegezoll im Vorverkauf preiswerter anzubieten. „Masse ist nicht alles“, sagt Axel Blochwitz vom Ritterverein. Das Konzept, dass alle Besucher das Turnier sehen können, sei aufgegangen. „Fulminant“ sei der „Horber Abend“ gewesen.

Anders als in den Vorjahren herrschte auf dem Mittelaltermarkt nur selten Gedränge. „Am Sonntag war wenig los“, sagen Fatima Marques Scherer und Christoph Scherer, die Lederwaren angefertigt und verkauft haben. Unzufrieden sind sie mit manchen Neuerungen: „Die Standgebühr wurde von 85 auf rund 230 Euro erhöht“, berichten die Kunsthandwerker aus dem saarländischen Ottweiler. „So viel zahlen wir sonst nirgends.“ Gekommen sind sie trotzdem, denn die Ritterspiele gehörten zu den angesehensten Mittelaltermärkten in Deutschland: „Horb ist Kult“, sagt Christoph Scherer. Die Atmosphäre sei außergewöhnlich und das Publikum ausgesprochen nett.

Dass die Ritterspiele 2011 wegen des Grünprojekts erst im September stattfinden, halten die Marktbeschicker für einen Fehler: „Viele Kunsthandwerker sind jede Woche auf einem anderen Markt. Das steht Jahre vorher fest“, erklärt Christoph Scherer. Einen solchen Termin sage man nicht ab, denn das gefährde die künftige Teilnahme. Den Lederwaren-Stand werden die Besucher der Ritterspiele 2011 deshalb vergeblich suchen.

Die 14. Ritterspiele: mehr Turniere, höhere Standgebühren und weniger Besucher

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21.06.2010, 12:00 Uhr

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